Arbeit am Filmset: 21 Jahre alte Dürenerin erlebt aufregende Startzeit als Regisseurin

Arbeit am Filmset : 21 Jahre alte Dürenerin erlebt aufregende Startzeit als Regisseurin

Der Film hat sie schon immer fasziniert. Allerdings genügte es Lynn Feltes schon als Kind nicht, einfach nur zu konsumieren, sondern sie wollte selbst Drehbücher verfassen, Videos drehen und schließlich die Aufnahmen schneiden. Inzwischen ist die Dürenerin 21 Jahre alt und studiert an der Ruhrakademie in Schwerte Regie. Dabei entstand der Kurzfilm „Morgenblatt“, der im Oktober im „Komm“ in Düren geladenen Gästen gezeigt wird.

Dass der Streifen nicht öffentlich aufgeführt werden kann, hat einen guten Grund: Sie will ihn bei Festivals einreichen und von Juroren beurteilen lassen. Eine vorherige Veröffentlichung würde gegen die Teilnahmebedingungen verstoßen. Also bleibt „Morgenblatt“ zunächst einem kleinen Kreis vorbehalten. Dass das Talent von Lynn Feltes ausreicht, Preise zu gewinnen, hat sie schon als 15-Jährige bewiesen. Beim Euregionalen Jugendfilmfestival schaffte sie auf Anhieb Platz 2. An der Ruhrakademie lernt sie als eine von 20 Studenten das Handwerk einer Regisseurin von Profis. Am Ende will sie ein Diplom in Händen halten.

„Morgenblatt“ entstand im Rahmen ihres Vordiploms. Dafür arbeitete sie auch mit bekannteren Schauspielern zusammen, mit Robin Leo Hoffmann, der aus der RTL-Serie „Unter uns“ bekannten Sarah Bogen und Marlon Putzke, der in der ARD-Fernsehserie „Rote Rosen“ die Rolle des Christian spielt. Aufregend sei diese Arbeit schon gewesen, sagt Lynn Feltes heute, Angst vor großen Namen habe sie jedoch nicht. „Die Schauspieler und ich müssen die gleiche Sprache sprechen. Wenn man sich nicht versteht, ist das Ergebnis nicht optimal“, sagt sie. Am Ende war sie mit dem Resultat zufrieden.

Aufnahme aus dem Filmdreh „Morgenblatt“ der Dürener Regisseurin Lynn Feltes. Foto: Karin Knopp-Willigana

 Wer denkt, eine Regisseurin sitzt lediglich in ihrem Regiestuhl und gibt Anweisungen, liegt falsch. „Man muss von allem etwas verstehen, sonst kann ich zum Beispiel einem Kameramann nicht sagen, was ich mir vorstelle“, schildert Lynn Feltes. Kamera, Licht, Ton und Schnitt sind als Fächer im Studium selbstverständlich. Allerdings gehören auch Dramaturgie und Drehbuch, Schauspielführung, Computeranimation, Fotografie und Filmtechnik dazu. Nur mit dieser umfassenden Ausbildung kann man als Regisseurin die Kontrolle behalten und die eigenen Ideen umsetzen. Die 21-jährige Dürenerin will sich darum möglichst breit aufstellen.

Dafür arbeitet sie hart. Nach ihrem Abitur am St.-Angela-Gymnasium in Düren startete sie mit ihrem damaligen Freund zu einer achtmonatigen Weltreise. Südafrika, Thailand, Singapur, Australien, Hawaii, Peru und Chile waren Stationen. Ständig war die Kamera in der Hand, um ein Videotagebuch zu erstellen. „Das war sehr anstrengend“, berichtet sie. Nach der Reise war ihr jedoch klar, dass sie keine Dokumentarfilme erstellen will, sondern Fiktives bevorzugt. Der Aufwand bleibt jedoch ähnlich: Erst vor wenigen Wochen drehte sie mit Mitstudenten ein Musical. 17 Stunden lang liefen die Kameras, um letztlich einen zwölf Minuten langen Film herzustellen.

Lynn Feltes (2.von links) mit den Schauspielern Robin Leo Hoffmann, Sarah Bogen und Marlon Putzke. Foto: Andrea Heinsius

Für ihren Kurzfilm schrieb sie auch das Drehbuch. „Dies fällt mir leichter, als mich in ein fremdes Buch hineinzuversetzen“, meint sie, wohl wissend, dass ihr beruflicher Alltag später auch die Umsetzung fremder Drehbücher umfasst. Ihren Film „Morgenblatt“ finanzierte sie mit einer Crowdfunding-Aktion, also andere Menschen konnten sie unterstützen und erhielten als Gegenleistung zum Beispiel eine Nennung im Filmabspann. Ihr Streifen beschreibt die Situation in einer Kulturredaktion, die von Elias geleitet wird. Als er entdeckt, dass er den gleichen Tag erlebt wie sein Kollege Till, allerdings nur 24 Stunden später, sieht er darin die Chance, sein eigenes Leben zu beeinflussen.

Wie der Film endet, will Lynn Feltes nicht verraten. Für ihre weitere Lebensgeschichte scheint das Drehbuch aber schon zu bestehen. „Zunächst möchte ich das Diplom schaffen“, sagt sie. Danach will sie eine eigene Produktionsfirma gründen. Mit Leon Marlo Wilkes, dem Regieassistenten in „Morgenblatt“, und dem Kameramann Fabrice Kiffel hat sie über dieses Thema schon gesprochen. Dort will sie zunächst kurze Beiträge für Firmen, Imagefilme und Werbung entwickeln. Vorstellen kann sie es sich auch, einmal im Theater als Regisseurin tätig zu sein: „Das ist auch spannend.“ Irgendwann aber will sie sich an große Produktionen fürs Kino wagen.

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