Düren: Anklage wegen Untreue im Dürener Rathaus

Düren: Anklage wegen Untreue im Dürener Rathaus

Die Staatsanwaltschaft Aachen hat einen 53-jährigen Angestellten der Stadt Düren wegen Untreueverdacht angeklagt. Er soll zwischen 2003 und 2006 regelmäßig städtische Aufträge an die Baubranche so gestückelt haben, dass sie nicht mehr ausschreibungspflichtig waren, um sie dann „nach Gutdünken”, so Oberstaatsanwalt Robert Deller, an Betriebe aus dem Kreis Düren vergeben zu können.

Gegen sechs Verantwortliche der beauftragten Firmen wurde Anklage wegen Beihilfe zur Untreue erhoben. Ein zweiter Mitarbeiter der Stadt wurde bereits zu einer Geldstrafe verurteilt.

Bei dem Verfahren gegen den 53-Jährigen geht es laut Robert Deller um eine Gesamtauftragssumme im sechsstelligen Bereich. In den meisten Fällen soll es sich um Sanierungsarbeiten an Dürener Schulen gehandelt haben. Der Angeklagte habe Einzelaufträge wie etwa Installationsarbeiten an einer Toilettenanlage für die Vergabe so weit gestückelt haben, dass Auftragssummen entstanden, die unterhalb der Grenze lagen, ab der eine Ausschreibung nötig gewesen wäre.

Ob der 53-Jährige dafür alleine die Verantwortung trägt, könne noch nicht beurteilt werden, sagte Oberstaatsanwalt Deller am Freitag. Bisher habe sich noch keiner der Beschuldigten in der Sache geäußert, so dass diese Frage im Hauptverfahren zu klären sei.

Die sechs Handwerksfirmeninhaber, denen Beihilfe zur Untreue vorgeworfen wird, hätten nach Ansicht der Staatsanwaltschaft erkennen müssen, dass bei ihren Aufträgen Vergaberichtlinien umgangen wurden. Bei einer Vielzahl weiterer beteiligter Handwerksbetriebe habe man dafür keine Anhaltspunkte finden können, so Deller.

Einer der beschuldigten Handwerksmeister machte am Freitag seinem Ärger Luft. Es sei seit 20 Jahren gängige Praxis in Düren und anderen Städten, Aufträge zu stückeln, um das heimische Handwerk fördern zu können und nicht Baufirmen etwa aus Osteuropa beauftragen zu müssen, deren Angebote günstiger sind. „Ich habe oft ohne Aufpreis noch am Wochenende und nachts für die Stadt gearbeitet - und der Dank ist jetzt ein Strafbefehl über 1500 Euro”, klagt der Handwerksmeister.

Den Anstoß zu den Ermittlungen hatte das Rechnungsprüfungsamt gegeben, als es auf Unregelmäßigkeiten bei der Auftragsvergabe gestoßen war. Laut Robert Deller erwartet den angeklagten 53-Jährigen im Fall einer Verurteilung ein Strafmaß von einer Geldbuße bis zu fünf Jahren Haft. Er ist seit zwei Jahren vom Dienst suspendiert.