Nideggen: 17-Jähriger stürzt am Nideggener Kletterfelsen in den Tod

Nideggen: 17-Jähriger stürzt am Nideggener Kletterfelsen in den Tod

Niemand hat am Kletterfelsen in Nideggen beobachtet, was genau geschehen ist, als der 17-Jährige am Sonntagnachmittag in den Tod gestürzt ist. Der niederländische Jugendliche aus Harderwijk, östlich von Amsterdam, war mit seinen vier Freunden, alle 17 oder 18 Jahre alt, in Heimbach auf einem Campingplatz. Am Sonntag radelten sie zu dem Kletterfelsen Effels.

Als die fünf Freunde um 17 Uhr wieder zu ihrem Campingplatz zurück wollten, sei der 17-Jährige noch einmal zum Felsen zurückgegangen, sagt Dürens Polizeisprecher Willi Jörres. Er habe einen privaten Haken am oberen Rand des Gesteins aus der Wand lösen wollen. Als nächstes wurde er von anderen Kletterern zehn Meter tiefer am Fuß des Felsens gefunden. Weder die Ersthelfer noch der Notarzt konnten den Jugendlichen noch einmal reanimieren. Er hatte den Sturz offenbar nicht lebend überstanden. Die Staatsanwaltschaft Aachen geht von einem Unfall aus. Um aber eine andere Todesursache auszuschließen, ordnete sie eine Obduktion der Leiche an.

An einen solchen tödlichen Kletterunfall in der Eifel kann sich niemand erinnern. Weder der Polizeisprecher noch der langjährige Beauftragte für die Kletterfelsen der Stadt Nideggen, Dieter Weidenhaupt. Selbst der letzte Unfall mit gravierenden Verletzungen, sei etwa vier Jahre her, sagt Weidenhaupt. Damals war es einem Niederländer am Hinkelstein 2 misslungen, sich in einen Haken einzuhaken. Er stürzte und zog sich ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zu.

Gegen eine Aufwandsentschädigung hat Weidenhaupt von 2000 bis zum Ende des vergangenen Jahres darauf geachtet, dass die Kletterregeln an den Felsen eingehalten werden. Seitdem hat das Amt ein anderer inne. Insgesamt gibt es fünf Felsen in Nideggen, die erklettert werden dürfen: die Hinkelsteine 1 bis 4, Hirtzley und eben Effels.

Auf die Felsköpfe zu steigen, sagt Weidenhaupt, sei streng verboten, werde aber immer wieder gemacht. Schwer sei das nicht, da der Felskopf über einen Hang von der Seite erreicht werden kann. Das Problem sei, dass einige von unten nicht voranklettern könnten — der sogenannte Vorstieg. Obwohl bereits alle Haken in der Wand seien, hätten sie Schwierigkeiten damit, durch eigenes Klettern das Sicherungsseil selbst bis zur Umlenkrolle an der Spitze des Felsen zu bringen. Sie würden dann von hinten auf die Felsköpfe steigen, das Seil von oben in die Umlenkrolle hängen und wieder an den Fuß des Felsens zurückgehen, um dort mit dem von Anfang an gesicherten Klettern beginnen zu können, wie sie es aus Kletterhallen kennen.

Nach Informationen unserer Zeitung soll die Gruppe der niederländischen Jugendlichen genau das getan haben. Beim Einhängen des Seils von oben hätten sie sich noch gegenseitig gesichert, schilderten Kletterer ihre Beobachtungen. Doch als der 17-Jährige am Nachmittag das holen wollte, was er vergessen hatte, war er allein auf dem Felskopf. Seine vier Freunde waren geschockt. Ein Notfallseelsorger nahm sich ihrer an, ihre Eltern wurden verständigt. Sie dürften schon wieder zu Hause sein.

Lothar Braun, Referent für Sport- und Wettkampfklettern in der Sektion Aachen des Deutschen Alpenvereins, beobachtet seit einiger Zeit, dass gerade Niederländer große Probleme mit dem freien Klettern am Fels haben. „Sie kommen aus den Hallen an den echten Fels und denken, dass sie das können“, sagt Braun, „aber niemand hat sie eingewiesen, wie man den Vorstieg macht oder das Seil richtig einhängt.“ In den Niederlanden sei die Vorbereitung auf das Klettern in der freien Natur offenbar nicht vorgesehen.

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