Hürtgenwald/Bad Neuenahr: Am Wegesrand ein Stück Geschichte entdeckt

Hürtgenwald/Bad Neuenahr: Am Wegesrand ein Stück Geschichte entdeckt

Für Geschichte hat Wolfgang Baumgarten sich schon immer interessiert. Jetzt hat er ein Stück Geschichte gefunden: Ein 4000 Jahre altes Steinbeil, das künftig seinen Platz in der Dauerausstellung des Landesmuseums in Bonn finden wird.

„Es ist ein wichtiger Fund, aus dem wir etwas über die Technologie und die Verbreitung der Bauern in der Jungsteinzeit lernen können”, sagt Dr. Ralf Schmitz vom Landesmuseum in Bonn.

Dass es im Rheinland schon früh Siedlungen gegeben habe, wisse man. „Man weiß aber nie genau, wo”, sagt Schmitz. Der Fund in Vossenack ist ein Puzzleteil zur Rekonstruktion der Geschichte. Den Fundort haben die Mitarbeiter des Landesmuseums deshalb genau kartiert.

Wolfgang Baumgarten ist 1930 in Hürtgen geboren. Heute lebt der pensionierte Jurist in Bad Neuenahr. Aber immer wieder zieht es ihn zurück in die Natur der Heimat. Die Beschäftigung mit der älteren Geschichte ist für ihn seit Jahren ein Hobby. Er weiß um die Siedlungsgeschichte des Rheinlandes. Reiner Zufall sei es daher nicht, dass er das Steinbeil gefunden hat.

Wald und Flur betrachtet Wolfgang Baumgarten aufmerksam. Ein bisschen Glück gehört aber schon dazu. „Das Beil lag am Weg Zum Wehebach, an einer abschüssigen, teilweise hohlwegartigen Trasse, die vor langer Zeit sicher eine wichtige Verbindung von der Höhe zum Wasser im Tal war”, sagt Wolfgang Baumgarten. Ein bisschen abseits des Weges kam die Spitze des Beiles unter Steinen hervor. Es ist aus geschliffenem Feuerstein und gut erhalten.

„Mir war klar, dass ich diesen Fund auch der Öffentlichkeit Zugänglich machen möchte”, sagt Wolfgang Baumgarten. „Angesichts dieses Fundes wird einem die seinerzeit schon hoch entwickelte Steinmetzkunst unserer Vorfahren deutlich.” Also hat der rüstige Rentner sich an das Landesmuseum in Bonn gewendet. „Das Beil zeigt uns, dass in der Nähe eine Siedlung war, an der die Menschen Bäume gefällt und Häuser gebaut haben”, sagt Historiker Schmitz.

Selten sind solche Beile nach Angaben der Fachleute nicht, gleichwohl sei jeder Fund zum Verständnis der Vergangenheit wichtig. „Und für jeden einzelnen, der ein solches Zeugnis der Geschichte findet, ist es natürlich ein sehr besonderer Moment”, sagt Petra Tutlies, Leiterin der Außenstelle des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege in Wollersheim. Als Erinnerung hat Wolfgang Baumgarten für sich eine Kopie des Beils anfertigen lassen, eine zweite hat er dem Heimatmuseum Vossenack zur Verfügung gestellt.

Nicht einbehalten

„Wenn Spaziergänger etwas finden, können sie sich an uns wenden”, sagt Petra Tutlies (Tel. 02425/90390). Für die Wissenschaftler können sich spannende Informationen auftun, wenn sie den Fundort eines Objektes kennen. Deswegen freuen sie sich über jeden, der kommt. „Übrigens gehören die Objekte zur Hälfte dem Finder und zur Hälfte dem Grundstückseigentümer”, sagt Tutlies und räumt mit einem Vorurteil auf: „Wir behalten die Objekte nicht ein.” Sie können jedoch für ein halbes Jahr für Untersuchungen geliehen werden. Die Informationen bleiben dann für die Zukunft erhalten.

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