Düren/Krakau: Andrei hat ein echtes Stück Volleyball-Geschichte geschrieben

Düren/Krakau: Andrei hat ein echtes Stück Volleyball-Geschichte geschrieben

Ein bisschen war ihm die Enttäuschung Montagmittag schon noch anzumerken. „Natürlich freuen wir uns total über die Silbermedaille. Aber wir wissen eben auch, dass uns eine riesige Chance flöten gegangen ist.“ Michael Andrei (32), Mittelblocker der SWD Powervolleys und Volleyball-Nationalspieler aus Düren, hat mit seinem Team um Bundestrainer Andrea Giani am Sonntagabend Geschichte geschrieben.

In einem packenden Fünf-Satz-Finale hat die deutsche Mannschaft in Krakau gegen Favorit Russland knapp verloren — und damit die erste EM-Medaille für Deutschland überhaupt geholt. Für Andrei ist es nach Bronze bei der Weltmeisterschaft 2014 in Tschechien und Gold bei den Europaspielen 2015 in Aserbaidschan die dritte Medaille mit der Nationalmannschaft. „Jetzt“, sagt der Mittelblocker mit einem Augenzwinkern, „habe ich alle Farben komplett und kann wieder von vorne anfangen zu sammeln.“

Für die jüngste Medaille und das Finaltrikot mit den Unterschriften aller Mannschaftskollegen hat Andrei noch keinen bestimmten Platz gefunden. „Aber natürlich wird diese Medaille einen Ehrenplatz bei uns zu Hause bekommen.“

Insgesamt war Andrei in diesem Sommer rund zehn Wochen mit der Nationalmannschaft unterwegs — vor der EM in Polen stand noch die WM-Qualifikation auf dem Programm. „Leider haben wir uns nicht für die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr qualifiziert. Trotzdem hat die Mannschaft auch nach diesem Rückschlag nicht aufgegeben und eine Wahnsinns-Leistung bei der EM abgeliefert.“

Überhaupt, ergänzt Andrei, seien Team- und Kampfgeist die absoluten Stärken der Nationalmannschaft gewesen. „Wir haben nie aufgegeben, immer weiter gekämpft und bis aufs Blut alles gegeben.“ Sein Teamkollege Georg Grozer sei im Tie-Break mit dem Fuß umgeschlagen. „Trotzdem war es nie eine Option aufzugeben. Ich glaube, der hätte dieses Spiel auch mit Krücken zu Ende gespielt.“ Darüber hinaus sei auch die Kulisse in Polen einzigartig gewesen. „Ich hatte bisher noch nie vor 15000 Zuschauern gespielt. Das ist schon ein unglaubliches Gefühl.“

Europameisterschaft in Krakau

Für die Saison in Düren, sagt der 2,10 Meter große Sportler, nehme er von der Europameisterschaft in Krakau vor allem jede Menge Selbstvertrauen mit. „Ich war ja nicht der einzige Spieler der Powervolleys, der bei der EM dabei war.“ Stimmt, auch Zuspieler Stijn D’Hulst war mit der belgischen Nationalmannschaft in Polen dabei. Immerhin hat er mit seinem Team Platz vier erreicht. Andrei: „Er hat ein sehr gutes Turnier gespielt und für seine Mannschaft nicht selten wichtige Punkte erspielt.

Ich bin mir sicher, dass wir uns in Düren auf eine schöne Erstligasaison freuen können.“ Andrei ist überzeugt, mit der neuen Mannschaft an die Erfolge der vergangenen Saison anknüpfen zu können. „Und vielleicht ist ja auch noch ein bisschen mehr drin. Ich bin jedenfalls total motiviert.“

Am Montag und Dienstag hat Michael Andrei sich erst einmal ausgeruht und ausgeschlafen. „Es ist wichtig, dem Körper Ruhe zu gönnen“, so der Sportler. „Aber so wie ich mich kenne, wird meine Trainingspause nicht sehr lange dauern.“ Andrei hofft, dass die EM-Medaille dem Volleyball in Deutschland zu mehr Wertschätzung verhilft. „Ich denke, wir haben gute Werbung für unseren Sport gemacht. Aber nach der WM-Bronze-Medaille vor drei Jahren ist die Wertschätzung für unseren Sport auch ziemlich schnell wieder verpufft. Mal sehen, wie das diesmal sein wird.“

Mehr von Aachener Zeitung