Vettweiß/Nörvenich: 2,3 Millionen für drei modernisierte Bahnübergänge von Düren nach Zülpich

Vettweiß/Nörvenich: 2,3 Millionen für drei modernisierte Bahnübergänge von Düren nach Zülpich

Peter Hüvelmann, Dezernent für Wirtschafts- und Verkehrsförderung bei der Gemeinde Vettweiß, dürfte laut gestöhnt haben. „Das ist schon eine Hausnummer, die wir da zu tragen haben — aber ein großer Gewinn für unsere Infrastruktur“, sagt er.

Die Hausnummer lässt sich genau beziffern, nämlich auf 233.227 Euro. Der Gewinn: Drei modernisierte Bahnübergänge für die Bördebahn von Düren nach Zülpich. Trotzdem darf man ob der Zahlen staunen, denn der Anteil, den die Gemeinde Vettweiß im Zuge der Reaktivierung der Bahnübergänge in Jakobwüllesheim, Kettenheim und Vettweiß jetzt übernehmen muss, beträgt letztlich nur zehn Prozent der Gesamtkosten. 2,33 Millionen Euro für die Reaktivierung von drei Bahnübergängen, die ja auch jetzt schon an Wochenenden genutzt werden?

Warum die Maßnahme so teuer ist, kann Alfred Berrisch von der Beteiligungsgesellschaft des Kreises Düren erklären: „Die Auflagen sind streng. Alle Bahnübergänge müssen technisch gesichert werden.“ Das heißt, dass zum Beispiel Schrankenanlagen gebaut werden, aber auch die Bahnübergänge selbst teilweise ausgebaut werden müssen. Berrisch: „Es darf zum Beispiel im Begegnungsverkehr zu keinem Rückstau auf den Gleisen kommen.“ Halteschranken, Lichtzeichen, Straßenbau, neue Fuß- und Radwegeübergänge — das summiert sich.

Bei dem geplanten Betrieb der Strecke im Stundentakt gibt es für Berrisch zur Modernisierung keine Alternative: „In Kettenheim und in Vettweiß beispielsweise muss der Zugführer vor dem Übergang anhalten und mit einem Schlüssel die Schranken betätigen. Die Anlagen lassen sich auch nicht mehr ertüchtigen, weil sie noch aus den 1950er und 60er Jahren stammen, und wir die Sicherheit für die nächsten zehn Jahre garantieren müssen.“ 230.000 Euro sind für die Gemeinde Vettweiß trotz allem Gewinn für die Infrastruktur dennoch eine Summe, die man im Haushalt 2018 erst mal darstellen muss. Zum Vergleich: Die freiwilligen Leistungen, mit denen beispielsweise die Jugendarbeit der Vereine und der Sport gefördert werden, betragen gerade mal 156.000 Euro. „Tendenz abnehmend“, wie Hüvelmann sagt.

Günstiger kommt die Gemeinde Nörvenich davon. Fünf Bahnübergänge gibt es hier, drei davon kreuzen allerdings nur Wirtschaftswege, bei einem Kreuzungspunkt ist der Landesbetrieb Straßen NRW in der finanziellen Pflicht. Doch auch die verbleibenden 170.000 Euro für Nörvenich bezeichnet Bürgermeister Dr. Timo Czech (CDU) noch „als sehr erhebliche Summe“.

Umstieg von Bahn auf Bus schmackhaft machen

Zumal auf beide Kommunen noch weitere Kosten zukommen könnten. Immerhin ist daran gedacht, den Kunden den Umstieg von Bahn auf Bus beziehungsweise umgekehrt schmackhaft zu machen. Busse, die im Idealfall bis vors Gleis rollen sollen, müssen aber auch irgendwo halten können. Und auch der Autofahrer, der auf die Bahn umsteigen soll, benötigt einen P+R Platz. Czech: „Ein direkter Bahnanschluss nach Düren und Zülpich ist natürlich gut. Aber nur zwei von 14 Ortschaften unserer Gemeinde, Binsfeld und Rommelsheim, werden einen Bahnanschluss erhalten.“

Kein Wunder also, dass man ob der Kosten die Ausgaben mit der zu erwartenden Leistung gegenrechnet. „Wir unterstützen das Vorhaben auf Basis der vorliegenden Informationen“, sagt Czech. Es gibt aber aus Nörvenicher Sicht einen entscheidenden Knackpunkt: Fährt die Bördebahn, fährt in den betreffenden Orten kein Bus mehr. Czech: „Es soll dann keinen Busparallelverkehr mehr geben.“

Auf den ersten Blick macht das Sinn, ist für den Nörvenicher Gemeinderat so aber nicht akzeptabel, weil es auch die Schülerbeförderung betreffen würde. „Wir haben in Rommelsheim derzeit drei Bushaltestellen. Die würden wegfallen und die Schüler müssten deutlich länger laufen. Umgekehrt wären sie schneller in Düren. Aber was ist, wenn sie gar nicht bis zur Distelrather Straße oder zum Hauptbahnhof müssen und dann wieder auf einen Bus umsteigen sollen?“, fragt Czech.

Seine Kernforderung deshalb: Mindestens zu Schulanfangs- und Endzeiten soll der Busverkehr auch für Binsfeld und Rommelsheim fortgesetzt werden, wenn es für die Schüler erforderlich ist. „Die Gespräche darüber stehen noch aus“, erklärt Czech. Könnten aber mit darüber entscheiden, wie sich die Gemeinde Nörvenich letztlich zur Bördebahn positioniert. Czech: „Ich sehe da viele Chancen, aber wir befinden uns immer noch in einem Prozess, wo wir stets neue Details erfahren, die zur Gesamtbetrachtung aber notwendig sind.“

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