AfD und Grüne im Kreis Düren im Aufwind, aber das Personal fehlt

Neue Mitglieder, aber Mangel an Kandidaten : AfD und Grüne im Kreis Düren im Aufwind, aber das Personal fehlt

Die Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg haben eines gezeigt: Der Aufwärtstrend der AfD hat sich nicht unerwartet fortgesetzt. Sie ist in den beiden ostdeutschen Ländern bereits zweitstärkste politische Kraft. Mit Rückschlüssen auf die Kommunalwahlen in gut zwölf Monaten in NRW aber tut sich Bernd Essler, Fraktionsvorsitzender der AfD im Dürener Stadtrat und langjähriger Kreissprecher seiner Partei, schwer.

Die Parteienlandschaft im Osten sei doch ganz anders. „Ob der Wahlerfolg im Osten Auswirkungen auf den Westen hat, ist schwer zu beurteilen.“ Klar scheint allerdings auch mit Blick auf das kreisweite Europawahlergebnis Ende Mai von knapp zehn Prozent: In den Kommunen, in denen die AfD im Herbst 2020 im Kreis Düren antreten wird, dürfte sie auch in das jeweilige Kommunalparlament einziehen.

Flächendeckend aber wird die AfD nicht kandidieren, wie Essler betont. Dafür mangelt es der rechtspopulistischen Partei offenbar an Mitgliedern, die den Schritt in die Öffentlichkeit wagen wollen. „Wir werden aber in allen Kreistagswahlbezirken Kandidaten aufstellen“, kündigt Essler an, „ansonsten nur in ausgewählten Städten und Gemeinden“. Dazu gehöre auf jeden Fall die Stadt Düren, in der die AfD 2014 rund 5,5 Prozent der Stimmen erreichte und normalerweise mit drei Mitgliedern im Stadtrat vertreten wäre, wenn Gerda Morschel (Liberal-Konservative Reformer) der Partei nicht den Rücken gekehrt hätte. Auch eine neuerliche Kandidatur in der Gemeinde Kreuzau sei wahrscheinlich, betont Essler. Ansonsten werde man nur dort antreten, wo „wir es personell auch darstellen können“.

Ein ähnliches personelles Problem könnten auch die boomenden Grünen im Kreis bekommen. Allerdings ist Kreissprecherin Sybille Haußmann guter Dinge, dass ihre Partei bei der Kommunalwahl 2020 in allen Kommunen „genügend Menschen finden wird, die engagiert sind und grüne Politik vertreten wollen“. Sie räumt aber auch ein, dass der Kreisvorstand hier und da noch Überzeugungsarbeit wird leisten müssen. Sybille Haußmann freut sich über das gute Ergebnis ihrer Partei in Ostdeutschland, „von dem wir uns natürlich weiteren Rückenwind erhoffen“. Der Aufschwung der Grünen in den vergangenen Monaten spiegelt sich auf Kreisebene auch bei der Mitgliederzahl wider, die binnen eines Jahres um 25 Prozent auf mehr als 250 gestiegen ist. Und es werden wöchentlich mehr, betont Haußmann, auch wenn nicht jedes neue Mitglied direkt bereit sei, ein Ratsmandat anzustreben.

Dass sich die politische Farbenlehre verändert, dass es keinen Automatismus mehr bei Stammwählern gibt, räumt der Dürener CDU-Chef Thomas Floßdorf nach den beiden Landtagswahlen ein. „Wir müssen uns hinterfragen, ob wir immer die richtigen Themen aufgreifen.“ Mit Blick auf die Themen „Soziale Gerechtigkeit“ und „Innere Sicherheit“, die der AfD im Osten in die Karten gespielt haben, sieht Floßdorf lokal allerdings keinen Grund zur Resignation.

Diese Themen habe die CDU angepackt. Nicht verhehlen will Floßdorf, dass man die kleinen Sorgen der Bürger ernster nehmen müsse und nennt ein Beispiel: „Viele Bürger sehen die Notwendigkeit des Masterplans für die Innenstadt. Wenn dann aber der Eindruck entsteht, dass in den Stadtteilen zu wenig getan wird, ist das gefährlich.“ Zuversichtlich stimmt ihn, dass zumindest in Sachsen Zehntausende Nichtwähler den Weg zur CDU gefunden haben. „Das zeigt doch, dass wir auch wieder Bürger für die CDU gewinnen können.“

Auf lokaler Ebene überzeugen

Derweil glaubt der SPD-Kreisvorsitzende Max Dichant nicht, dass seine Partei trotz des Erfolgs in Brandenburg den bundesweiten Abwärtstrend der letzten Jahre noch rechtzeitig bis zur NRW-Kommunalwahl umkehren kann. Auf etwaigen Rückenwind von der im Dezember zu wählenden neuen Parteispitze will er sich daher nicht verlassen, auch wenn eine inhaltliche Neuaufstellung in Berlin zwingend vonnöten sei.

Max Dichant, Vorsitzender des SPD-Kreisverbands Düren-Jülich. Foto: ZVA/Jörg Abels

„Wenn es eine Gliederungsebene in der Partei schaffen kann, das verloren gegangene Vertrauen in die SPD zurückzugewinnen, dann ist es die lokale“, ist der 27-Jährige überzeugt. Und deshalb steht für ihn fest, dass sich alle Genossen im Kreis in den kommenden zwölf Monaten inhaltlich-organisatorisch auf die Kommunalwahl fokussieren müssen. „Wir müssen deutlich machen, dass wir den Alltag der Menschen vor Ort ein wenig verbessern können.“

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