Brander Bürgernähe: Zweimal in der Woche fährt die Polizeiwache vor

Brander Bürgernähe : Zweimal in der Woche fährt die Polizeiwache vor

Seit gut zwei Wochen ist im Aachener Stadtteil Brand eine mobile Polizeiwache unterwegs – die erste und einzige im Bereich der Kreispolizeibehörde. Vor Ort ist die rollende Wache immer dienstags von 10 bis 12 Uhr und mittwochs von 15.30 bis 17.30 Uhr.

Dienstagmorgen, kurz vor zehn auf dem Brander Markt. Als Karlheinz Görmar den Wagen abstellt, ist an den Marktständen schon viel Obst und Gemüse verkauft worden. Görmar hat auch etwas anzubieten, allerdings keine Lebensmittel, sondern guten Rat und ein offenes Ohr. Der Polizeihauptkommissar ist Bezirksbeamter in Brand, und an diesem Morgen ist er mit der mobilen Wache vor Ort. Diese Polizeiwache auf Rädern gibt es erst seit gut zwei Wochen, und sie ist einzigartig im Bereich der Polizeibehörde Aachen.

Die mobile Wache, das ist ein Reserve-Streifenwagen der Aachener Polizei. Damit aus dem blau-weißen VW-Bus eine Polizeiwache wird, braucht es nur einen Laptop, einen kleinen Drucker – und natürlich den Beamten an Bord. „Mit dem Laptop bin ich voll ans Polizeipräsidium angebunden“, erklärt Görmar. Wer sich zu ihm in den Bus setzt, kann dort also so gut wie alles erledigen, wofür man sonst zu einer Polizeiwache oder ins Präsidium geht.

Man kann in dem Streifenwagen sogar Strafanzeige erstatten. Bisher habe das noch niemand gemacht, erzählt Görmar. Viele Gespräche aber hat er am und im VW-Bus schon geführt. Da will einer wissen, wie das mit diesem hinterlistigen Enkeltrick funktioniert und wie man sich davor schützen kann. Da lässt einer Dampf ab und beschwert sich über den nervigen Nachbarn, von dem er sich terrorisiert fühlt. Auch Sandra Becker aus Brand macht an diesem Dienstag einen Abstecher zur mobilen Wache, um kurz ein Anliegen zu besprechen. Sie lobt das neue Angebot ausdrücklich: „Kurze Wege, kein bürokratischer Aufwand. Super!“

Karlheinz Görmar versteht sich als Ansprechpartner für wirklich alle polizeilichen Anliegen, die die Bürger beschäftigen. „Und wenn ich mal nicht weiterweiß, dann weiß ich, wer kompetent ist“, betont er. Viele Brander kommen auch einfach auf einen Plausch vorbei. Und gar nicht wenige wollen ausdrücklich mitteilen, wie froh sie sind, dass Brand doch weiterhin noch so etwas wie eine eigene Polizeiwache hat. Das hatte nämlich in der Vergangenheit für einige Unruhe gesorgt.

Mini-Büro im Streifenwagen: In der mobilen Wache in Brand kann Karlheinz Görmar auch Strafanzeigen aufnehmen. Foto: ZVA/Harald Krömer

Mit Eröffnung des neuen Polizeipräsidiums an der Ecke Trierer Straße/ Debyestraße war die Anlaufstelle der Polizei an der Hochstraße in Brand nämlich aufgelöst worden. Das neue Präsidium ist zwar nur anderthalb Kilometer vom Brander Zentrum entfernt, in der Bevölkerung des Stadtteils gab es dennoch Befürchtungen, dass die Polizei künftig weniger präsent und erreichbar sein werde. Die mobile Wache sei da eine gleichermaßen bürgernahe wie innovative Lösung, teilte Polizeipräsident Dirk Weinspach zum Start des Angebots jüngst mit. Aus polizeilicher Sicht hat die rollende Wache zudem den Charme, dass sie keine zusätzlichen Kosten verursacht.

Karlheinz Görmar ist jetzt 58 Jahre alt, ein Polizist mit viel Berufserfahrung. Bezirksbeamter in Brand ist er schon seit elf Jahren. Viele im Stadtteil kennen ihn, viele Kinder haben bei ihm schon die Verkehrserziehung absolviert. Görmar hat einen Blick dafür, wenn Leute vielleicht etwas auf dem Herzen haben, sich aber nicht so recht trauen, mit der Sprache herauszurücken. „Die fang’ ich mir dann hier am Wagen ab“, sagt er.

„Wir erreichen hier mehr Leute als in den alten Räumen in der Hochstraße“, zeigt sich Hans-Peter Schröder sogar überzeugt. Als Leiter des Bezirksdienstes der Polizei ist er verantwortlich für alle 28 Polizeibezirke in der Städteregion. Natürlich sei ein Streifenwagen mitten auf dem Brander Markt ein ziemlich öffentlicher Ort, um persönliche Angelegenheiten mit der Polizei zu bereden, räumt er ein. „Aber wenn etwas nicht hier hingehört, kann das Gespräch jederzeit ins Präsidium verlegt werden.“

Wie früher die Anlaufstelle in Brand, hat auch die mobile Wache in Brand feste „Öffnungszeiten“: dienstags während des Wochenmarkts von 10 bis 12 Uhr auf dem Brander Markt und mittwochs von 15.30 bis 17.30 Uhr am Bezirksamt auf dem Paul-Küpper-Platz. Wer sich an die mobile Wache wendet, trifft dort immer einen Ansprechpartner des Bezirksdienstes Brand an: entweder Karlheinz Görmar oder seine Kollegen Petra Steins oder Jürgen Paulus.

Als der VW-Bus mittags von Markt rollt, fällt das polizeiliche Fazit positiv aus. „Nahezu durchgehend“ habe der Bezirksbeamte vor Ort Gespräche mit interessierten Bürgern geführt, bilanziert Andreas Müller von der Pressestelle der Polizei. „Die mobile Wache bekommt viel Zuspruch und scheint in der Bevölkerung gut anzukommen.“

Überlegungen, das Modell der mobilen Wache über Brand hinaus auszuweiten, gibt es nach Polizeiangaben übrigens ausdrücklich nicht. „Die Frage stellt sich für andere Bezirke nicht“, betont Müller.