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Binsfeld: Alltag trotz Demenz meistern

Binsfeld : Alltag trotz Demenz meistern

Agnes Breuer hat Kummer. Es mache sie schrecklich traurig, dass ihr Vater ihren neuen Freund nicht akzeptiere, sagt sie und schaut ganz ernst.

Ihr Blick verliert sich im Nirgendwo. Agnes Breuer (Name geändert) ist 80 Jahre alt. Und Agnes Breuer ist dement. Ihr Vater lebt längst nicht mehr. Einen neuen Freund gibt es auch nicht. „Ist denn sonst alles in Ordnung?”, möchte Monika Paillon wissen. „Es muss”, sagt Agnes Breuer. Dann lächelt sie tapfer.

Als Mitarbeiterin der Seniorenresidenz Burg Binsfeld hat Monika Paillon täglich mit Bewohnern zu tun, die erst langsam, aber mit zunehmender Wucht in den Strudel des Vergessens geraten. Irgendwann wissen sie nicht mehr, wer die Menschen sind, mit denen sie ihr Leben verbracht haben. Der Ehemann, die Ehefrau, Kinder und Enkel. Ganz zum Schluss wissen sie schließlich nicht mehr, wer sie selbst sind. Was zurück bleibt, ist Verwirrung über das Verschwinden des eigenen Ichs. Die Realität verliert an Kontur. Ja, und dann? „Sie können nicht mehr in unsere Welt”, sagt Paillon. Wir können nur noch in ihre.”

Eine gepflasterte Allee mit mächtigen Bäumen führt geradewegs zur Burg Binsfeld, die im 16. Jahrhundert erbaut wurde und damals eine Wasserburg war. Sie sieht ein bisschen so aus, wie man sich die verwunschenen Schlösser in Grimms Märchen vorstellt. Hinter deren Mauern zauberhafte Dinge geschehen.

Rote Backsteine türmen sich zum Herrenhaus mit seinen verspielten Erkern und Zinnen auf. Burg Binsfeld, das sind vor allem dicke Wände und hohe Decken. Es gibt einen begrünten Innenhof und Wege, die zu den Wohngruppen führen. Außerdem gibt es einen zweckdienlichen Neubau. Seit 1993 existiert die Seniorenresidenz, seit kurzem unter neuer Trägerschaft

Auf Burg Binsfeld leben im Moment rund 150 Senioren. Drei Viertel von ihnen sind dement. Darauf hat sich der Mitarbeiterstab eingestellt. „Das Wichtigste ist, unseren Bewohnern zu vermitteln: So, wir ihr seid, seid ihr gut”, sagt Paillon, die von Anfang an in der Seniorenresidenz gearbeitet hat. Zuerst an der Rezeption, mittlerweile im Sozialen Dienst. Selbstbestätigung will man den alten Menschen hier vermitteln und die Gewissheit, dass sie behütet und willkommen sind. Noch immer, findet Paillon, sei die Diagnose Demenz schambehaftet. Dann heiße es: „Mutter ist verrückt!” Demenzkranke seien nicht verrückt. Nur in ihrem Kopf sei buchstäblich etwas „ver-rückt”.