Aachen/Kreuzau: 30-Jähriger gesteht vieles, die Brandstiftung aber nicht

Aachen/Kreuzau: 30-Jähriger gesteht vieles, die Brandstiftung aber nicht

Anis A. (30) kam 2015 als Flüchtling über die Balkanroute aus Algerien nach Deutschland und landete nach einige Irrungen und Wirrungen im Asylbewerberheim in Kreuzau-Boich. Jetzt muss er sich wegen schwerer Brandstiftung, Sachbeschädigung und gefährlicher Körperverletzung vor der 1. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht verantworten, weil die Unterkunft abends am 18. März dieses Jahres in Flammen aufging.

Bei dem Brand, den A. laut Anklageschrift im Zustand verminderter Schuldfähigkeit gelegt haben soll, wurden keine Menschen verletzt — doch der Sachschaden liegt bei rund 200.000 Euro.

Vor der Strafkammer (Vorsitz Richter Markus Vogt) legte der Beschuldigte am Donnerstag allerdings nur ein Teilgeständnis ab. Er könne sich nur daran erinnern, tatsächlich mit einem Küchenmesser durch die alte Schule, in der die Flüchtlinge untergebracht sind, gelaufen zu sein. Mit dem Messer habe er im Flur zunächst das Kabel mit dem Hörer des Telefons abgeschnitten und den kompletten Apparat aus der Wand gerissen. Er sei unmittelbar danach vor die Türe gegangen, habe Bier getrunken, bis plötzlich die Feuerwehr anrückte, sagte er dem Gericht.

Sofa aus Frust zerfetzt

Die Anklage, die von Oberstaatsanwalt Wilhelm Muckel vertreten wird, sieht das anders. A. hatte auch zugegeben, ein im ersten Stock vor seinem Zimmer stehendes Sofa aus Frust mit jenem Messer zerfetzt zu haben. Danach aber sei er gegangen, es folgte der Vorfall mit dem Münzfernsprecher. Für die Anklage aber ist klar, dass A. bereits zu diesem Zeitpunkt das Sofa — wie auch immer — in Brand gesetzt habe, so dass sich die Sache später zu einem sogenannten Vollbrand entwickelt habe.

Der Brandexperte der Polizei berichtete der Kammer am Donnerstag: Es sei durchaus vorstellbar, dass eine Kippe im Polster des aufgeschnittenen Sofas den Brand habe auslösen können, ob vorsätzlich oder fahrlässig, also aus Unachtsamkeit, lasse sich rückblickend nicht mehr feststellen. Sogenannten Brandbeschleuniger wie Benzin habe er nicht ausmachen können. So steht das Gericht vor der schwierigen Frage, ob die Anklage in Sachen Brandlegung auch belastbar ist. Anis A. legte sich im Heim und in der Stadt Düren anscheinend mit vielen an, er habe auch viel getrunken, sagte er.

Der Prozess geht am 6. September weiter.

(wos)