Düren: Altersmedizin: Krankenhaus Düren und LVR-Klinik kooperieren

Düren: Altersmedizin: Krankenhaus Düren und LVR-Klinik kooperieren

Wenn Dr. Sonja Külkens morgens ihren Dienst antritt, landet sie im Krankenhaus Düren in der Roonstraße. Auf sechs Stationen besucht sie Patienten, kümmert sich um sie, spricht mit dem Pflegepersonal und den Ärzten, gibt Hilfestellungen. Das klingt nach einem normalen Arbeitstag und doch ist es eine kleine Revolution, bei der man sich fragt, warum sie nicht schon früher stattgefunden hat.

Dr. Sonja Külkens ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, ihr Arbeitgeber ist nicht etwa das Krankenhaus Düren, sondern die LVR-Klinik in der Meckerstraße.

„Der demografische Wandel stellt die Krankenhäuser vor große Herausforderungen. Während der Anteil der Menschen im höheren Lebensalter kontinuierlich steigt, sind viele Krankenhäuser angesichts der Komplexität und der besonderen Anforderungen, die die Behandlung der immer älter werdenden Patienten erfordert, schon heute überfordert“, sagt Christoph Lammertz vom Dürener Krankenhaus. In Düren will man sich genau dieser Herausforderung stellen, denn immer mehr ältere Patienten bedeutet auch, dass immer mehr Patienten behandelt werden müssen, die an Demenz leiden und deshalb eine besondere Betreuung benötigen.

Dabei geht man im Krankenhaus Düren einen besonderen Weg: statt eine eigene Demenzstation einzurichten, will man die Patienten auf der jeweiligen Fachstation betreuen. Das Besondere daran ist die Kooperation mit der LVR-Klinik. So nahe liegend wie sie ist, so kompliziert war sie zu bewerkstelligen. „Da gab es bürokratische Hürden, die wir überwinden mussten. Geholfen hat, dass man die Sinnhaftigkeit hinter dieser Kooperation erkannt hat“, erklärt Christoph Lammertz.

Den engsten Kontakt hält Külkens zu den Pflegekräften, die sie immer dann rufen, wenn Patienten in irgendeiner Form „auffällig“ werden, zum Beispiel weil sie unruhig sind, nachts oft aufstehen, oder einen verwirrten Eindruck machen. „Das muss bei einem Ortswechsel bei älteren Menschen noch nichts bedeuten“, sagt Dr. Sonja Külkens. Es kann aber ein erstes Anzeichen für eine dementielle Veränderung sein. Külkens spricht mit den Patienten, schaut darauf, welche Medikamente sie nehmen, spricht mit Ärzten und Pflegepersonal, gibt Tipps.

Oft geht es dabei nur um ganz kleine Hilfestellungen. Wer älter ist und des nachts oft aufsteht, kommt beispielsweise mit einem niedrigeren Bett in Türnähe besser zurecht. In anderen Fällen gibt Külkens den Patienten Empfehlungen mit, zum Beispiel für den Hausarzt. Es gibt aber auch einzelne Fälle, wie den eines Patienten, der nicht mehr leben wollte.

Külkens: „Der Patient war nicht gut ansprechbar. Erst nach einer Therapie wurde es deutlich besser.“ Beim zweiten Besuch der Psychiaterin war der Mann dann aber depressiv. Hintergrund war eine Auseinandersetzung in der Familie über die weitere Behandlung. Das Endergebnis: Für den Patienten musste eine gesetzliche Betreuung veranlasst werden.

Auch wenn dies ein Ausnahmefall ist, zeigt er, wie sinnvoll hier der Einsatz der Fachärzte der LVR-Klinik ist. Christoph Lammertz vom Krankenhaus Düren: „Wir haben bereits ein professionelles Überleitungsmanagement, wo nach einer schweren OP zum Beispiel auch nach einem Heimplatz für betroffene Patienten gesucht wird, aber in diesem besonderen Fall wären wir vermutlich an unsere Grenzen gestoßen.“

Um den Kompetenzgewinn durch die Zusammenarbeit mit der LVR-Klinik zu stärken, hat das Krankenhaus zusätzlich eine Altersmedizinerin für das Team abgestellt. Erklärtes Ziel ist zudem, die Abteilung weiter fachlich aufzuwerten. Lammertz: „Wir werden künftig viel stärker multidisziplinär am Patienten arbeiten und mit dem frühen Einsatz rehabilitativer Maßnahmen die Gesamtbehandlungsdauer bei diesen Patienten verkürzen.“

Von der Kooperation profitiert umgekehrt aber auch die LVR-Klinik. Demente Patienten, die wegen körperlicher Beschwerden nicht in der LVR-Klinik behandelt werden können, können nun im Krankenhaus Düren weiter betreut werden. Und: „Eine geschulte Psychiaterin ist an dieser schwierigen Schnittstelle sehr wichtig“, ist Dr. Sonja Külkens überzeugt, dass die neue Kooperation auch ein Schritt ist, weiter bestehende Vorurteile gegen die Psychiatrie abbauen zu helfen.