Düren/Kreuzau: Angelsaison beginnt: Einzelkämpfer mit langer Leine

Düren/Kreuzau: Angelsaison beginnt: Einzelkämpfer mit langer Leine

Hermann Josef Koch ist an der Erft großgeworden, er wohnt in Kerpen-Sindorf. Er ist Naturfreund und Angler — aber den Fluss in seiner Heimat mag er nicht so gerne. Die Rur dagegen schon, deswegen ist Koch gerne in Düren.

„Ich habe die Rur mit der Zeit sehr schätzen gelernt“, erzählt der 70-Jährige. „Sie ist ein sehr sauberer Fluss. Seit der besseren Klärung vielleicht schon zu sauber für das ursprüngliche Ökosystem.“ Weil Koch das Angeln und die Rur so gefällt und er lange in Düren gearbeitet hat, ist er seit 1977 Mitglied des Kreisfischereivereins Düren.

Geht in seine 41. Anglersaison: Hermann Josef Koch. Foto: Claudia Müller, cro

24 Jahre ist er nun auch schon dessen Vorsitzender. An diesem Wochenende beginnt Kochs 41. Angelsaison. Er zählt sich zu den Fliegenfischern, einer „elitärere Gruppe“ der Angler, denen es um den „sportlichen Ehrgeiz“ geht, wie er betont. Rumsitzen und warten, bis ein Fisch anbeißt, gefällt ihm so wenig wie der Fluss vor seiner Haustür. Bis zur Hüfte im Wasser stehen, gegen Strömungen ankämpfen, die geköderten Fische mit der Kurbel „randrillen“: „Das ist der Sport. So mancher ist auch schon baden gegangen.“

„Die humanste Weise“

Fliegenfischer sind diejenigen, die mit ihrer großen Angel die Schnur erst kräftig und bis zu 15 Meter weit durch die Luft schleudern, bis sie im Wasser landet. Für Laien am Ufer wahrscheinlich nicht direkt zu erkennen: Beim Fliegenfischen liegt der Köder — genauer gesagt Fliegen, wie der Name sagt — auf dem Wasser und baumelt nicht an einem Haken unter der Oberfläche.

„Das Fliegenfischen ist die humanste Weise zu angeln, weil der Köder ein künstliches Insekt ist und der Fisch sich nicht an einem Haken verfängt“, erklärt Koch. Etwa 70 Prozent der 330 aktiven Angler seines Vereins sind Fliegenfischer. In der Regel Einzelkämpfer, sagt Koch, darunter auch oft Ärzte und Anwälte.

Der Name des Kreisfischereivereins, der 1936 gegründet wurde, ist missverständlich. Es ist kein Klub, der alle Angler des Kreises erfasst, sondern nur diejenigen, die an der Rur zwischen Düren und Kreuzau, dem Stausee Obermaubach und dem Schlossteich Burgau angeln. Im Kreisgebiet gibt es mehr als 20 weitere Vereine.

Die Angler können sich auf einer Strecke von 16 Kilometern entlang der Rur austoben, die in 26 Abschnitte und markante Stellen wie Brücken unterteilt ist. Die Strecke verläuft vom Gewässerpunkt auf Höhe der Papierfabrik Metsä Tissue in Kreuzau bis hinter die Kläranlage an der Merkener Brücke. Für die Angler hat die Unterteilung eine Bedeutung: Sie müssen in ihr Fangbuch eintragen, wann sie wo welchen Fisch gefangen und mitgenommen haben.

„Drei Bachforellen ab 30 Zentimeter darf jeder pro Tag mitnehmen“, sagt Koch. „Aber die mit einer Länge zwischen 40 und 55 Zentimeter nicht, weil die den Koppenbestand regulieren sollen. Die Koppen werden nämlich immer mehr und sind schädlich, weil dieser kleine Süßwasserfisch ein Laichräuber ist.“ Auch die Äsche soll verschont bleiben, weil ihr größter Feind, der Kormoran, den Bestand arg dezimiert hat. Wer kontrolliert die Angler und ihre Fangbücher? Neun Fischereiaufseher sind für Stichproben unterwegs, es waren mal 17. „Wer will, kann pfuschen, und wir kriegen es nicht mit. Aber wir wollen schon, dass auch Fische für die übrig sind, die nicht so oft angeln und von weiter her kommen“, betont Koch.

Frühjahrsputz in der Rur

Die Angler fischen aber nicht nur in der Rur. Sie kümmern sich auch um deren Sauberkeit: An diesem Wochenende steht der traditionelle Frühjahrsputz an. „Wir befreien die Rur vom Wohlstandsmüll, das kann man nicht anders sagen. Grillreste zum Beispiel“, sagt Koch, der mit seinen Vereinskameraden auch biologische Proben aus den Gewässerabschnitten entnimmt.

So wird die Wassergüte, also die Sauberkeit, in Noten von eins (am besten) bis vier bestimmt. Entscheidend für die Güte sind die Larvenarten, die auf dem Grund zu finden sind. Denn bestimmte Larven brauchen eine bestimmte Güte. „Die Noten drei oder vier hat die Rur nirgendwo. In Höhe von Lendersdorf zum Beispiel aber eine Güteklasse von 1,8. Das ist richtig gut“, erzählt Hermann Josef Koch.

Das unterstreicht einmal mehr, warum der Mann aus Kerpen-Sindorf so gerne in den Gewässern des Kreises Düren steht.

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