Kreis Düren: Anforderungen an Erzieher hoch, aber kaum Wertschätzung und Bezahlung

Kreis Düren : Anforderungen an Erzieher hoch, aber kaum Wertschätzung und Bezahlung

Immer mehr Kinder werden außerhalb ihrer Familien betreut. Die Zeit, die sie täglich in der Kita verbringen, wird länger, und die Anzahl der Kita-Jahre steigt ebenfalls. Manche Kinder gehen mehr als fünf Jahre lang in die Kita, im Alter von einem Jahr sind manche von 7 bis 16 Uhr in der Einrichtung, verbringen mehr Zeit mit ihren Erziehern als mit den Eltern.

Die Bezahlung ist nicht unbedingt üppig und Anerkennung gibt es für Erzieher eher wenig. Und das sind dann wohl auch die Gründe, warum den Kita-Trägern das Personal ausgeht.

Mehr als nur Spielen: Die Anforderungen an den Alltag in Kindertagesstätten sind gestiegen, die Ausbildung ist umfassender geworden. Immer häufiger werden mehr Wertschätzung des Berufs und eine bessere Bezahlung gefordert. Unser kleines Foto zeigt Ausbildungsleiterin Johanna Fischer, die angehenden Erzieher Michael Augustat und Tatjana Kanajkin sowie die stellvertretende Schulleiterin Astrid Lehmann vom Nelly-Pütz-Berufskoleg (von links). Foto: smb

Tatjana Kanajkin (21) und Michael Augustat (38) wollen Erzieher werden — trotz allem. Die beiden studieren am Nelly-Pütz-Berufskolleg in Düren. Und sie freuen sich auf ihr Berufsleben. Tatjana Kanajkin hat sich gleich nach dem Abi für diesen Berufsweg entschieden, Michael Augustat macht eine Umschulung. Zuvor war er Koch.

„Basteln und Spielen — das kann doch jeder“, ist eines der Vorurteile, mit dem Erzieher leben müssen. Auch von den Eltern gibt es da nicht immer Wertschätzung. „Die Frage ist aber, wie man mit Kindern spielt, wie man sie — ohne, dass sie es merken — gezielt fördert, ihnen im Spiel etwas beibringt“, sagt Tatjana Kanajkin.

Für sie und die Verantwortlichen ihrer Schule ist die Kita die erste Bildungseinrichtung, die ein Kind besucht. Auf der einen Seite würden von allen Seiten hohe Erwartungen an Kitas und Erzieherinnen gestellt: „Die Schule erwartet eine bestimmte Vorbildung, die Eltern erwarten, dass die Kinder gut sprechen, später in der Schule gut mitkommen, gute Umgangsformen haben und selbstständig werden. Außerdem sollen sie sich wohlfühlen“, fasst Astrid Lehmann, die stellvertretende Schulleiterin, zusammen. Zudem werde erwartet, dass die Kinder sich bewegen, über gesunde Ernährung informiert werden, sich emotional gut entwickeln und erste Medienkompetenz entwickeln. „Gesellschaft und Wirtschaft erwarten zudem eine hohe Flexibilität, damit Familie und Beruf vereinbar sind.“

Bildungspartnerschaft wichtig

Kitas und Schulen, das wissen die Experten, müssten vieles auffangen und richten, dabei sei eine gute Bildungspartnerschaft von Eltern und Einrichtungen besonders wichtig. „Die große Herausforderung für Erzieher ist es, die Zeit in der Kita für Kinder so zu gestalten, dass sie gefordert und gefördert werden und bis zum Ende gerne in die Kita gehen“, fasst Johanna Fischer, die Ausbildungsleiterin zusammen. Zudem sei die Partizipation wichtig, das Kind soll seine Entwicklung mitbestimmen.

„Das alles bietet schon ein hohes Druckpotenzial für diejenigen, die in den Einrichtungen arbeiten“, sagt Ausbildungsleiterin Johanna Fischer. Tatjana Kanajkin ergänzt: „Es ist aber ja auch schön, Verantwortung zu tragen. Eltern vertrauen uns ihre Kinder an. Wir sehen ihre Entwicklung und tragen unseren Teil dazu bei.“

Jobsicherheit

„Aus finanzieller Sicht müsste ich einen anderen Beruf lernen“, sagt Michael Augustat, der später gerne in einem Heim arbeiten möchte. „Aber immerhin ist die Jobsicherheit in unserem Fall derzeit gegeben.“ Seine Kommilitonin ergänzt: „Wir machen diesen Beruf ein Leben lang, da muss man sich losgelöst von der finanziellen Situation für etwas entscheiden, dass Freude macht.“

Gleichwohl würde sie sich sehr wünschen, dass sich das Bild in der Gesellschaft ändern würde. Michael Augustat wünscht sich, dass mehr Männer den Beruf wahrnehmen, denn das sei für die Kinder wichtig.

(smb)