Aachen: Zwölf Millionen Euro für sauberes Wasser investiert

Aachen: Zwölf Millionen Euro für sauberes Wasser investiert

Ein neues Gebäude muss mit Leben gefüllt werden, dafür braucht man eine Vision, die RWTH Professor Johannes Pinnekamp schon lange hat. Was im Kleinen schon erfolgreich erprobt wurde, wurde nun groß aufgezogen: Auf dem Gelände der Kläranlage des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER) in der Soers entstand die größte Ozonungsanlage der Europäischen Union.

Auf Knopfdruck ging die innovative Anlage jetzt in Betrieb und die fünf großen Förderschnecken begannen sich zu drehen. Von da an soll der gesamte Abwasserstrom des Klärwerks zusätzlich gereinigt werden — bis zu 3000 Liter pro Sekunde schaffe die Anlage.

Neue Verfahren entwickeln

Doch war die Inbetriebnahme nicht der einzige Grund zur Feier. Denn das Institut für Siedlungswasserwirtschaft (ISA) der RWTH, das Pinnekamp leitet, hat zugleich auf dem Gelände der Kläranlage ein neues, modernes Laboratorium errichtet, das auf 1400 Quadratmetern außerdem über Studierendenlabore, Büroräume, sowie einer Versuchshalle für halbtechnische Versuche verfügt, wo man mit verschiedenen massenspektrometrischen Verfahren den Mikroverunreinigungen auf die Spur kommen möchte.

Arzneimittel, Mikroplastik aus Kosmetik, Polyester-Kleidung und Reifenabrieb, sowie Industriechemikalien — Hunderttausende Stoffe sind es, für die neue Verfahren entwickelt werden müssen. Fast sekündlich kämen neue Substanzen hinzu, erläuterte Pinnekamp. Auch von resistenten Keimen war die Rede, von denen eine große Gefahr für die Umwelt ausgehe.

Soviel steht fest: „Antibiotika werden definitiv durch die Ozonungsanlage eliminiert“, versprach Kassandra Klaer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ISA. Bei anderen Stoffen könne man durch den Einsatz von Ozon, ein aus drei Sauerstoffatomen bestehendes Molekül, die Konzentration um 80 bis 90 Prozent verringern — je nach Substanz. Das Verfahren sei äußerst erfolgsversprechend. Daher wurden 70 Prozent der zwölf Millionen Euro teuren Ozonungsanlage vom Umweltministerium gefördert.

Welche positiven Auswirkungen die Kläranlage und das neue Verfahren auf die Wurm haben, werde nun im Forschungsprojekt „DemO3AC“ untersucht. Die Resultate treffen branchenweit auf Interesse, auch über die Landesgrenzen hinaus. Fünf bis sechs Cent koste das Verfahren pro Kubikmeter Wasser, bei 25 Millionen Kubikmetern jährlich würden so 1,5 Millionen Euro anfallen, eine jährliche Mehrbelastung von 2,65 Euro pro Einwohner.

25-jähriges Jubiläum

Die beiden Anlässe waren nur der Auftakt. Mit einer Reihe von Veranstaltungen feiert der Wasserverband Eifel-Rur sein 25-jähriges Jubiläum. „Die Bürger zu beteiligen soll ein großes Ziel dieses Jubiläumsjahres sein“, versprach Paul Larue, Vorsitzender des Verbandsrates des WVER. „Es gibt Dinge, die packt man besser gemeinsam an.“

Der Verband kümmert sich in der Hauptsache um die Abwasserreinigung, den Unterhalt von Fließgewässern sowie den Hochwasserschutz und betreibt Talsperren, die unter anderem auch der Brauchwasserversorgung von Industrie- und Gewerbebetrieben und der Trinkwasseraufbereitung dienen.

„WVER steht auch für das Motto ,Wasser, Verantwortung, Erfolg für unsere Region‘“, so Dr. Joachim Reichert, Vorstand des WVER. Gerade in Zeiten knapper Kassen sei es mehr und mehr nötig, die Effizienz von solchen Anlagen zu validieren.