Düren: Akkordeon-Frühjahrskonzert: Eindrucksvolle Bandbreite der Musik

Düren: Akkordeon-Frühjahrskonzert: Eindrucksvolle Bandbreite der Musik

Wie vielfältig die Akkordeonmusik sein kann, bewiesen die verschiedenen Ensembles der Musikschule Düren beim Akkordeon-Frühjahrskonzert im Konzertsaal von Schloss Burgau.

Wer vor allem bekannte Volksmusik erwartet hatte, durfte überrascht sein, denn die Musiker hatten auch zeitgenössische konzertante Kompositionen und Originalwerke für Akkordeon im Repertoire — dargeboten mit einer immensen Spielfreude auf gewohnt hohem Niveau.

Den Anfang machte das Dürener Akkordeonorchester unter Leitung von Andrea Nolte mit Fritz Doblers Komposition „Werziade 1“. Das heiter-beschwingte Stück ist eine musikalische Widmung Doblers an einen Freund, den Stuttgarter Akkordeonspieler Herbert Werz. Beide hatten sich zufällig 1961 bei einem internationalen Wertungsspiel kennengelernt. Den Haarschnitt könne er noch verbessern, gab Werz, der im Hauptberuf Frisör ist, dem Musikerkollegen bei der Wertung mit auf den Weg. Gesagt, getan: Noch in der gleichen Nacht ließ sich Dobler die Haare schneiden — und der Komponist wurde Stammkunde des exzentrischen Frisörs und Musikers. Dass beide auch eine Freundschaft verbindet, ließ sich aus der „Werziade 1“ gut heraushören.

Ein großer Kontrast, der aber eindrucksvoll die Bandbreite der Akkordeonmusik aufzeigte, war Edvard Griegs „Letzter Frühling“ aus den „elegischen Melodien“. Die Komposition aus der Zeit der Romantik tauchte den Konzertsaal in eine große Ruhe, ja eine gewisse Melancholie, so dass die Zuhörer ihre Gedanken schweifen lassen konnten. Mit Giovanni Bernardo Zucchinettis „Concerto a due organi B-Dur“ wechselte das Akkordeon-Duo Irina Slatosch und Christina Stiens in die Kammermusik. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Konzert für zwei Orgeln komponiert, die beiden jungen Musikerinnen bewiesen mit dem 1. Satz eindrucksvoll, dass das Akkordeon sich nicht hinter der Königin der Instrumente zu verstecken braucht.

Das Akkordeonensemble mit Andrea Nolte, Peter Lohmar, Regine Jungbluth, Sigrid Robert und Jürgen Wimmer nahm die Zuhörer mit ins Land der dunklen Wälder, nach Ostpreußen. Stefan Hippe hat das Werk „Reise nach“ für vier Akkordeons und ein Basso als Variationen des Ostpreußenliedes komponiert. Bei mancher Schwermut endet der fünfte Satz fröhlich und ungezwungen. Das Akkordeon-Duo Melina Schubert und Reimut Ridder eröffnete nach der Pause den zweiten Teil des Konzerts heiter mit zwei Tänzen aus Wolfgang Newys „Suite Nr. 2“. Unter der Leitung von Peter Lohmar präsentierte das Jugend-Akkordeonorchester Wolfgang Russ‘ Suite „Magic“, gefolgt von Wolfgang Richters „Sandmann, lieber Sandmann“.

Zeit zu schlafen war aber noch lange nicht.

Für seine Komposition „Tetraeder“ ließ sich Hans-Günther Kölz von dem Körper mit vier dreieckigen Seitenflächen inspirieren. Bei der musikalischen Umrundung der Spiegelflächen bestimmten ganz unterschiedliche Lichteinfälle (Taktarten) das musikalische Geschehen. Mit Philip Sparkes „A Klezmer Karnival“ ließen die Musiker das Konzert gut aufgelegt ausklingen — und nahmen die Ovationen der stehenden Zuhörer entgegen. Für viele Musiker war das Frühjahrskonzert auch Teil der Vorbereitung auf die nun anstehenden Wettkämpfe, an denen die Dürener Akkordeonspieler seit Jahren äußerst erfolgreich teilnehmen.

(sj)
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