„Rain Man“ als Bühnenstück: Zwei Brüder und ein alter Buick

„Rain Man“ als Bühnenstück : Zwei Brüder und ein alter Buick

So viele überdimensionale Zahnstocher stellen das Bühnenbild des ersten Stückes des Das Da Theaters für die Spielzeit 2019/2020 dar. Viele mögen erahnen, dass es sich bei dem Schauspiel um die Adaption des Filmklassikers „Rain Man“ handeln muss.

In dem preisgekrönten Film geht es um Charlie und dessen Bruder, den Autisten Raymond. Dieser erkennt in einer der Schlüsselszenen des Stückes auf Anhieb, dass exakt 246 Zahnstocher zu Boden gefallen waren. So phänomenal Raymond, gespielt von Frank Siebenschuh, mit komplexen Rechnungen und Zahlen umzugehen weiß, so schwer tut er sich mit Gefühlen und menschlichen Beziehungen. Das bekommt auch Charlie, gespielt von Mehdi Salim, zu spüren, der bis zum Tod ihres gemeinsamen Vaters gar nichts von seinem Bruder wusste.

Als Raymond jedoch das horrende Vermögen ihres Vaters erben soll, tritt Charlie auf den Plan – und entführt seinen Bruder aus der Klinik, in der er lebt. Eine einwöchige Reise durch die USA beginnt und damit auch die Veränderung des Egomanen Charlie. „Rain Man ist eine tolle Charakterstudie und eine wunderbare Brüdergeschichte – das ist einfach genial erzählt“, schwärmt der künstlerische Leiter des Theaters Tom Hirtz von der Story. Hirtz inszenierte „Rain Man“ – übrigens eine Aachener Uraufführung.

Er habe die „Zahnstocher-Szene“ eingefroren als Bühnenbild nutzen wollen, da sie der entscheidende Moment des Films sei. In dieser Szene erkenne der bis dato eher weniger auf Raymond haltende Charlie, welche Fähigkeiten in seinem autistischen Bruder stecken. „Autismus ist, wie ich finde, einfach auch ein sehr wichtiges Thema“, erklärt Hirtz. Das Stück solle somit auch einen Appell an den Zuschauer darstellen, der sagt: „Schaut euch die Menschen genauer an!“

„Rain Man“ im Das Da Theater

Doch nicht nur weil es sich um ein ausgesprochen menschliches Stück handelt, freut sich das Das Da Theater auf „Rain Man“. „Es hat viel Spaß gemacht“, erläutert Hirtz, „ein Roadmovie auf die Bühne zu bringen.“ Wo im Original mehrere hundert Kilometer im Auto zurückgelegt werden, bewegen sich die Protagonisten im Schauspiel nur wenige Meter.

Diese vermeintliche Statik passt gut zum gegensatzreichen Stoff des Stückes, das gleichsam von enormer Dynamik geprägt ist. Charlie ist Autohändler und der geborene Yuppie – er steht ständig unter Strom, ist wild und unruhig. Raymond hingegen die Ruhe selbst, in sich gekehrt und bescheiden. Dass es da im Verlaufe ihrer gemeinsamen, nicht ganz freiwilligen Reise zu mehr als einer Reiberei kommen muss, ist vorauszusehen.

Doch geht es nicht um Reibereien. Vielmehr geht es um die wandlungsreiche Dramatik, welche die wundersame Beziehung zweier Brüder birgt, die verschiedener nicht sein könnten.

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