Aachen: Zum Weihnachtsmarkt? Bitte einsteigen!

Aachen: Zum Weihnachtsmarkt? Bitte einsteigen!

Behutsam tritt Klaus-Dieter Mai auf die Bremse. „Wir sind da!“, ruft er in den hinteren Teil des Busses. „Der Weihnachtsmarkt befindet sich links. Der Bus fährt alle zehn Minuten, nachher können Sie hier wieder einsteigen und mit zurückfahren.“ Mai ist Busfahrer und bringt jeden Tag Touristen mit einem Doppeldecker-Shuttlebus vom Bendplatz bis zur Neupforte.

Die Strecke ist gerade einmal einen Kilometer lang — nicht mehr als ein 20-minütiger Spaziergang. Aber besonders die auswärtigen Besucher scheinen den Shuttle-Service von Reisebustür bis zur Bude zu schätzen.

Hier können sich Busfahrer aufwärmen: Im Stand von Petra und Rolf Offermanns (links) auf dem Bendplatz. Foto: Michael Jaspers

Drei Euro bezahlen sie pro Person für Hin- und Rückfahrt. Der Rubel rollt. Das macht Klaus-Dieter Mai glücklich und auch seine Gäste, die erst in Steinwurfweite zum eigentlichen Ziel den Fuß ins nasskalte Öcher Dezemberwetter setzen müssen.

So wie die Gruppe aus Kamp-Lintfort. Aus dem Ruhrgebiet sind sie extra nach Aachen gereist, um den Weihnachtsmarkt zu besuchen. Doch fast am Ziel angekommen, zählen erst einmal andere Bedürfnisse. Vom Haltepunkt des Shuttlebusses aus steuert die Gruppe zielstrebig ein Brauhaus an. „Wir brauchen erstmal eine Stärkung!“, sagt einer der Mitreisenden. „Insgesamt sind wir 35“, erzählt Jürgen Henrich. „Zum Aachener Weihnachtsmarkt kommen wir jetzt schon zum dritten Mal.“ Den Ruhrpöttlern gefällt‘s offensichtlich im Westzipfel.

Morgens um 10 Uhr ging die Reise in Kamp-Lintfort los. „Für die Strecke braucht man rund eineinhalb Stunden“, sagt Henrich. Er hat die Gruppe mit einem Reisebus nach Aachen gefahren. Jürgen Henrich ist aber nicht nur der Busfahrer, er gehört zur Gruppe dazu. „Ich bin seit drei Jahren in Rente, das Busfahren mache ich nebenher, weil es mir Spaß macht“, sagt er.

In Aachen nimmt die Gruppe das volle Programm mit: Auf dem Bendplatz angekommen, ging es nämlich zunächst einmal zum Lindt-Werksverkauf. Nachdem die Tüten voller Schokoladentafeln im Reisebus abgestellt waren, ging es mit dem Shuttlebus weiter Richtung Stadt. „Wir wollen uns aber nicht nur den Weihnachtsmarkt ansehen, wir werden auch so einmal durch die Stadt bummeln“, sagt Henrich. Anders als Henrich ist Kenia Pichardo das erste Mal in Aachen. Sie lebt in Kuba und ist derzeit zu Besuch in Deutschland. Sie und ihr Freund sind nicht nur vom Weihnachtsmarkt begeistert, sie interessieren sich auch für den Dom und die Geschichte Aachens.

Seit 17 Jahren Busbetreuer

50 bis 80 Reisebusse trudeln zur Zeit jeden Tag am Bendplatz ein, wie Rolf Offermanns berichtet. Er und seine Frau kümmern sich bereits seit 17 Jahren in der Adventszeit um die Busbetreuung in Aachen. An ihrem Stand auf dem Bendplatz gibt es Kaffee und ein warmes Plätzchen. Eine Stärkung kann der ein oder andere Busfahrer auch gebrauchen, wenn er den Bendplatz erreicht hat; viele haben eine lange Fahrt hinter sich, wenn sie in Aachen ankommen. „Die Besucher kommen aus Holland, Belgien, Frankreich und sogar aus England“, sagt Offermanns. Alle haben ein Ziel: den Aachener Weihnachtsmarkt.

Auch Trevor Klarner legte eine weite Strecke zurück, um nach Aachen zu kommen: Der Busfahrer aus Colchester in England brachte eine Gruppe von 25 Weihnachtsmarktouristen her. Insgesamt sei er schon zwölf Mal in Aachen gewesen, erzählt Klarner, „vielleicht sogar noch öfter“.

Allein ist der Brite jedenfalls nicht. Denn der Andrang auf den Weihnachtsmarkt ist enorm: 1860 Busse seien im letzten Jahr in der Vorweihnachtszeit angereist, sagt Offermanns. Auch in diesem Jahr rechnet er mit einer vergleichbaren Zahl. Doch was ist es, das die Menschen von überall nach Aachen zieht? „Es ist nicht nur der Weihnachtsmarkt“, findet Henrich, „Es ist auch das besondere Flair der Altstadt. Diese Kombination ist einfach etwas Besonderes.“