Aachen: Zweite Streikwelle rollt nächsten Dienstag an

Aachen : Zweite Streikwelle rollt nächsten Dienstag an

Die Ferien sind — mal wieder — passé, trotzdem dürfte sich der Alltag kommende Woche — einmal mehr — nicht nur für manchen Heimkehrer eher schleppend einstellen. Die Gewerkschaften Verdi und Komba sind derweil entschlossen, beim aktuellen Tarifstreit im öffentlichen Dienst einen weiteren Gang hochzuschalten. Heißt im Umkehrschluss: Die Aseag-Busse bleiben am Dienstag ebenso im Depot wie die meisten Müllfahrzeuge des Stadtbetriebs.

Etliche städtische Anlaufstellen — Kitas, offene Ganztagsschulen, Schwimmbäder, Bibliotheken und andere „bürgernahe“ Einrichtungen — sind zudem dicht, weil Verdi zur zentralen Kundgebung in Köln ruft. Tags darauf ist ebenfalls mit erheblichen Einschränkungen zu rechnen: Am Mittwoch besteigen die in der Komba organisierten Beschäftigten die Busse zur nächsten Demo Richtung Bonn.

Stillstand, die Zweite: Auch bei der Müllentsorgung dürfte zumindest am Dienstag so gut wie nichts gehen. Foto: Andreas Steindl

Info-Hotline bei der Aseag

Plakativer Protest: Die meisten Kitas bleiben geschlossen, die Verwaltung will vereinzelt Notgruppen einrichten. Foto: Andreas Steindl

Auch auf den Aachener Straßen werden am Dienstag abermals nur die Chauffeure der privaten Dienstleister unterwegs sein. Wie bereits am 21. März soll während des gesamten Tages kein Aseag-Bus fahren, überdies sei auch bei den Subunternehmen mit Einschränkungen zu rechnen, teilte Unternehmenssprecherin Anne Körfer gestern mit. Gleiches gelte für das Kundencenter an der Peterstraße. „Aktuelle Entwicklungen werden über www.aseag.de und die lokalen Medien bekanntgegeben“, so Körfer. Zudem werde unter Telefon 0241/1688-3010 erneut eine Info-Hotline geschaltet.

In welchem Umfang die städtischen Anlaufstellen von den Streiks betroffen sein werden, konnte Rita Klösges vom Presseamt am Freitag freilich noch nicht genau sagen. Schließlich lassen sich die Streikenden naturgemäß nicht in die Karten schauen, wenn es darum geht, wo und wann genau die größten Trümpfe im Arbeitskampf gezückt werden. Beim ersten Streik vor knapp zweieinhalb Wochen blieben von den 56 städtischen Kitas nur sechs regulär geöffnet, in neun Einrichtungen konnte zumindest eine Notdienstbetreuung angeboten werden. Diesmal dürfte mit einer ähnlichen Situation zu rechnen sein.

„Bis Anfang kommender Woche wollen wir versuchen, personelle Alternativen im Vorfeld zu organisieren“, erklärte Klösges. „Aber es wird mit Sicherheit zu Engpässen kommen.“ Eltern würden daher von der Verwaltung im Vorfeld per Brief gebeten, „sich auf die Streiksituation einzustellen und vorsorglich andere Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder zu suchen beziehungsweise einzuplanen“, so Klösges. Auskünfte erhielten sie zudem vorab in den Kitas selbst.

Unterdessen trommeln auch die Gewerkschaften weiter für möglichst flächendeckende Arbeitsniederlegungen. „Am Freitag haben wir erneut in zahlreichen Dienststellen, etwa im Haus der Städteregion, zur Teilnahme aufgerufen“, berichtete Verdi-Sekretär Mathias Dopatka.

24 Stunden nachdem die Verdi-Beschäftigten am Dienstagmorgen die Busse Richtung Köln besteigen, machen sich die Kolleginnen und Kollegen von der Komba auf den Weg nach Bonn. „Wir rechnen mit mindestens 600 Teilnehmern aus der Region“, erklärte der stellvertretende Komba-Vorsitzende Dirk Schröders gestern. An beiden Tagen sind also etliche Einrichtungen betroffen; die Aseag ist am Mittwoch allerdings sozusagen wieder auf ganzer Linie im Einsatz.

Weitgehende Funkstille

Weitgehende Funkstille herrscht derweil zumindest im Dreiländereck zwischen den maßgeblichen Arbeitnehmerorganisationen. „Dabei würden wir es begrüßen, zumindest die Streiks gemeinsam zu organisieren“, meinte Schröders. Komba-Mitglieder, die sich am Dienstag mit den Verdi-Kollegen solidarisieren möchten, erhielten ebenfalls eine Freigabe zum Streik, inklusive entsprechender Ausfallgelder, sofern sie sich am Dienstag ab 9 Uhr in der Geschäftsstelle an der Leydelstraße in die Komba-Streiklisten eintrügen.

Gleichwohl scheint das Tischtuch, wenn nicht zerschnitten, so doch zumindest arg ramponiert — auch wenn beide Gewerkschaften es sich bei den bundesweiten Verhandlungen in Potsdam gewissermaßen teilen. „Leider“, entgegnete Verdi-Vertreter Dopatka, „haben wir in der Vergangenheit immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Absprachen mit den Komba-Kollegen nicht funktioniert haben.“

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