Zwei Aachener Schulen beim Wettbewerb "Digiyou" erfolgreich

NRW-Schülerwettbwerb „Digiyou“ : Ein schlauer Spiegel und ein Gewächshaus mit Computer

Ein Spiegel, der Gesichter erkennen kann, und ein automatisiertes Gewächshaus, das computergesteuert für die richtige Bewässerung sorgt: Mit diesen Projekten haben zwei Aachener Schulen beim NRW-Wettbewerb „Digiyou“ gewonnen.

Bei der Siegerehrung in Düsseldorf nahmen die Schülerteams vom Gymnasium St. Leonhard und vom Kaiser-Karls-Gymnasium Preisgelder von je 1000 Euro entgegen.

15 Schülergruppen aus Nordrhein-Westfalen hatten in der Endrunde des Wettbewerbs ihre Ideen zur Digitalisierung entwickelt. Neben den beiden Aachener Schulen wurde auch das Leibnitz-Gymnasium aus Dormagen ausgezeichnet. „Digiyou“ steht unter der Schirmherrschaft von Schulministerin Yvonne Gebauer und wird von der NRW.Bank und der Bildungsgenossenschaft organisiert. Der Wettbewerb soll den bewussten Umgang mit der Digitalisierung fördern.

Wenn die Sechstklässler vom KKG über ihr Projekt berichten, dann spürt man die Begeisterung bei jedem Satz. Entstanden ist das Gewächshaus in einem der Kurse, die die Schule in den Jahrgangsstufen 5 bis 7 anbietet, um die Begeisterung für die Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu fördern.

Die Kinder haben das Gewächshaus von Grund auf selbst zusammengebaut und mit reichlich Technik versehen. Ein Sensor misst die Feuchtigkeit im Boden. Ist es im Beet zu trocken, wird eine Pumpe in Bewegung gesetzt. Gesteuert wird das alles über den Calliope-Minicomputer, den die Schülerinnen und Schüler selbst programmiert haben.

Auch Lehrer Wolfgang Scheuer, der das Projekt betreut, ist schwer beeindruckt. Er hat miterlebt, wie in der Entwicklung immer neue Probleme auftraten und wie für alles doch eine Lösung gefunden wurde. „Das sind echte Tüftler“, sagt er anerkennend.

Robin Kube, Felix Bartram und Janis Bailintis (v.l.) haben gemeinsam mit drei Mitschülern vom Gymnasium St. Leonhard den „Leo Mirror“ gebaut und programmiert. Rechts Informatiklehrer Boris Melzow. Foto: Heike Lachmann

Zum Projektteam gehören Mattis Klasmeyer, Jonas Kortenhaus, Benjamin Kramer, Bohdana Levandovska, Jan Schacht und Florian Weber. Für die Präsentation in Düsseldorf, immerhin unter den Augen der Schulministerin, haben sie sogar Schauspielunterricht genommen. Sie stellten ihr Projekt nämlich mit einem kleinen Theaterstück vor. Da trat die Erde leibhaftig auf und auch der kleine Computer, der für Bewässerung sorgte. Lehramtsstudentin Natalia Simons, die am KKG gerade ihr Praktikum begonnen hat, hat das Stück mit der Gruppe einstudiert. Demnächst soll das Gewächshaus in den Praxisbetrieb gehen. Brunnenkresse könnte man darin ziehen, überlegen die jungen Entwickler. Die 1000 Euro Preisgeld wollen sie einsetzen, um die Anlage weiter auszubauen. Ideen gibt es schon.

Viele Ideen, wie sie das Preisgeld für den „Leo Mirror“ einsetzen können, haben auch die Jugendlichen von St. Leonhard. Ihr Spiegel hat nämlich viel mehr zu bieten als ein Spiegelbild. „Leo Mirror“ kann Personen erkennen und sie mit individualisierten Nachrichten versorgen.

Felix Bartram, Robin Kube, Janis Bailitis, Jan Ropers (alle Jahrgangsstufe EF), Daniel Austerhoff (Klasse 9) und Benedikt Vidic (Jahrgangsstufe Q2) haben einen sogenannten Spionspiegel, der nur auf einer Seite verspiegelt ist, so ausgebaut, dass eine Gesichtserkennung möglich ist. Für das erkannte Gesicht sucht die Anlage dann alle Informationen zusammen, die für diesen Menschen wichtig sein könnten. Wer sich als Schüler vor den „Leo Mirror“ stellt, bekommt seinen Stundenplan präsentiert, aktuelle Vertretungsstunden, Klausurtermine, Elternsprechtage … Im Spiegel erfährt der hungrige Schüler sogar, was es an diesem Tag in der Mensa zu essen gibt.

Die Programmierung des schlauen Spiegels war wohl die schwierigste Aufgabe im ganzen Projekt. „Wir haben die Software komplett selbst geschrieben“, sagen die jungen Leute nicht ohne Stolz. Aber auch handwerkliches Geschick war gefragt. Den Rahmen des Spiegels zum Beispiel haben sie in der Schule mit der CNC-Fräse gearbeitet.

Dem Datenschutz sei in jeglicher Hinsicht Rechnung getragen, versichert Informatiklehrer und Mint-Koordinator Boris Meltzow. Die erhobenen Daten werden nicht nach außen gegeben und auch nirgendwo gespeichert. „Und die Kamera arbeitet auch nicht die ganze Zeit“, sagt Meltzow.

Das Schwarze Brett mit Informationen für alle 800 Schülerinnen und Schüler hat auch künftig nicht ausgedient. Mindestens zwei Ausfertigungen des preisgekrönten „Leo Mirror“ soll aber ebenfalls im Gebäude angebracht werden. Das neue Angebot passt dann auch prima zur Schul-App, die es schon etwas länger gibt. Damit hat das Gymnasium St. Leonhard bereits im vergangenen Jahr beim „Digiyou“-Wettbewerb gewonnen.

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