Aktion von zwei Landwirten für mehr Blühflächen ist ein Erfolg

Vielfaltaktivist : Landwirte bringen drei Sportplätze zum Blühen

Das Sterben der Bienen und die sinkende Artenvielfalt werden viel diskutiert. Dass das Thema vielen Menschen am Herzen liegt, zeigt auch die Resonanz auf die Blühstreifen-Aktion der beiden Junglandwirte Heinrich Esser (29) aus Kelz und Thomas Neisse (25) aus Erftstadt. Vor knapp einem Monat haben sie ihre Aktion „Vielfaltaktivisten“ gestartet, bei der ein jeder eine Patenschaft für blühende Ränder an den Äckern der Landwirte übernehmen kann.

„Wir hatten bei Beginn des Ganzen mit vielleicht 25 Patenschaften gerechnet. Mittlerweile sind es etwa 100 und viele davon mit mehr als 100 Quadratmetern, so dass wir schon mit anderen Landwirten zusammenarbeiten müssen, um auf die benötigte Fläche zu kommen“, zieht Heinrich Esser ein erstes begeistertes Fazit. Viele Paten hätten sich darüber gefreut, dass das Thema endlich pragmatisch angepackt wird, anstatt nur zu diskutieren, wer daran Schuld hat.

Imker freuen sich

In etwa zwei Wochen werden die Samen ausgesät und schon jetzt bringen es die Patenschaften auf eine Fläche von 21.000 Quadratmetern, was in etwa drei Fußballplätzen entspricht. „Unter den Paten sind auch Imker, die begeistert waren. So werden wir auch ein paar Bienenstöcke an den gesäten Flächen stehen sehen“, erzählt Esser.

Die Ausweitung der Aktion auf weitere Landwirte hatten die beiden „Vielfaltaktivisten“ eigentlich erst für das kommende Jahr angedacht – da hatten sie ja noch keine Idee davon, wie groß die Nachfrage sein würde. Außerdem haben sich bei den beiden schon weitere Landwirte gemeldet, die im nächsten Jahr gerne mit dabei sein wollen.

Für Esser und Neisse gibt es gleich mehrere Gründe, sich für Bienen und Artenvielfalt einzusetzen: Sie wollen etwas Gutes für die Natur tun und gleichzeitig auch das Image der Landwirtschaft verbessern. So wollen sie zeigen, dass Bauern auch in der konventionellen Landwirtschaft unter anderem auf vielfältige Fruchtfolgen setzen und Dünger so sparsam wie möglich einsetzen. Außerdem haben die beiden Landwirte im Rahmen von Vertragsnaturschutzprogrammen auch in der Vergangenheit schon für Blüten an den Feldrändern gesorgt. Sie wollen sich der Kritik an der Landwirtschaft stellen, den Dialog aber auch dafür nutzen, ihrem Gegenüber zu erklären, wie Landwirtschaft funktioniert. Schließlich würden beide Seiten täglich voneinander leben.

Vorstellung heute Abend

Heinrich Esser und Thomas Neisse haben die Aktion ziemlich professionell aufgebaut, unter anderem mit einer informativen Internetseite. Heute Abend sind sie ab 19 Uhr zu einer Informationsveranstaltung im Rathaus der Gemeinde Merzenich eingeladen, die sich das Thema „Bienenfreundlichkeit“ ebenfalls auf die Fahne geschrieben hat. Wenn die Blumen an den Getreide- und Gemüse-Feldern von Heinrich Esser und Thomas Neisse blühen, wollen sie mit der Biostation zu einem Rundgang einladen. Heinrich Esser: „Manche Paten planen für den Sommer schon Fahrradausflüge zu den Blühstreifen.“

Weitere Informationen auch unter www.vielfaltaktivist.de

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