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Hergarten-Düttling: Altes Handwerk lässt Gerd Linden nicht los

Hergarten-Düttling : Altes Handwerk lässt Gerd Linden nicht los

Wenn demnächst dicke Rauchwolken über Düttling aufsteigen, ist es wieder so weit. In der Nähe des Nationalpark-Dorfes kohlt dann wieder ein Holzkohlemeiler von Gerd Linden. Es wird dann der sechste des Mannes aus Düttling sein.

Am Sonntag beginnt der Aufbau des Meilers — in diesem Jahr an einem historisch bedeutsameren Platz in der Nähe des alten Meilergeländes. Bis zum 31. Mai kann dieser von Besuchern und Gruppen erkundet werden.

Alle zwei Jahre veranstaltet Gerd Linden ein solches Meilerfest, bei dem auf alte und traditionelle Art Holzkohle hergestellt wird. Für ihn ist es ein Geschenk an die Region. „Ich habe sehr viel übrig für die Region und ich hoffe, dass so noch mehr Touristen hierher kommen“, stellte Gerd Linden seine Beweggründe vor.

Gelernt hat er das Handwerk des Köhlers im Freilichtmuseum in Kommern. 35 Meiler hat er niedergebrannt, denn will man das Handwerk weitergeben, so geht dies nur durch Lernen, während man es macht. „Das Handwerk darf nicht verloren gehen, deshalb müssen wir die Traditionen hochhalten, sonst weiß keiner mehr, wie es geht“, erklärte er mit Nachdruck.

Wie bereits in den Jahren zuvor wird der Aufbau des Meilers vier Tage in Anspruch nehmen und wird von zehn bis 15 Mann bewerkstelligt, die 60 Kubikmeter Buchenholz stapeln. Der Meiler wird eine Höhe von etwa 2,70 Metern haben und rund sieben Meter im Durchmesser breit sein.

Acht bis neun Tage wird er schwelen, bis die Holzkohle „geerntet“ und verkauft werden kann. In dieser Phase müssen die Köhler alle zwei Stunden auf den Meiler — Tag wie Nacht, um zu sehen, wie stark er abbrennt, und die Rauchlöscher versetzen.

Entzündet wird der Holzkohlemeiler am 19. Mai. Zuvor segnet Pfarrer Hans Donks aus Heimbach ihn ein. Jedes Mal lässt sich Gerd Linden etwas Besonderes für die Entzündung einfallen.

Dieses Jahr wird der Meiler mit dem Friedensfeuer aus Betlehem entfacht. Dieses wird von einem Kind an der Flamme in der Geburtsgrotte von Jesus Christus entzündet und in die gesamte Welt gebracht.

Zweistündige Wanderung

In Deutschland nehmen sich die Pfadfinder der deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg des Lichts an. Gerd Linden hat das Licht bereits im Dezember bei den Pfadfindern aus Blankenheim-Rohr geholt, für alle Haushalte in Düttling eine Kerze entzündet, diese den Bewohnern geschenkt und die Flamme danach in die Heimbacher Kirche gebracht.

Am 19. Mai werden die Jungen und Mädchen der Pfadfinderschaft Sankt Georg aus Rohr die Flamme in Heimbach abholen und in einer knapp zweistündigen Wanderung, begleitet durch den Eifelverein nach Düttling zum Meiler bringen.

Die Flamme wird dann in die sogenannte Fülle gegeben, einen Hohlraum von 40 Zentimetern Durchmesser in der Mitte des Meilers. Auf dem Boden der Fülle befinden sich zwei Hölzer, die ein Kreuz bilden. Mit dieser Tradition bitten die Köhler um gutes Gelingen.

Neben dem Meiler selbst wird den Besuchern eine ganze Reihe von Angeboten und Attraktionen geboten. Es wird eine traditionelle Köhlerhütte geben, eine Schaumeile mit Fotos und kleineren Schaumeilern, damit die Besucher sehen können, wie es im Inneren aussieht, den berühmten Köhlerbraten, eine Greifvogelschau, Holzrückevorführungen mit Kaltblütern, Schmiedekunst und Besenbinder, Schnitzkunst mit der Motorsäge, Obstbrände, Verarbeitung von Pferdehaar, sowie die rollende Waldschule mit 100 Tierpräparaten.

Selbstverständlich gibt es auch kostenlose Führungen rund um den Meiler. Außerdem hat sich Gerd Linden einen Höhepunkt für dieses Jahr einfallen lassen: In der Vulkanbrauerei in Mendig hat er ein Köhlerbier brauen lassen. Der „schwazze Kääl“ ist ein naturtrübes Bockbier.