Düren: 40 Jahre und mehr als 60.000 Briefe: Dürener Amnesty-Gruppe feiert Geburtstag

Düren: 40 Jahre und mehr als 60.000 Briefe: Dürener Amnesty-Gruppe feiert Geburtstag

Nelson Mandela, der berühmte südafrikanische Freiheitskämpfer und Friedensnobelpreisträger, hat Post aus Düren gekommen. Viel Post sogar.

Als der spätere Präsident von Südafrika von 1963 bis 1990 wegen seines Kampfes gegen die Apartheid im Gefängnis saß, haben die Mitglieder der Dürener Amnesty-International-Gruppe Mandela Briefe geschrieben — um ihm Mut zu machen und ihm zu zeigen, dass es Menschen auf der ganzen Welt gibt, die an ihn denken.

Vor genau 40 Jahren wurde die Dürener Amnesty-International-Gruppe gegründet, in vier Jahrzehnten haben die Dürener, die sich für die Menschenrechte eingesetzt haben weit mehr als 60.000 Briefe und Mails an Menschen geschrieben, die zu Unrecht im Gefängnis gesessen haben.

Ursula Otte (77) hat die Gruppe damals ins Leben gerufen — und engagiert sich heute immer noch bei Amnesty International (AI). „Ich hatte von Amnesty International gehört und bin zu einer Informationsveranstaltung von AI Aachen gegangen. Damals war ich so begeistert, dass ich auch in Düren eine Gruppe etablieren wollte.“ Amnesty International wurde 1961 in London von dem Rechtsanwalt Peter Benenson gegründet.

Benenson hatte in einem Zeitungsartikel dazu aufgefordert, Briefe an zu Unrecht inhaftierte Gefangene und die entsprechenden Regierungen zu schreiben, um die Freilassung dieser Menschen zu fordern. „Genau das“, sagt Ursula Otte, „tun wir noch heute. Auch wenn es manchmal keine Briefe mehr, sondern E-Mails sind.“

An „ihren“ ersten Gefangenen kann Ursula Otte sich noch sehr genau erinnern. „Das war James Magotti aus Tansania. Nach seiner Entlassung aus der Haft hat er uns in Düren besucht und erzählt, dass er im Gefängnis gefoltert wurde und wie sehr ihm unsere Briefe geholfen hätten.

Das war für uns ein besonderes Erlebnis.“ Und ein motivierendes, denn die Arbeit für AI kann manchmal langwierig, traurig und sehr frustrierend sein. Otte: „Häufig ist es so, dass wir einem Gefangenen über viele Jahre Briefe schreiben und eigentlich nie eine Antwort bekommen. Beim Treffen mit James Magotti haben wir eine Rückmeldung aus erster Hand bekommen, wie wichtig unsere Briefe sind.“

Sechs Mitglieder

Zeitweise, ergänzt Otte, hätte die Dürener Amnesty-Gruppe bis zu drei Gefangene parallel betreut. „Das sind immer Leute, die zu Unrecht im Gefängnis saßen“, erklärt Otte. „Das hat unsere Zentrale überprüft. Von dort werden den einzelnen Ortsgruppen die Gefangenen auch zugewiesen.“

Die Dürener Amnesty-Gruppe hat heute noch sechs Mitglieder, zu Spitzenzeiten waren es zwischen 20 und 30. „Viele Leute“, so Ursula Otte, „sehen nicht mehr die Notwendigkeit, Mitglied einer AI-Gruppe zu werden, weil sie auch von zu Hause Briefe und Mails schreiben können. Es geht aber natürlich auch darum, gemeinsam etwas zu tun.“

Ihr Jubiläum feiert die Dürener Gruppe mit einer Ausstellung im Rathausfoyer. Bürgermeister Paul Larue (CDU) betonte bei der Eröffnung, dass bei Amnesty International immer der einzelne Mensch im Mittelpunkt stünde. „Sie sind der Stachel im Fleisch und sorgen dafür, dass wir die Augen und Ohren nicht verschließen und das Schicksal unzähliger Gefangener auf der ganzen Welt nicht aus den Augen verlieren.“

Gabriele Stein, Vorstandssprecherin der deutschen Section von AI lobte die Dürener Gruppe als „besonders aktiv und kreativ“. Gleichzeitig betonte sie, dass die Menschenrechtsarbeit von Amnesty International auch heute nichts von ihrer Wichtigkeit und Aktualität verloren habe.

„In den USA werden Menschen hingerichtet, weil das Verfallsdatum der Giftspritzen abzulaufen droht. Und in der Türkei sitzen Menschenrechtsaktivisten im Gefängnis.“ In drei Viertel aller Länder, ergänzte Stein, gebe es Folter. „Umso wichtiger ist auch die Arbeit der Dürener Amnesty-International-Gruppe. Bewahren sie sich Ihre Ausdauer und bleiben Sie aktiv.“