Alter R4 mit Elektromotor pendelt täglich nach Düren

Fast komplett in Eigenleistung : Alter R4 mit Elektromotor pendelt täglich nach Düren

80 Stundenkilometer sind für Detlef Monjean die perfekte Reisegeschwindigkeit – zumindest, wenn er in seinem kleinen, weinroten R4 mit Elektromotor aus dem Jahr 1985 unterwegs ist. Der Umbau war keine einfache Angelegenheit.

„Natürlich fahre ich auch gerne schnell“, sagt der 55-jährige Speditionskaufmann aus Vossenack, der in Düren in dritter Generation den Familienbetrieb führt, „aber mein R4 hat mir beigebracht, wie schön langsames Autofahren sein kann. Es entspannt mich total, mit diesem Auto unterwegs zu sein.“ Der R4 ist nicht einfach nur ein netter, 34 Jahre alter Oldtimer, und Detlef Monjean ist nicht nur ein großer Freund alter französischer Fahrzeuge. Monjeans R4 ist ein Elektrofahrzeug.

Den Umbau und die komplette Restauration seines Fahrzeuges hat der Spediteur fast komplett in Eigenleistung gemacht. „Ich bin mit Autos und Motoren groß geworden“, erzählt Monjean. „Und alls, was Räder hat, hat mich schon immer fasziniert. Als ich dann bei einem Oldtimertreffen eine Ente mit Elektromotor gesehen habe, wollte ich etwas Vergleichbares auch haben. Ich fand das einfach toll.“

Alternative Antriebe haben den Spediteur – nicht zuletzt wegen seines Berufes – schon immer interessiert, aber auch der Umweltgedanken ist dem Vater und Großvater wichtig. „Wir haben im Betrieb und zu Hause eine Photovoltaikanlage und fahren auch sonst Elektroautos. Mir gefällt einfach, dass diese Autos sehr leise sind und nicht stinken.“ Zu Renault hat Monjean ebenfalls eine lange Verbindung. „Das sind zuverlässige Autos, die nicht allzu teuer sind. Das hat bei meinem ersten Auto den Ausschlag für einen Renault gegeben. Und ich mag diese Marke einfach immer noch. Heute ist das für mich ein Stück Lifestyle.“

Schnell hat Detlef Monjean in Frankreich den R4 für sein Projekt Elektro-Oldtimer gefunden, der passende Motor kommt aus Offenbach. „Das Auto habe ich für 1200 Euro bekommen, die Bauteile für den Elektromotor haben etwa 15.000 Euro gekostet. Das ist natürlich viel Geld. Deswegen war es mir wichtig, den Wagen komplett zu sanieren.“ Und genau das hat Detlef Monjean auch gemacht. Er hat sein altes Schätzchen komplett auseinandergenommen, sandgestrahlt, neu lackiert, alle Verschleißteile erneuert und ihm ein Faltdach verpasst.

„Das war viel mehr Arbeit, als nur den neuen Motor und die Batterien einzubauen“, sagt er. „Ich habe fast ein Jahr gebraucht, aber die Arbeit hat natürlich auch sehr viel Spaß gemacht.“ Eine Besonderheit des außergewöhnlichen Elektrofahrzeuges: Der R4 hat immer noch ein Getriebe mit Viergang-Revolverschaltung. Monjean: „Damit unterscheidet er sich natürlich komplett von anderen Elektroautos, mit denen man nicht schalten, sondern nur vor- und rückwärts fahren kann.“

Der moderne Motor des 34 Jahre alten R4. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Für die TÜV-Abnahme seines Elektro-Oldtimers ist Monjean nach Offenbach gefahren. „Von dort kamen der Motor und die Batterien“, erzählt er. „Und dort gab es schon einmal einen Oldtimer mit Elektroantrieb. Die Leute vom dortigen TÜV kannten sich damit einfach aus.“ Monjean ist überzeugt, dass Oldtimer wie seiner immer noch eine große Ausnahme sind. „In Oldtimer-Fachkreisen ist es verpönt, die Autos so gewaltig umzubauen“, sagt er. „Da muss alles am besten so original wie möglich sein.“

Trotz aller Investitionen bleibt der R4 für Detlef Monjean immer noch ein normales Auto und zwar eins, mit dem er fast täglich von Vossenack nach Düren zur Arbeit unterwegs ist. „Nur wenn im Winter Salz auf den Straßen ist, fahre ich ihn nicht. Aber sonst immer. Dieses Auto ist immer noch ein R4 und nicht mehr.“

Aber ist der kleine rote Wagen, denn nun Detlef Monjeans Traumauto? „Fast“, sagt der Geschäftsmann und lacht. „Meine Batterien haben eine Rechweite von 70, maximal 80 Kilometer. Das ist nicht viel, vor allem dann nicht, wenn man in Vossenack wohnt. Wenn es irgendwann Batterien mit einer Reichweite von 200 Kilometern gibt, dann ist dieser Wagen mein Traumauto. Absolut.“

Die Batterien des R4. Foto: ZVA/Sandra Kinkel
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