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Düren: Angriff auf der Scharnhofstraße: Ordnungsamt beklagt Respektlosigkeit

Düren : Angriff auf der Scharnhofstraße: Ordnungsamt beklagt Respektlosigkeit

Sie ahnden Falschparken, fehlende Umweltplaketten oder liegen gelassene Hundehaufen mit Strafzetteln, und bekommen deshalb den Frust und mitunter die Wut der Verkehrssünder und Hundehalter zu spüren: die Politessen.

„Ihre tägliche Arbeit ist nicht immer schön“, kommentiert Christine Käuffer, Rechtsdezernentin in Düren.

Dass am Montag die Woche des Respekts begann, ist vor dem Hintergrund der Ereignisse am Samstag ironisch. Es zeigt aber auch, dass tatsächlich dringender Handlungsbedarf besteht. Am Samstag ist in der Dürener Scharnhofstraße ein Streit um Strafzettel vollkommen eskaliert. Zehn Polizisten wurden von vier Männern verletzt. Ein Mitarbeiter des Dürener Ordnungsamts hatte die Beamten gerufen, nachdem er von einem der vier Männer massiv bedroht worden war.

„Eine solch gravierende Attacke auf einen unserer Mitarbeiter ist nicht die Regel. Das passiert sehr selten.“ Und in dieser Schwere sei es noch nie vorgekommen, berichtete die Dezernentin am Montag auf Nachfrage unserer Zeitung.

Keine leichte Aufgabe

Allgemein aber stelle sie fest, dass die Respektlosigkeit gegenüber ihren Mitarbeitern immer mehr zunehme: „Es ist nicht immer leicht für sie da draußen.“ Natürlich könne Käuffer nachvollziehen, dass jemand frustriert ist, wenn er einen Strafzettel bekommt. Doch es sei nun mal die Aufgabe ihres Amtes, Sicherheit und Ordnung in der Stadt zu gewährleisten.

Diese Aufgabe aber werde immer häufiger torpediert. Wie sich das bemerkbar macht? Vor allem in verbalen Attacken und Beleidigungen gegenüber den Politessen. Viele dieser Sprüche gingen weit über das hinaus, was man in einem normalen Gespräch sagen würde, gibt Käuffer an.

Deshalb bringt das Amt alle Beleidigungen gegenüber seiner Team-Mitglieder zur Anzeige. „Wir müssen die Grenzen wieder ziehen, die von vielen überschritten werden“, stellt die Dezernentin klar.

Das gelte selbstverständlich auch für den Fall von Samstag, bei dem der mutmaßliche Aggressor nach Angaben der Polizei sogar gedroht haben soll, den Mitarbeiter des Ordnungsamts umzubringen, falls er noch einmal die Scharnhofstraße betrete.

Mit einer solchen Drohung umzugehen, obwohl man eigentlich nur seine Arbeit macht, ist schwer.

Für Streitgespräche bekommen die Politessen — Überwachsungskräfte des ruhenden Verkehrs wie sie offiziell genannt werden — und ihre Kollegen des Sicherheitsdienst, die „SOS-Kräfte“, regelmäßige Schulungen: Ehemalige Polizisten trainieren sie darin, brenzlige Situationen zu entschärfen.

Wenn allerdings auch ruhige Worte nichts mehr nützen, sollen sie die Polizei informieren, erklärt Käuffer. Genau so, wie es am Samstag geschehen ist. „Die Polizei zu rufen, war absolut richtig. Das haben ja die nachfolgenden Geschehnisse gezeigt“, sagt die Dezernentin und verteidigt ihren Mitarbeiter.

Verbale Verteidigung zu trainieren, ist das eine. Was ist aber, wenn Politessen körperlich angegriffen werden? Das sei bislang nicht vorgekommen, sagt Käuffer, deshalb gebe es in dieser Richtung bislang auch kein Training.

Anders ist das bei den „SOS-Kräften“, die beispielsweise durch die Stadt patrouillieren oder Anzeigen wegen Ruhestörung nachgehen. Weil sie dabei mitunter in heikle Situationen gelangen, lernen sie auch, körperliche Angriffe abzuwehren. Und auch wenn die „SOS-Kräfte“ manchmal bedroht werden, hätten sie noch keinen Fall erlebt, der so eskaliert ist, wie auf der Scharnhofstraße, berichtet Käuffer.

Ob nun die Politessen in Zukunft ebenfalls Selbstverteidigungskurse bekommen, konnte Käuffer nicht beantworten. Stattdessen wolle man die polizeilichen Ermittlungen abwarten. Bislang sei dieser Fall ja zum Glück in der Schwere einmalig. Gleichzeitig versichert sie: „Wir tun alles, um unsere Mitarbeiter zu schützen.“ Wenn also die Annahme entsteht, dass sich solche Attacken wiederholen könnten, würden sie ein entsprechendes Training vielleicht überdenken.

Der Einsatz am Wochenende ist für ihren Mitarbeiter vergleichsweise glimpflich geendet. Im Gegensatz zu den Polizisten wurde er nicht körperlich verletzt. Was solch ein Ereignis aber für psychische Folgen hat, steht auf einem ganz anderen Blatt. Genau deshalb gebe es auch den Arbeitspsychologischen Dienst der Stadt. Er biete den Ordnungsamts-Mitarbeitern Hilfe und Rat sowohl vor ihren Einsatz als auch danach, um gewisse Erlebnisse zu verarbeiten: „Von dieser Beratung können alle Mitarbeiter immer Gebrauch machen.“

Denn wer „auf der Straße arbeitet, den nehmen solche Vorkommnisse natürlich mit“, erklärt Käuffer. Und zwar nicht nur solche, wie sie am Samstag geschehen sind, sondern auch die harmloseren Attacken.