Aachen: Zwischen Bühnen-Glamour und dem ganz realen Leben

Aachen : Zwischen Bühnen-Glamour und dem ganz realen Leben

Im bläulich schimmernden Licht erstrahlt die Bühne. An der Decke schwirren Projektionen von Gestirnen, und im Zentrum prangt das Logo von „Morgenstern“ — dem Namen der aufstrebenden Rock- und Popband, deren Mitglieder mit Einsetzen der ersten Gitarrenriffs nach und nach aus einer Tür in der Wand treten.

Sicheren Schrittes bewegen sich die Sänger auf einem kreisenden Orbit und beschreiben die Umlaufbahn um einen riesigen zentralen Heißluftballon. „I am flying so high“ singen sie — und das scheint der Wahrheit zu entsprechen.

Jung, tough und attraktiv ist die Band auf einem steilen Höhenflug zum Erfolg und kostet den Duft von Erfolg aus, genießt das Spiel vor den Fans. Doch was passiert, wenn sie das stetig drehende Karussell der Bühne verlassen, aus dem Scheinwerferlicht in den Halogen-beschienenen Backstagebereich treten? Und vom Adrenalinrausch der Show beflügelt in die eigentliche Realität taumeln? Fallen da nur Vorhänge oder auch so manche Masken?

Genau mit dieser Frage beschäftigt sich „Morgenstern“, die neueste Produktion des Das Da Theaters, ab kommenden Donnerstag. Und Autorin und Regisseurin Maren Dupont stellt das Theater-Team vor eine nicht ganz leichte Aufgabe. Denn die Gruppe spielt gleichzeitig auf zwei Bühnen: Die eine zeigt den Konzertsaal mit Heißluftballon, wo das Theaterpublikum live das Konzert der Band „Morgenstern“ verfolgt.

Die andere Bühne ist der Backstagebereich hinter den Kulissen mit Kleiderstangen, Schminkspiegeln, einem Billardtisch und anderen Dingen zum Zeitvertreib der Band. Verbunden sind beide Schauplätze lediglich durch eine Tür und die Akteure, die zwischen Show und Pausenraum wechseln.

Aber zwei Bühnen gleichzeitig zu haben bedeutet natürlich auch logistische Besonderheiten, erklären Dupont und Frank Rommerskirchen, der für die Bühnengestaltung verantwortlich ist: Vor Spielbeginn wird das Publikum in zwei Gruppen eingeteilt — die eine sieht zunächst die Geschehnisse des Backstagebereichs, während der andere Publikumsteil das Konzert erlebt. In der Pause schließlich wird getauscht und jeder wechselt zur bislang unbekannten Szenerie.

Damit jeder Zuschauer auch alles sieht, werden dann die Theater-Uhren noch einmal auf Null gestellt und das ganze Stück von vorne gespielt. Statt wirklich hinter der Bühne kurz verschnaufen zu können, sind die Schauspieler permanent im Fokus — kein Einsatz darf misslingen, kein Applaus zu lange andauern, damit die präzise Taktung beider Seiten nicht in Schieflage gerät.

Die Doppelvorstellungen und die parallelen Bühnen sind ein Kraftakt für Schauspieler, Band, Technik und Regie. Ein Kraftakt, der sich allerdings zu lohnen scheint, sind sich die Organisatoren einig. Denn so ergebe sich für das Publikum ein möglichst authentisches Gesamtbild des Showbusiness, mit Glanz, Glamour aber auch Garderoben-Realität.

Das Publikum darf dabei nicht nur auf das schauspielerische Repertoire, sondern auch die musikalische Umsetzung gespannt sein — schließlich singen die Akteure live zu den vier Musikern um Christoph Eisenburger, den musikalischen Leiter. Er hat der fiktiven Band „Morgenstern“ fünf eigene Lieder auf den Leib geschrieben, die auch im Stück zu hören sein werden — die restlichen Songs der Pop-Rock Gruppe sind Cover bekannter Bands wie den Cranberries, AC/DC oder Rosenstolz.

Diese ganz unterschiedlichen Bands reflektieren passend die Uneinigkeit der Charaktere: Die Brüder Nik, Phil und Jonas gründeten die Band „Morgenstern“ gemeinsam, haben aber unterschiedliche Vorstellungen zu deren Zukunft. Nik — scheinbarer Bandleader — ist mit Sängerin Kyra verheiratet und möchte mit Balladen und einer guten Show die Gruppe zum Erfolg führen. Phil jedoch schwebt eher vor, politische Statements zu machen, während der dritte Bruder Jonas sich nach Frau und Kind sehnt, die er durch das Touren nur selten sieht, und deshalb über den Ausstieg nachdenkt.

Hinter der Bühne geht es daher nicht immer herzlich und entspannt zu: So lassen sich ab der ersten Minute Anflüge von Hahnenkämpfen unter den Männern und eine Prise Zwist zwischen den weiblichen Bandmitgliedern erahnen.

Mehr von Aachener Zeitung