Aachen: Zum Abschied hagelt es Vorwürfe

Aachen: Zum Abschied hagelt es Vorwürfe

Als Manfred Engelhardt die Schere ans Parteibuch legt, ist das zumindest für ihn ein einschneidendes Erlebnis. „Schweren Herzens” habe er die Mitgliedschaft in der „Linken” aufgegeben, der Schritt sei ihm nicht leicht gefallen.

Darius Dunker, Sprecher des Kreisverbandes der „Linken” in der Städteregion Aachen, fällt der Abschied von Engelhardt dagegen ziemlich leicht. Er sagt: „Ich bin froh, dass er weg ist.”

Engelhardt verlässt die Partei, in die er 2007 eingetreten ist, natürlich nicht einfach so. Der Mann, der sich selbst gern als „dienstältester Personalratsvorsitzender Deutschlands” bezeichnet, begründet seinen Schritt. Sehr detailliert. Auf fünf DIN-A-4 Seiten listet Engelhardt auf, warum er der Partei den Rücken kehrt. Das Schreiben liest sich wie eine Anklage. Dunker sagt: „ Jeden Vorwürfe kann man widerlegen.”

Die Mitgliedschaftskündigung trägt nicht nur Engelhardts Unterschrift, sondern auch die von Hubertine Momber, Norbert Pittel, Dirk Momber, Jakob Dircks, Heinz Vossen und Franz Josef Ohlen. Sie alle treten aus der „Linken” aus, auch weil sich Wolfgang Zimmermann mit „fremden Federn schmückt.”

Der Sprecher der NRW-„Linken” ginge mit einem Entwurf des Landespersonalvertretungsgesetzes „hausieren”, der von einem anderen maßgeblich gestaltet worden sei. „Das war meine Initiative und sie ist auf mein Drängen und mit meinem Wissen erarbeitet worden”, sagt Engelhardt.

Dunker will das nicht abstreiten. Falsch sei aber, dass Zimmermann den Gesetzentwurf als seinen ausgebe: „Er hat nur gesagt, dass das eine wichtige Sache ist.” Dunker vermutet, dass die Motivation hinter Engelhardts Vorwurf eine andere ist: „Er hat wohl erwartet, dass er aus Dankbarkeit für den Entwurf auf die Landesliste kommt”. So gesehen sei es „lächerlich, anderen Karrierismus vorzuwerfen.”

Auch davon ist im Kündigungsschreiben die Rede. Die Ausgetretenen empfinden es „ekelerregend, feststellen zu müssen, dass Karrieristen in dieser Partei die Macht ergriffen haben”, die mit „Zähnen und Klauen ihren Einfluss und ihre Macht sichern.”

Weiterhin wird der Austritt damit begründet, dass Dunker bislang nicht das Protokoll veröffentlichte, dass er während der Gründungsveranstaltung eines „Linken”-Ortsverbands führte. Der Beschuldigte sagt, dass das Dokument nachgereicht werde.

Grundsätzlich stellt Dunker klar: „Es gibt in unserer Partei keine Vorschrift, die festlegt, dass die Gründung eines Ortsverbandes bekannt gegeben werden muss.” Ihm werde die Nicht-Einhaltung einer nicht existierenden Vorschrift vorgeworfen. „Das ist doch absurd.”

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