25 Jahre Hospizbewegung Düren-Jülich

Gründungsmitglieder berichten: Das ausgeprägte Tabu-Thema Sterben

Die Marienkirche am Hoeschplatz in Düren war würdiger und zentraler Ort, um den 25. Jahrestag zu feiern, der an die Gründung der Hospizbewegung Düren-Jülich erinnerte.

Rund 150 Gäste aus dem Kreis gaben sich dort ein Stelldichein bei Vorträgen, Musik und einem gemütlichen Gedankenaustausch mit rustikalem Büfett, anregenden Tröpfchen und einer eigens mit dem Jubiläumslogo geschmückten Geburtstagstorte.

Schon die Art der Eröffnung war nicht alltäglich. Drei Gründungsmitglieder, die heute noch aktiv die Arbeit der Hospizbewegung in all ihren Facetten mitgestalten, traten ans Mikrophon und beschrieben jenen Abend im Oktober 1993, als der Verein gegründet wurde.

Der damalige Chefarzt der Anästhesie am Dürener Krankenhaus, Dr. Hans-Heinrich Krause, die zu dieser Zeit verantwortliche Pflegedienstleiterin am Krankenhaus Lendersdorf, Gerda Graf, sowie der engagierte katholische Krankenhaus-Seelsorger Toni Staeten erzählten lebhaft über Erinnerungen an das auch damals ausgeprägte „Tabu-Thema Sterben“. Aus einer ursprünglich als reine Info-Veranstaltung geplanten Zusammenkunft wurde spontan die Gründungsversammlung, bei der sich nahezu 40 Frauen und Männer zur konkreten Mitarbeit bereit erklärten.

Der damalige Schwung hat bis heute angehalten, denn die Hospizbewegung ist aktiv und dynamisch geblieben. Im zurückliegenden Vierteljahrhundert haben die ehrenamtlichen Mitarbeiter rund 2000 Menschen auf ihrer letzten Lebensetappe begleitet. Rechnet man die Angehörigen der Verstorbenen sowie die bundesweit bewährten Projektwochen „Hospiz macht Schule“ – übrigens auch im Kreis Düren entwickelt – mit ein, so haben rund 10.000 Menschen das Wirken der Hospizbewegung Düren-Jülich im eigenen Umfeld erfahren.

Angesichts einer solchen Erfolgsgeschichte fanden sich zahlreiche Gratulanten ein, die mit ihrer Teilnahme ein Zeichen der Wertschätzung setzen: Landtagsabgeordneter Dr. Ralf Nolten, Stellvertretende Landrätin Helga Conzen, die Bürgermeister Paul Larue (Düren) und Hermann Heuser (Niederzier), die bekannte Sozialpolitikerin Käthe Hofrath sowie der ehemalige Oberkreisdirektor Josef Hüttemann – um nur einige zu nennen.

Hochkarätig auch die Referentin, die den Festvortrag hielt: Die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Marianne Gronemeyer sprach zum Thema „Wenn die Grenzen fallen, sind wir füreinander unerreichbar“. Sie machte deutlich, dass bei aller Nähe zwischen Menschen eine erkennbare Distanz bleibe. Bezeichnend ihre mit behutsamen Worten geschilderten Empfindungen am Bett eines Sterbenden: Im großen Kirchenraum hätte man die Stecknadel fallen gehört – so die einfühlsame Schilderung der Buchautorin.

Da es aber an diesem Tag viele Gründe zum Feiern gab, kam der Festgenuss nicht zu kurz. Dem Jubiläumsfest entsprechend hatte die Bigband der Musikschule Niederzier unter Leitung von Eva-Maria Gaul ein mitreißendes Repertoire zusammengestellt. Bevor es aber ans rustikale Büfett mit vielen von den Mitarbeiterinnen des Hospizbüros zubereiteten Leckereien ging, war die gesamte Festgemeinschaft zu einem Mitsing-Konzert eingeladen. Im Foyer der Marienkirche fand die „Geburtstagstorte“ viel Beifall und Beachtung, zeigte sie doch das Logo der Hospizbewegung im Jubiläumsjahr. Unter dem Beifall der Anwesenden griff Ehrenvorsitzender Dr. Hans-Heinrich Krause zum Kuchenmesser, um das gute Exemplar anzuschneiden.

(tj)
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