Aachen: Zuhören! Die Knochen „sprechen“ wieder

Aachen: Zuhören! Die Knochen „sprechen“ wieder

Für die Archäologen war der Fund vor zwei Jahren bei Tiefbauarbeiten der Stawag etwas ganz besonderes. Sie entdeckten bei ihren Grabungen nämlich menschliche Knochen aus der merowingischen Zeit. Bis Mitte August waren die Original-Skelette in einer viel beachteten Ausstellung im Centre Charlemagne zu sehen.

Jetzt kehren zwar nicht die Knochen selbst, aber zumindest ihre Geschichte(n) zurück an den Fundort — und zwar in Form eines interaktiven Bauzauns.

Verständis wecken

Bilder und Texte der Skelette sind auf großen Plakaten an dem Gitterzaun rund um die Baustelle befestigt. Eine kostenlose App, die es in ähnlicher Form schon bei der Ausstellung im Centre Charlemagne gab, lässt mit Hilfe moderner Augmented-Realitiy-Technologie die Skelette auferstehen. Die App, die von der Firma Domeniceau Design eigens für die Ausstellung entwickelt wurde, erweckt die menschlichen Überreste zum Leben und lässt die Besucher ein Stück von ihren Geschichten erfahren. So „erzählen“ die Knochen zum Beispiel, aus welcher Zeit sie stammen, wie alt sie geworden sind und woran sie starben.

Mit dabei ist auch wieder das Stawag-Maskottchen Emil Erdmann, das viel Wissenswertes rund um die Historie und das Leben im Zeitalter der Merowinger zu berichten hat. „Mit Informationen und vielfältigen Aktionen wie diesen möchten wir dazu beitragen, dass die Einschränkungen für Anwohner und Geschäftsleute durch Baustellen möglichst gering sind“, sagte Stawag-Vorstand Peter Asmuth bei der Vorstellung der Ausstellung im Hof. Bei rund 8000 Kilometern Leitungs- und Kanallänge in der Stadt müsse die Stawag permanent Leitungen erneuern. Baustellen blieben leider an der Tagesordnung.

Die Idee, ein Stück Geschichte an solchen Baustellen zu vermitteln, stößt auch bei der Stadt auf großen Zuspruch. „Wir finden die Idee der Stawag charmant, die Ausstellung am Ort des Fundes fortzusetzen. In der Kommunikation von Baustellen, die ja unumgänglich sind, ist dieser Weg sicherlich originell und zudem sehr lehrreich“, meinte Stadtsprecher Bernd Büttgens.

Die Stawag erneuert am Hof einen Kanal aus dem Jahr 1895. Die Arbeiten wurden im Sommer 2013 begonnen und werden nach heutigem Stand frühstens im Sommer 2016 abgeschlossen. Parallel graben und forschen die Stadtarchäologen weiter. „Wir hoffen, dass wir bei unseren Ausgrabungen auf weitere Entdeckungen stoßen und wir endlich mehr über die dunkelen Jahrhunderte erfahren, über die wir so wenig wissen “, sagte Stadtarchäologe Andreas Schaub. Mit den „dunklen Jahren“ meint Schaub jene Zeit zwischen den Römern und Karl dem Großen.

In der historischen Innenstadt sei mit archäologischen Funden immer wieder zu rechnen. Sie bringen zwar neue Erkenntnisse über die Stadt ans Licht, durchkreuzen aber auch häufig die verschiedenen Bauzeitpläne. Dafür sprechen nun die Knochen auch am vielleicht schönsten Platz der Stadt zu den Öchern und berichten von ihren Geheimnissen.

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