Düren: Annakirmes-Umzug: Sicherheit geht vor

Düren: Annakirmes-Umzug: Sicherheit geht vor

Wie wird Brauchtum definiert? Diese Frage haben sich in der Stadt Düren schon viele Menschen gestellt, zuletzt der CDU-Ratsherr Rolf Delhougne und der SPD-Bundestagsabgeordnete Dietmar Nietan. Am Donnerstag beschäftigt sich der Dürener Steuerausschuss noch einmal mit dem Festzug zum Annakirmes-Jubiläum.

Die Diskussion, ob Menschen auf Festwagen mitfahren dürfen oder nicht, ist für Bürgermeister Paul Larue allerdings beendet. „Es ist kein Spielraum vorhanden, der Festzug ist kein Brauchtum“, stellt sich Larue hinter die Entscheidung des Amtes, keine Ausnahmegenehmigung für die Mitnahme von Menschen auf Festwagen zu erteilen. Bei Brauchtumsveranstaltungen wie Karnevalszügen kann das in der Straßenverkehrsordnung festgeschriebene generelle Verbot ausgesetzt werden. Sicherheit ist für Paul Larue aber ganz offensichtlich keine Frage der Definition.

Die Frage der Definition war zentraler Punkt in der Argumentation von Rolf Delhougne und Dietmar Nietan. Sie hatten den Bürgermeister aufgefordert, noch einmal alle Akteure an einen Tisch zu holen. Es sollte ein neuer Antrag gestellt werden, in dem klar beschrieben wird, warum auch ein Festumzug Teil des unbestrittenen Brauchtums Annakirmes ist. Zuvor hatten sie unter anderem die Bezirksregierung um eine Einschätzung gebeten, ob dieser Umzug in die Kategorie Brauchtum fällt.

Die Definition sei der Stadt überlassen, hieß es aus Köln. Die Stadt könne „vorhandene Interpretationsmöglichkeiten“ nutzen. Die zu beachtenden Vorschriften seien von Karnevalsumzügen bekannt. Für das Ordnungsamt steht aber fest: Die Kirmes ist Brauchtum, der Umzug nicht. „Der gesamte Verwaltungsvorstand sieht das so“, sagt Paul Larue, der betont: „Ich lasse es nicht zu, dass Kollegen unter politischen Druck geraten.“

Rolf Delhougne zeigte sich am Mittwoch enttäuscht darüber, dass Larue nicht auf den Vorschlag eingehe. „Dann werde ich über die CDU-Fraktion einen Antrag stellen, den Umzug wie geplant als Brauchtumsveranstaltung zu genehmigen“, sagt er. „Der Rat ist in der Lage, alles zu entscheiden“, kommentierte Larue die Pläne seines Parteifreunds. „Aber ich möchte sehen, wer angesichts aller möglichen Konsequenzen den Finger hebt. Wer will im Fall der Fälle die Verantwortung tragen?“

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