Zweiter Band über den Ostfriedhof erschienen

200 Seiten über den Aachener Ostfriedhof : Neues Buch lüftet weitere Geheimnisse des Ostfriedhofs

Wie sahen früher die Bestattungsrituale auf dem Ostfriedhof aus? Welchen Einfluss hatte der Erzbischof von Köln? Und was ist über den steinernen Kreuzweg bekannt? Darüber informiert ein neues Buch, das über den Friedhof erschienen ist.

Im vergangenen Jahr war es nur der Wunsch des Förderkreises Ostfriedhof, aus einem ersten Buch zum Friedhof eine Reihe zu entwickeln. Nun ist der zweite Band mit Beiträgen zu diesem Ort erschienen. 200 Seiten stark und voller Überraschungen geht es um das Gestern und Heute dieser Ruheoase im Verkehrsgetümmel des Adalbertsteinwegs.

Karl Steenebrügge hatte sich auf die Suche nach alten Bestattungsritualen gemacht und beschreibt in Wort und Bild, wie Kirche und Stadt vor hundert Jahren in die persönlichen Beerdigungsplanungen eingriffen. Niemand konnte seine Angehörigen nach Lust und Laune bestatten. Je nach sozialem Status bestimmten der Kölner Erzbischof und der Aachener Oberbürgermeister, was dem Toten zustand. Es gab fünf Begräbnisklassen. Wenn der Trauerzug von der Innenstadt aus in Richtung Ostfriedhof zog, wussten die Passanten sofort, welchen gesellschaftlichen Status der Tote verkörpert hatte.

Die Anzahl der Pferde, die den Sargwagen zogen, die Anzahl der Geistlichen und Ministranten, die Opulenz an Blumen und Sargtüchern, alles wurde amtlich vorgeschrieben. Selbst die Silberverzierungen an Zaumzeug und Leichenwagen mussten regelgemäß montiert werden – oder bei Klasse fünf eben auch nicht.

Die Klassenordnung regelte auch, wie viele Klageweiber aus den Armenvierteln der Stadt verdingt werden durften. Bis ins Detail wurde nichts den Angehörigen überlassen. Es gab eine ausführliche Gebührenordnung, und wer reich war musste tief in die Tasche greifen um den pompösen Kult zu finanzieren.

Wolfgang Berg ist den Spuren des Kreuzweges auf dem Ostfriedhof nachgegangen. Er hat viele wenig bekannte Details ausgegraben. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert wuchs die Stadtbevölkerung beträchtlich. Im frommen Aachen mangelte es an Andachtsstätten, und so beschlossen die Alexianerbrüder, denen die Verwaltung des Friedhofes oblag, die Errichtung eines steinernen Kreuzweges. Rektor Andreas Fey nutzte seine Reputation, um zahlreiche Sponsoren für das Vorhaben zu gewinnen. Wer eine Kreuzwegstation finanzierte hatte das Recht, unmittelbar vor „seiner“ Station später auch beerdigt zu werden. Diese Werbemaßnahme hat gezogen und der damals begehrte Bildhauer Franz Reiners setzte die Planungen um. Nach Fertigstellung war dieser Kreuzweg ein wichtiger Anziehungspunkt für Aachener Bürger. Immer gab es Menschen, die sich für Erhalt und Renovierung des Kreuzweges einsetzten und so ist er auch heute ein Zeugnis gelebter Volksfrömmigkeit.

Sechs weitere Autoren haben sich auf Spurensuche begeben. Heiner Grysar berichtet über den Ostfriedhof im zweiten Weltkrieg, Dr. Dieter Radloff-Abeler erinnert an die Zeit, als die Kapelle des Friedhofes in der Nachkriegszeit als Unterschlupf diente. Dr. Rainer Schütt hat die wachsenden Vogelbestände auf dem Areal untersucht und Holger A. Dux beschreibt und zeigt die Entwicklung der Grabinschriften der letzten 140 Jahre. Grabstätten abräumen oder erhalten? Das fragt Denkmalschützer Andreas Priesters, und Dr. Markus Pavlovic schreibt über die Schwierigkeit der Recherche zu den unzähligen denkmalgeschützten Einzelstätten des Friedhofes.

Das reich bebilderte Buch ist für zehn Euro in der Mayerschen zu erhalten. Fortsetzung folgt und zwar im Herbst 2019.