Düren: „Amigos“-Fans genießen den Melodienreigen

Düren: „Amigos“-Fans genießen den Melodienreigen

„Bis ans Ende der Zeit“ werden die „Amigos“ wohl durch den deutschsprachigen Raum mit ihrem Bus touren und, glaubt man dem Terminkalender, die auf die Bühnenrückwand der Kreisarena projiziert war, dabei jeden Winkel des Landes erkundet haben. Ob das erfolgreichste deutsche Schlagerduo dabei im Höhenflug oder Sinkflug ist, wird die Zeit zeigen.

In Düren hatten nicht übermäßig viele Zeit für das Konzert mit den beiden Ulrich-Brüdern. Die Halle wurde schon im Vorfeld optisch verkleinert, und auf den Zuschauerrängen klafften große Lücken. Vielleicht war es dieser Anblick, der den beiden Barden der volkstümlichen Musik zunächst die Laune verdarb. Etwas missmutig, mit hängenden Mundwinkel und einem gequälten „Antritts-Lächeln“ in steifer Körperhaltung begannen sie ihr Repertoire vorzutragen.

Enzückte Fans

Doch nach einiger Zeit siegte der Profi in den Beiden. Sie wurden etwas lockerer und spulten ihr Programm ab, nicht immer stimmsicher, aber routiniert. Die eingefleischten Fans waren dennoch entzückt. Die Lieder über Liebe, Treue, gemeinsames Glück, aber auch über Schicksalsschläge und harte Zeiten bewegte dass überwiegend ältere Publikum. „Vergesst die Alltagssorgen, die Benzinpreise, genießt einfach die Lieder der Amigos!“, forderte Bernd, der jüngere der Ulrich-Brüder.

Dann ergoss sich der Liedreigen über das überwiegend weibliche Publikum, der von Eheglück („Zwei goldene Ringe“), der Treue („Ich geh für dich durchs Feuer“), der Untreue („Lügst du immer noch?“) oder ewiger Jugend („Im Herzen jung“) erzählte — Illustrierten-Themen in eingängigen Noten und Akkorden in Moll und Dur umgesetzt.

Auch ein ernstes Thema

Politisch wurde es auch, als die Sänger, die erst seit wenigen Jahren auf der Erfolgswelle schwimmen, „die Griechen nicht kriechen“ sehen wollten und mit „Weiße Rosen“ ein Lied präsentierten, bei dem Nana Mouskouri und Udo Jürgens Paten hätten sein können.

Ein Stimmungshoch gab es beim Gassenhauer „Du bist der helle Wahnsinn“ und Betroffenheit, als die „Amigos“ mit ihrer Version von „Ave Maria“ ein Lied gegen Kindesmissbrauch präsentierten und sich als Botschafter der Opferschutzorganisation „Der Weiße Ring“ zu erkennen gaben. Harte, offene Attacken gegen Teile der Kirche und einige Pädagogen, die in Missbrauchsfälle verwickelt waren. Kindesmissbrauch dürfe nicht verjähren, da es „Mord an einer Kinderseele ist“ forderten die Amigos. Sexualstraftäter sollten lebenslänglich weggesperrt werden. Frenetischen Beifall gab es von den meisten, andere schüttelten den Kopf, empfanden es als eher peinlich. Umso mehr, als mit dem nächsten Lied („Ich ruf für dich im Himmel an“) das Thema einfach weggewischt wurde.

Die Show ging weiter, ein paar Zoten verdrängten jeden Anflug von Ernsthaftigkeit. Die beiden Ü-60-er hatten jedenfalls ihr Publikum voll im Griff, das, je länger das Konzert dauerte, immer aktiver wurde. Da wurden auch die Amigos entspannter und brachten mit einigen Hitmixes, vor allem im Zugabenteil nach dem musikalischen Einerlei, richtig Schwung in die Halle. Die Fans zeigten sich dankbar für einen Abend, an dem ihre Lieder gespielt wurden.

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