Zur Finanzierung der Dürer-Schau in Aachen stehen wichtige Fördermittel weiter aus

Ausstellungs-Trias rund um Albrecht Dürer : Noch lauern viele Stolperfallen auf Dürers Weg nach Aachen

Von gepackten Koffern kann wohl noch nicht wirklich die Rede sein – zumal sich das schon angesichts der Fülle an kunsthistorischen Kostbarkeiten verbietet, die unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen den Weg in die Kaiserstadt finden sollen. Aber: Die Vorbereitungen zu den großen Präsentationen im Suermondt-Ludwig-Museum sowie im Centre Charlemagne und im Ludwig Forum rund um die Aachen-Reise des Nürnberger Maler-Genies Albrecht Dürer (1471-1528) anno 1520 laufen längst auf Hochtouren. Gleichwohl sind auf dem Weg zur Eröffnung im Oktober 2020 noch etliche Hürden zu nehmen.

Eine ganze Reihe von Förderanträgen ist nämlich noch nicht positiv beschieden, wie in der jüngsten Sitzung des städtischen Kulturausschusses klar wurde. Zurzeit klafft laut Bericht des Kulturbetriebs eine Lücke von rund 1,29 Millionen Euro in der Kalkulation – und das, obwohl das Gesamtbudget bereits im Dezember durch einen einstimmigen Ratsbeschluss von vordem rund 4,64 auf rund 3,14 Millionen reduziert wurde. Die Grünen nahmen dies im Ausschuss dennoch zum Anlass, laut über eine eventuelle Absage des Großprojektes nachzudenken.

Was vor allem die CDU mit Nachdruck zurückwies: Ein Rückzieher sei „undenkbar“. Dezernentin Susanne Schwier unterstrich, dass die veranschlagten Drittmittel – Zuschüsse etwa seitens des Landes und diverser Stiftungen – erfahrungsgemäß relativ kurzfristig zugesagt würden. Die Akquisition sei in vollem Gange. „Wir sind gut unterwegs, es gibt keinen Grund, das Projekt jetzt infrage zu stellen“, betonte sie.

Ein weiterer entscheidender Knackpunkt liegt allerdings darin, dass der Einbau der neuen Klimaanlage im Suermondt-Ludwig-Museum spätestens im April – ein rundes halbes Jahr vor der offiziellen Eröffnung am 7. Oktober 2020 - abgeschlossen sein muss. Daher hatte die Verwaltung zuletzt zwei abgespeckte Varianten ins Gespräch gebracht, um die Risiken zu minimieren: Gegebenenfalls müsse die Präsentation auf den Bereich für die Wechselausstellungen des Hauses an der Wilhelmstraße, im schlechtesten Fall gar auf das (längst klimatisierte) Ludwig Forum und das Centre Charlemagne beschränkt werden. Inzwischen gehen die Experten allerdings definitiv davon aus, dass der Zeitplan in Sachen Klimatechnik eingehalten wird.

Unterdessen konnte Chef-Kurator Peter van den Brink eine wichtige Vollzugsmeldung erstatten: Als Kooperationspartnerin in Sachen „Dürers Reise in die Niederlande“ konnte die weltweit renommierte National Gallery in London gewonnen werden. Wenn die letzten Besucher Mitte Januar 2021 gezählt sind, soll die Ausstellung ab Februar für drei Monate an der Themse gezeigt werden. Der Vertrag ist zwar noch nicht unterschrieben, aber eine entsprechende Absichtserklärung liegt seit Mai vor. Und natürlich sind etliche weitere hochkarätige Museen im Boot, Leihgaben werden unter anderem aus New York, Antwerpen, Florenz, Lissabon oder Mailand erwartet. Nicht weniger als rund 120 Exponate aus Dürers Werkstatt sollen im Suermondt-Ludwig-Museum präsentiert werden. Bislang sind laut Bericht der Kuratoren 53 Anfragen versandt worden, weitere elf sollen bis Ende Juli erfolgen. Für 43 Objekte liegen bereits Zusagen vor.

Während das „SLM“ sich dergestalt auf die wohl prominenteste Präsentation seiner Geschichte fokussiert, soll im Centre vor allem der Anlass für Dürers Visite im Mittelpunkt stehen – die Krönung Karls V. am 23. Oktober 1520 im Aachener Dom. Zurzeit arbeiten die Experten an der Erstellung einer „Kernliste“ mit 250 Objekten, die die spannenden Hintergründe der Inthronisation des Habsburgers (Arbeitstitel: „Der gekaufte Kaiser“) umfassend beleuchten. Erste Gespräche mit möglichen Leihgebern sind geführt worden, bis Ende September sollen die meisten Anfragen übermittelt sein, heißt es im Bericht des Kulturbetriebs – nicht ohne den Zusatz: „Dabei würde eine potente Schirmherrschaft hilfreich sein.“

Die ehemaligen Produktionshallen für Parapluies, alias Ludwig Forum, werden derweil zum Schauplatz für rund 50 „Positionen der Gegenwart“. Etwa 30 Künstler setzen sich dabei in Videos, Objekten, Fotografien und Grafiken mit zeitgenössischen Aspekten des „Oberthemas“ Reisen vor dem Hintergrund der historischen „Tournee“ Dürers auseinander, die den Meister schließlich bis Antwerpen führen sollte.

So gehen die Macher weiterhin davon aus, dass neben den Aachenern zahlreiche Gäste aus aller Welt den Weg ins Grenzland finden, damit der finanzielle Rahmen zumindest in Gestalt einer „Schwarzen Null“ eingehalten wird. Rund 100.000 zahlende Besucher sollen am Ende mindestens knapp eine Million Euro in die Museumskassen fließen lassen.

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