Zwischenbilanz nach vier Monaten Vertretungsstützpunkt in Aachen

Kindertagespflege aufgewertet : Aachens erster Vertretungsstützpunkt kommt gut an

Wenn bei Angela Fasbender das Telefon klingelt, dann hat das oft sowohl eine negative als auch eine positive Seite: Einerseits bedeutet es, dass eine Tagesmutter oder ein Tagesvater plötzlich erkrankt ist und Eltern für ihre Kleinkinder kurzfristig eine alternative Betreuung suchen müssen. Andererseits haben sie diese mit Fasbender auch sogleich gefunden.

Seit gut vier Monaten bildet die 51-Jährige mit ihrer Kollegin Stephanie Abendroth, 39, den ersten Vertretungsstützpunkt für Kindertagespflege in Aachen. Mit der „Dschungelburg“, wie die zwei Frauen ihren Stützpunkt genannt haben, erfüllt die Stadt eine Verpflichtung, die eigentlich bereits seit 2013 gilt. Denn der Rechtsanspruch auf eine Kinderbetreuung für unter Dreijährige bezieht sich nicht nur auf einen Platz in der Kita oder bei einer Tagesmutter.

Er muss auch im Krankheitsfall erfüllt werden. Doch während in einer Kindertagesstätte in der Regel immer eine Vertretung vor Ort ist, waren Eltern, deren Tochter oder Sohn in Aachen von einer Tagespflegeperson betreut wird, auf sich selbst gestellt, wenn diese Betreuung plötzlich wegfiel. Ein Dilemma, das unter anderem auch dazu geführt hat, dass zahlreiche Tagesmütter und -väter krank gearbeitet haben.

Zumindest 15 Tagespflegepersonen müssen sich diesem Dilemma nicht mehr stellen. So viele Kooperationspartner haben Fasbender und Abendroth seit September für sich gewinnen können. Bis zu 30 sollen es mal werden. Eine Zwischenbilanz, mit der die zwei Frauen durchaus zufrieden sind. „Es sind alle sehr froh, dass das mit dem Vertretungsstützpunkt endlich geklappt hat“, beschreibt Fasbender die positive Resonanz, sowohl bei Eltern als auch bei den Tagesmüttern selbst. „Für viele ist der Vertretungsstützpunkt ein Geschenk“, sagt auch Abendroth. Bereits am Tag der offenen Tür im September habe es zahlreiche Anmeldungen gegeben. Andere Tagespflegepersonen wollten sich das Konzept erstmal in Ruhe angucken.

Denn die Kooperation erfordert Engagement auf beiden Seiten: Zweimal im Monat treffen sich Fasbender und Abendroth mit ihren jeweiligen Kooperationsgruppen – einmal im Vertretungsstützpunkt im ehemaligen „Haus der Jugend“ an Kalverbenden, einmal im gewohnten Umfeld der Kinder bei der Tagesmutter. Beziehungsarbeit ist das Stichwort. Denn auch im Krankheitsfall können und sollen Kleinkinder nicht von Fremden betreut werden. Dafür nähmen einige Kooperationspartner sogar längere Busfahrten von Brand bis nach Burtscheid in Kauf, wie Fasbender betont – und das mit bis zu fünf Kleinkindern im Gepäck. Doch: „Das ist ein Aufwand, den sie gerne machen.“

Dass sich dieser Einsatz lohnt, haben die zwei Vertretungskräfte in den zurückliegenden Monaten bereits gemerkt. Zweimal musste Abendroth schon spontan eine Tagespflegekraft ersetzen. Fasbender übernahm Anfang November sogar eine sechs Wochen lange Dauervertretung. Die damals mit einem Anruf begann, der zwar eine negative, aber vor allem auch eine positive Seite hatte.

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