Not macht erfinderisch: Bürgermeister und Städteregionsrat wollen gemeinsames Gewerbeflächenkonzept

Not macht erfinderisch : Bürgermeister und Städteregionsrat wollen gemeinsames Gewerbeflächenkonzept

Not macht bekanntlich erfinderisch. Im vorliegenden Fall ist die Not schon ziemlich groß. Und in den nächsten Jahren wird sie noch viel größer werden. Das hat die zehn Kommunen der Städteregion dazu bewogen, ihre Bemühungen um neue Gewerbeflächen zu bündeln.

Schließlich können acht von ihnen den bis zum Jahr 2035 errechneten Bedarf nicht annähernd auf eigenem Gebiet decken. 503 Hektar, so hat es die von der Städteregion beauftragte Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (Agit) ermittelt, werden benötigt, nur 425 Hektar stehen bis dato zur Verfügung. Das macht ein Defizit von 78 Hektar. Nur in den Städten Alsdorf und Eschweiler sind die Verhältnisse umgekehrt. Hier gibt es einen Überhang von 7,3 bzw. 22,1 Hektar.

Allerdings sind die dortigen Bürgermeister Alfred Sonders und Rudi Bertram (beide SPD) offenbar weit davon entfernt, sich mit der eigenen komfortablen Situation zufrieden zu geben. Gemeinsam mit ihren acht Kollegen und Städteregionsrat Helmut Etschenberg haben auch sie den „Letter of Intent“, also die Absichtserklärung, unterschrieben, mit der dokumentiert wird, dass sie den Worten jetzt auch Taten folgen lassen wollen.

Und das schon ziemlich konkret: Drei Teilräume sollen nach einem Vorschlag der Agit, der im Wirtschaftsausschuss der Städteregion jetzt einhellig begrüßt worden ist, gebildet werden, um die angestrebte Kooperation zu verwirklichen: Der erste umfasst die Eifelkommunen Roetgen, Simmerath und Monschau. Sie kommen in der Summe auf einen ungedeckten Flächenbedarf von 21,8 Hektar, von dem der größte Anteil (11,1) auf Monschau entfällt.

Die Gemeinde Roetgen soll sich darüber hinaus an einem Gewerbeflächenpool beteiligen, dem auch die Städte Eschweiler, Herzogenrath, Stolberg, Aachen und Würselen zugeordnet sind. Gemeinsam sollen sie vor allem drei Potenzialflächen erschließen und vermarkten: acht Hektar auf dem Gebiet der Stadt Herzogenrath zwischen Wilsberg und Richterich mit dem Schwerpunkt Forschung, Entwicklung und hochschulnahe Dienstleistungen; 43 Hektar in Würselen zwischen dem Autobahnkreuz und dem Flughafen Merzbrück (Schwerpunkte: „luftfahrtgebundenes“ Gewerbe, Forschung und Dienstleistungen); 50 Hektar in Eschweiler-Kinzweiler an der L 249 (Schwerpunkt: „hochwertige“ Industrie- und Logistikunternehmen).

Allerdings werden darüber hinaus weitere Flächen ausgewiesen werden müssen. Schließlich beträgt das summierte Defizit der Städte Herzogenrath, Würselen, Roetgen und Aachen 151,1 Hektar — wobei auf Letztgenannte mit 132,6 Hektar der Löwenanteil entfällt.

Der dritte Teilraum soll im Norden gebildet werden, wo Alsdorf und Baesweiler nach der Empfehlung der Agit nicht nur untereinander die Nähe suchen, sondern auch eine Zusammenarbeit mit Aldenhoven und Linnich anstreben sollten. Dort könnten — mit Unterstützung des Kreises Düren und der Städteregion — dann interkommunale Gewerbegebiete über die Kreisgrenzen hinaus entstehen.

Vorbilder in Baden-Württemberg

Dass dieser Weg ein guter, aber längst kein neuer mehr ist, unterstrich Agit-Geschäftsführer Lothar Mahnke bei seinen Ausführungen im städteregionalen Wirtschaftsausschuss. Vor allem in Baden-Württemberg gebe es bereits viele Projekte, die der Städteregion und ihren Kommunen als Vorbild dienen könnten. Anhaltspunkte finden die Verantwortlichen dort auch hinsichtlich der Fragen, die noch beantwortet werden müssen. Etwa nach der möglichen Organisations- und Rechtsform eines Flächenpools.

Unklar ist bis dato auch, wie eine ausgewogene Verteilung der Kosten und Erlöse erreicht werden kann und welche Möglichkeiten die Kommunen haben werden, sich in eine Kooperation oder einen Pool einzubringen. Denkbar sind neben der Ausweisung von Gewerbeflächen beispielsweise die Bereitstellung von Ausgleichsflächen oder finanzielle Leistungen.

Bis Mitte 2019 soll all das nach dem Willen der Bürgermeister und des Städteregionsrates geklärt sein. Angetrieben werden sie nicht nur von der eigenen Not, sondern auch von der Bezirksregierung Köln. Die befasst sich derzeit mit der Überarbeitung des Regionalplans und will von der Städteregion und ihren Kommunen wissen, wie es mit den Gewerbegebieten in den kommenden 15 Jahren weitergehen soll.