Aktionswoche im Kreis Düren: Alkohol am Arbeitsplatz

Aktionswoche im Kreis Düren : Alkohol am Arbeitsplatz: Bloß nicht wegschauen!

„Kein Alkohol am Arbeitsplatz!“ – so lautet der Schwerpunkt der Aktionswoche Alkohol, die bundesweit und auch im Kreis Düren ab Samstag zum siebten Mal stattfindet. „Ja, Alkohol am Arbeitsplatz ist auch heute noch ein Thema“, bekräftigt Hannelore Viehöver-Braun, von der Selbsthilfekontaktstelle des Paritätischen.

Sie und ihre Mitstreiter von der Drogenberatungsstelle und den Anonymen Alkoholikern wollen vom 18. bis zum 26. Mai auf die Thematik aufmerksam machen und für einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol werben.

Inge Heymann, Leiterin der Drogenberatungsstelle, weiß, dass sich beim Alkoholkonsum am Arbeitsplatz in den vergangenen Jahrzehnten schon einiges geändert hat, gänzlich gebannt sei das Problem aber nicht. Und selbst dort, wo nicht offen am Arbeitsplatz getrunken wird, könne Alkohol ein großes Problem sein. Fachleute schätzen, dass zehn Prozent aller Beschäftigten aus gesundheitlicher Sicht zu viel trinken.

„Der Alkoholismus ist eine Familienkrankheit, unter der nicht nur die Abhängigen, sondern auch ihre Partner und Kinder leiden. Um den Abhängigen ist schnell ein Netz an Betroffenen gesponnen, das auch Kollegen und den Arbeitgeber einschließt“, erzählt die Sprecherin einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alkoholkranken (Al-Anon-Gruppe).

Deshalb richten sich sowohl die Aktionswoche als auch die Beratungs- und Gesprächsangebote der Veranstalter nicht nur an Alkoholkranke oder -gefährdete, sondern auch an Personen aus deren Umfeld und die breite Öffentlichkeit. „Die Familie und der Betrieb können einen großen Einfluss auf Veränderungsprozesse haben“, erklärt Andreas Schön, Mitarbeiter der Drogenberatungsstelle.

Dort werden deshalb auch immer wieder Fortbildungen für Führungspersonen angeboten, die dafür sensibilisieren sollen, Signale zu erkennen, die Betroffenen richtig anzusprechen und Hilfsangebote wahrzunehmen. „Kollegen und Chefs verschließen leider zu oft die Augen vor dem Alkoholismus“, sagt Viehöver-Braun.

Sie und ihre Mitstreiter sind sich einig, dass das Bewusstsein für Alkoholkonsum und dessen Folgen nicht sehr geschärft ist. Es sei häufig vom „Genussmittel Alkohol“ die Rede. „Wir sprechen ganz bewusst von einer Droge“, sagt Inge Heymann. Alkohol sei weiterhin die Volksdroge Nummer eins. Vor diesem Hintergrund kritisiert die Al-Anon-Gruppensprecherin: „Es gibt jede Menge Veranstaltungen für Kinder, zum Beispiel Bambini-Fußballturniere, wo als erstes der Bierwagen aufgestellt wird.

Warum können die Eltern auf einer Veranstaltung für Kinder nicht einfach Limo trinken? Die Vereine sagen dann, dass sie damit nicht genug verdienen. Wie traurig ist das denn?“ Auch Inge Heymann kann da nur mit dem Kopf schütteln: „Ja, der Alkohol ist oft eine heilige Kuh.“

(wel)
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