Zu wenig Platz und Aachen-Bezug: Politik lehnt KZ-Präsentation ab

Wanderausstellung bleibt außen vor : Auschwitz-Schau wird in Aachen nicht gezeigt

Im Dreiländereck gibt es nach wie vor Nachholbedarf, wenn es darum geht, die Verstrickung der heimischen Wirtschaft in die Verbrechen der NS-Diktatur aufzuarbeiten. So der Tenor im Kulturausschuss. Mit großer Mehrheit haben die Vertreter der Ratsfraktionen daher den Vorstoß der Linken, die Wanderausstellung „Industrie und Holocaust: Topf & Söhne – die Ofenbauer von Auschwitz“ in Aachen zu zeigen, abgeschmettert. Einstimmig sprach sich der Ausschuss dagegen für eine Erhöhung der Honorare für Musiklehrer und Museumsführer sowie einen entsprechenden Aufschlag bei den jeweiligen Entgelten aus.

Die Schau über das sächsische Unternehmen Topf & Söhne, das die Verbrennungsöfen für das NS-Konzentrationslager in Auschwitz hergestellt hat, ist in der thüringischen Landeshauptstadt konzipiert worden; im Januar macht sie Station in Köln.

CDU, SPD, FDP und Piraten schlossen sich dennoch der Argumentation der Verwaltung an. Die hatte zu bedenken gegeben, dass der Platz im Centre Charlemagne, das als einziger Standort infrage komme, nicht ausreicht. Vor allem aber fehle es an fundierten Studien zur Rolle von Aachener Unternehmen, die wichtige Produkte zur Unterstützung von Krieg und Völkermord hergestellt haben. Als Beispiele wurden zwar ehemalige Firmen wie Garbe-Lahmeyer, das etwa U-Boote produziert habe, oder auch der Waggonbauer Talbot angeführt. Doch die wissenschaftliche Aufarbeitung der Beteiligung der regionalen Wirtschaft an den NS-Verbrechen sei nach wie vor nicht hinreichend, um die Ausstellung mit lokalen Bezügen zu ergänzen (wir berichteten). Daher sei zu befürchten, dass die Resonanz „vor Ort“ eher schwach bleiben würde.

Olaf Müller, Chef des Kulturbetriebs, betonte, dass es gerade im Grenzland viele wichtige und pädagogisch bestens aufbereitete Projekte zur NS-Zeit gebe; er verwies auf die Jüdischen Kulturtage, die gerade erst wieder gestartet seien, den Bau der neuen Synagoge und vieles mehr. Dem folgten auch die Grünen, sie enthielten sich allerdings der Stimme – während Matthias Fischer von der Linken die Sitzung nach der Beschlussfassung zornig verließ. Die Entscheidung sei „ein Armutszeugnis für Aachen“, wetterte er.

Applaus ernteten Politik und Verwaltung dagegen aus den Reihen vieler Zuhörer, nachdem sie eine Erhöhung der Honorare von Musikschule und Museen auf den Weg brachten. Künftig sollen freischaffende Musiklehrer 30 statt 24 Euro pro Unterrichtsstunde erhalten. Zur Gegenfinanzierung werden die Entgelte um vier Prozent angehoben, auswärtige Schüler sollen einen Zuschlag von zehn Euro zahlen. Museumsführer bekommen – je nachdem, ob sie für Privatgruppen oder Schulen im Einsatz sind, sonntags und gegebenenfalls in Fremdsprachen referieren – zwischen zehn und 20 Euro pro Stunde mehr. Im Gegenzug klettern die Entgelte für private Gruppen von bis zu 55 auf bis zu 75 Euro. Für öffentliche Führungen bleibt es bei zwei Euro pro Teilnehmer, womit eine Finanzierungslücke von 7300 Euro bleibt, die im städtischen Etat ausgeglichen werden soll. (mh)

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