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Vettweiß: 1672 Kehlen frönen Kölsch und Karneval

Vettweiß : 1672 Kehlen frönen Kölsch und Karneval

Die Cheerleader des 1.FC Köln auf der Bühne, 1672 Männer außer Rand und Band: Seit der Herrensitzung am Samstag tobt sie wieder, die „Hölle von Vettweiß”, wie sie von Karnevalsgrößen respektvoll genannt wird.

Das Festzelt an der Hauptschule platzt aus allen Nähten, selbst auf der Bühne stehen noch Tische. 1672 Männer sind Besucherrekord für die Herrensitzung der KG Vettweiß. Vier ebenfalls ausverkaufte Damensitzungen folgen in den nächsten Tagen.

Seit Jahren gibt sich in Vettweiß die Klinke in die Hand, was im Kölner Karneval Rang und Namen hat. Kein Wunder, dass die über 8000 Karten für die fünf Sitzungen binnen weniger Stunden verkauft sind.

Zwar ist auch in Vettweiß traditionell an Aschermittwoch alles vorbei, nur gilt das bereits für den Vorverkauf der nächsten Session. „Wir hätten gut und gerne 1000 Karten mehr verkaufen können”, versichert Kassierer Dietmar Romey.

Die Anfang der 80er Jahre ins Leben gerufenen Sitzungen haben seit geraumer Zeit Kultstatus weit über die Gemeindegrenzen hinaus.

Während vielerorts die Literaten noch händeringend versuchen, ein hochkarätiges Programm für die ultrakurze Session 2004/05 auf die Beine zu stellen, sind die Planungen in Vettweiß nicht zuletzt Dank Unterstützung einer großen Kölner Künstleragentur längst abgeschlossen, unter anderem mit den „Höhnern auch auf der Herrensitzung”, verrät Dietmar Romey vorab.

Anderthalb Stunden vor Beginn der Sitzung rollen die ersten Busse an. Kegelclubs, Fußballteams, Skatbrüder und natürlich Karnevalisten: Alle zieht es in den südöstlichsten Zipfel des Kreises.

Das Pittermännchen auf dem Tisch ist Pflicht, Kostüme sind eher rar. Da könnte so mancher Herr noch von der holden Weiblichkeit lernen. Und weil der Gerstensaft in Strömen fließt, ist die Stimmung schon zu Beginn klasse. Die „Räuber” heizen auf der Bühne mächtig ein.

Dass derweil im Foyer die Nerven der Verantwortlichen blank liegen, kriegen die Jecken im Zelt nur am Rande mit. Bei aller Professionalität sind auch die Vettweißer vor Pannen nicht gefeit. Am Samstag präsentierte sich Guido Cantz einmal nicht als „Mann für alle Fälle”.

Der Starredner traf mit Verspätung ein, musste dann auf die vorgezogenen „Räuber” warten und machte sich nach 15 Minuten unverrichteter Dinge wieder aus dem Staub - Termindruck!

KG-Chef Heinz Pielen und seine Mitstreiter mussten improvisieren. Glücklicherweise war Büttenredner Rudi Grevsmühl bereits vor Ort, kurzfristig eingesprungen für das erkrankte „Botterblömche”, schließlich sind Redner das Salz in der Suppe einer jeden Herrensitzung.

Und Grevsmühl kommt an. Blondinenwitze ziehen bei Männern immer, auch die Bundesregierung bekommt ihr Fett weg. Das Zelt tobt, die Blase der ersten Kölschjünger streikt.

Während die Showtanzgruppe der Vettweißer Funkengarde versucht, die Programmlücke zu schließen, werden die Schlangen vor den Toilettenwagen länger. Etlichen „Herren” drückt es bereits derart, dass sie sich im Freien erleichtern.

Doch bei den Cheerleadern des FC sind die meisten wieder an ihren Plätzen, auch die, die vorübergehend an der Theke Station machten. Nummerngirls oder gar blanke Busen sucht man in Vettweiß vergeblich, auch beim brasilianischen Ballett, das Stunden später auf der Bühne steht.

„Das haben wir nicht nötig”, betont Geschäftsführer Hans-Gerd Barkhoff. Die Stimmung bei den Auftritten der „Rabaue” und „Brings” geben ihm Recht. Nur der ins Programmloch eingesprungene „Harry von der Rur” wird für seinen spontanen Einsatz von der bierseligen Herrenschar nicht belohnt.

Und auch für „Manni, den Rocker” reicht die Aufnahmefähigkeit der Männer zu vorgerückter Stunde und etlichen Kölsch nicht mehr.

Im Festzelt tobt der Wahnsinn. Und das war erst der Anfang. In den nächsten Tagen kommen die Frauen zu ihrem Recht, in der „Hölle von Vettweiß”.

In der Session 2004/05 findet die Herrensitzung am 8. Januar statt, die Damensitzungen am 12., 13., 14. und 18. Januar.

Karten gibt es ab Aschermittwoch 0 Uhr nur bei Gerhilde und Dietmar Romey unter 02424/202880 (Fax: 202881).