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Aachen: Zwei Glocken beziehen den Glockenturm der neuen Genezareth-Kirche

Aachen : Zwei Glocken beziehen den Glockenturm der neuen Genezareth-Kirche

Für die evangelische Gemeinde Aachen-West war das ein besonderer Tag: Für den Glockenturm der neuen Genezareth-Kirche an der Vaalser Straße wurden die Glocken geliefert und aufgezogen. Rund 50 Gemeindemitglieder hatten sich auf der Baustelle eingefunden, einige hatten im November 2017 die Glockengießerei in Brockscheid/Vulkaneifel besucht, um den Gießprozess zu verfolgen.

Jetzt wollten sie „ihre“ Glocken einmal ganz aus der Nähe begutachten, bevor sie im Glockenturm verschwinden.

Ganz schön groß und ganz schön schwer: Einige Gemeindemitglieder ließen es sich nicht nehmen, „ihre“ Glocken aus nächster Nähe zu begutachten. Bevor die Glocken zum Gebet laden, dauert es jedoch noch. Am 20. Mai wird die Genezareth-Kirche offiziell eröffnet. Foto: Andreas Schmitter

Die Ankunft feierten Pfarrerin Bettina Donath-Kreß und die Anwesenden mit einer kleinen Andacht. Glocken werden auch die „Stimme Gottes, vox dei“, gemannt. Sie rufen zum Gebet, laden ein zur Gemeinschaft. Zwei Glocken bezogen den Glockenturm der Genezareth-Kirche: Die größere mit dem Schlagton „F“ hat einen Durchmesser von 1,12 Metern und wiegt etwa 680 Kilogramm.

Ganz schön groß und ganz schön schwer: Einige Gemeindemitglieder ließen es sich nicht nehmen, „ihre“ Glocken aus nächster Nähe zu begutachten. Bevor die Glocken zum Gebet laden, dauert es jedoch noch. Am 20. Mai wird die Genezareth-Kirche offiziell eröffnet. Foto: Andreas Schmitter

Die kleinere der beiden Glocken hat den Schlagton „Des“, einen Durchmesser von 74 Zentimetern und ein Gewicht von rund 215 Kilogramm. Eindeutig zu schwer, um sie mit Manneskraft in den 18 Meter hohen Turm zu wuchten. Ein Kleinbagger positionierte die Glocken so, dass sie aufgezogen werden konnten. Fingerspitzengefühl war dabei gefragt. Kurz vor dem endgültigen Aufziehen erklang die kleine Glocke einmal probeweise. „Sehr schön“, lautete das Urteil der Umstehenden.

Jede Glocke ist etwas Besonderes, sie ist nicht nur Handarbeit, sie ist auch ein Unikat. Manche tragen sogar eigene Namen. Die Gemeinde hatte sich für Inschriften entschieden. „Friede soll mit euch sein für alle Zeit“ lautet die Inschrift der kleinen Glocke. „Singet dem Herrn ein neues Lied, jauchzet dem Herrn alle Welt“, eine Passage aus dem 96. Psalm, ist auf der großen Glocke eingraviert. Die 40.000 Euro Gesamtkosten hat die Gemeinde durch Spenden zusammenbekommen. Vorerst bleiben die Glocken jedoch stumm, zumal unter anderem die Läuteanlage noch eingebaut werden muss.

Fortschritte hat auch der Kirchenbau gemacht. Architektin Gesine Weinmiller hat bei der Planung darauf geachtet, dass die Räume zweckmäßig umgestaltet werden können. Die Kirche besteht aus einem Hauptschiff mit zwei Seitenschiffen. Durch Trennwände kann der Raum nach Bedarf vergrößert oder verkleinert werden. In einem Seitenschiff soll außerdem ein Andachtsraum gestaltet werden, der Besuchern auch außerhalb der Gottesdienstzeiten offen steht. Daneben stehen vier Mehrzweckräume verschiedenen Gruppen zur Verfügung.

Finanziert durch Rücklagen

Ein großer Raum ist extra für Jugendliche vorgesehen. Dort soll ein Treffpunkt entstehen, mit Kicker, Billard und der Möglichkeit für Filmvorführungen oder Konzerte. Prunkstück ist in den Augen von Pfarrer Mario Meyer der Innenhof, der über den Kreuzgang zu erreichen ist. Kirche und Gemeindehaus, in dem auch die Diakonie und eine Küsterwohnung untergebracht sind, haben insgesamt eine Grundfläche von 763 Quadratmetern. Finanziert wird der Bau durch Rücklagen der Kirchengemeinde Aachen und die Verkäufe des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses und der Arche.

Offiziell eröffnet wird die Genezareth-Kirche mit einem Gottesdienst am 20. Mai um 15 Uhr. Neben den beiden Pfarrern Bettina Donath-Kreß und Mario Meyer wird Pfarrer Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, mitwirken und die Predigt halten. Dann werden sicher auch die neuen Glocken läuten.