Aachener Kunstroute: Zwischen Hochwasser, römischen Nächten und einer Kreuzfahrt im Pferdestall

Aachener Kunstroute : Zwischen Hochwasser, römischen Nächten und einer Kreuzfahrt im Pferdestall

Trotz regnerischen Herbstwetters ist die 22. Auflage der Kunstroute gut besucht gewesen. An insgesamt 52 Stationen konnten Kunstliebhaber verschiedene Ausstellungen, Galerien, Museen und Künstlergruppen besuchen.

Romantisch schweben weiße Tauben über den Dächern von Rom, stimmungsvoll illustrieren Kerzenleuchter und Weingläser Restaurant-Szenen unter freiem Nachthimmel. Reliefartige Malerei und fragmentarische Papierkunst gehen eine inspirierend-entspannende Symbiose ein bei der Gemeinschaftsausstellung von Elena Starostina und Anita Brendgens im Kunstraum am Jakobsplatz 4. Er ist eine von 52 Stationen bei der 22. Aachener Kunstroute.

Noch bis zum 13. Oktober entführen die beiden Künstlerinnen aus dem herbstlichen Aachen in ein sommerliches Rom. Todernst, aber optimistisch ist die künstlerische Lage bei Theo Ramrath, der in diesem Jahr den 30. Geburtstag seiner Galerie-Werkstatt an der Pontstraße 22 feiert. Ein Schädel unter Glas verweist auf die verrinnende Zeit, „Lebensfäden“ in den neuen Bildern gemahnen an das Nutzen der Zeit: „Time waits for no one“. Zu sehen ist die wie immer überraschend neue, aber dennoch unverkennbare „Ram-Art“ bei Ramrath noch bis zum 24. November.

Mit einer zentralen Vernissage beginnt die 22. Aachener Kunstroute am Freitagabend in der Aula Carolina. Wie Fahrpläne hängen künstlerische Werke und Informationen zu den 52 Stationen der Route reihum an den Wänden und bieten eine erste Orientierung. Während einige Besucher die Infos einfach fotografieren, um sich eine Route zusammenzustellen, gibt es von einigen Künstlern Kritik an der „überraschenden Vielfalt“ der ausgestellten Werke. „Vielfalt ist gut, aber es zeigt sich eine gewisse Orientierungslosigkeit“, meint die Malerin Azam Abrisham. Und Leo Brenner, künstlerisches Aachener Urgestein, wird noch deutlicher: „Die Qualität bleibt auf der Strecke, wenn nicht juriert wird.“

Hohe Qualität gibt es zweifellos in der Galerie Artco, wo der Weltklasse-Fotograf Gideon Mendel seine Hochwasserfotos ausstellt. Jahrelang reiste er durch überflutete Gebiete, um Menschen meist hüfthoch in ihren verlorenen Häusern zu fotografieren. Während ein britisches Ehepaar wenigstens noch wasserdichte Anglerkleidung trägt, stehen Menschen armer Länder schutzlos mit nacker Haut im verschmutzten Katastrophenwasser. Großbrände sind auch ein Thema für Mendel: Bei den verheerenden Bränden in Kalifornien im vergangenen Winter fotografierte er persönliche, für die Menschen wichtige Überbleibsel aus ihren Häusern und verarbeitete sie zusammen mit Jonathan Pierredon zu „Burnt Memories“.

Arbeiten auf Plexiglas, Doppelbelichtungen sowie aufwändige Dunkelkammertechniken sind ein Markenzeichen der Aachener Künstlerin Karin Odenthal, die sich unter anderem per analoger Fotografie mit „Zwei Leben“ in Aachen und Georgien auseinandersetzt und Visionen und Wirklichkeit Gestalt annehmen lässt. Zu sehen sind ihre Werke noch bis zum 28. Oktober bei Logoi (Jakobstraße 25a).

55 Künstler teilen sich einen alten Pferdestall und den Innenhof des Gut Branderhof in Burtscheid, wo der Bund Bildender Künstlerinnen und Künstler Aachen/Euregio (BBK) erstmals ausstellt. Während drinnen vor allem eine „Kreuzfahrt“ von Kruzifixen in einer Art Bollerwagen des Aachener Künstlers Eugen Rother für Furore sorgt, lächelt außen ein drei Meter hoher, vom Kreuz erlöster und bemalter Christus aus einem Eichenstamm von Gotthard Walter.

Neu bei der Kunstroute ist die Bleiberger Fabrik mit ihrer „Nachtfrequenz“, die mit „Street Art“, „Urban Art“ und einem deutsch-niederländischen Fotoprojekt Jugendliche für Kunst und Kultur begeistern möchte. Bis auf den Bürgersteig erleben und feiern Jugendliche ihre Workshops unter der Leitung von Axel Jansen von der Bleiberger Fabrik und Raenys Martis aus Heerlen.

Erstmalig nimmt auch „Kuraro“, der Kunstraum am Roskapellchen, an der Kunstroute teil. Auf minimaler Fläche stellt Dieter Jansen an der Rosstraße 5 nicht nur ältere Arbeiten von Hacki Ritzerfeld aus, sondern auch neue, von Computerspielen inspirierte Gemälde von Kaweh Agah und elegante, doppelwandige Rakubrand-Keramik der Stolberger Künstlerin Roswitha Preis.

Trotz regnerischen Herbstwetters ist die 22. Auflage der Kunstroute gut besucht – selbst im entlegenen Lemiers, wo Roger Nyssen in der Catharinakapelle seinen mystisch-surrealen Gemäldezyklus „Domseelen – Sinnspuren im Aachener Dom“ ausstellt.