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Aachener Künstler: Zu Gast in der Farbenwelt des Leo Brenner

Aachener Künstler : Zu Gast in der Farbenwelt des Leo Brenner

92 Stufen hoch geht es ins Reich der Farben. Mit dem Gewinn der Höhe schweift der Blick durch die großen Treppenhausfenster über das Ostviertel, und ganz oben sieht man den Lousberg in seiner grünen Pracht über den roten Dächern von Aachen.

Hier ist das Reich der Farben, beherrscht von Leo Brenner, der zu den älteren und gestandenen Aachener Künstlern gehört und der vor allem unschlagbar viel Wissen über Farben in ihrer Zusammensetzung, ihrer Herstellung, ihrer Wirkung, Historie und Bedeutung hat.

Regale voller Gläser und Flaschen lenken die Blicke weg vom Lousberg auf Farben und Pigmente, die auf ihre Entfaltung warten. Lang sind die Arbeitstische mit den Leinwänden, beeindruckend die Flut von Pinseln aus aller Herren Länder. Dicht bei dicht hängen sie von der Decke, von seidig-weich bis borstenhart, miniklein und riesengroß. Selbst Besen werden zu Pinseln, wenn sie nicht unter der Decke schweben und Fantasien zu Gemälden anregen, die nur mit großen Gesten und viel Kraftaufwand entstehen können.

Leo Brenner ist ein Maler, der Wert darauf legt, nicht zu häufig auszustellen, vor allem immer wieder neue, intensive Bilder von sorgfältig kreierter Farbigkeit zu zeigen, die die Leidenschaft hinter der Malerei direkt erfahrbar machen. „Es geht aber nicht nur darum, die dringende Notwendigkeit der Malerei für den Künstler rüberzubringen, sondern auch um die Fähigkeit, mit den Farben richtig umzugehen“, sagt er.

Sein enormes Farbwissen verdankt Leo Brenner seiner langjährigen Tätigkeit in der Farbenindustrie und im Künstlerbedarf, aber auch seiner ebenfalls jahrzehntelangen künstlerischen Tätigkeit, die von großer Experimentierfreude gekennzeichnet ist. So bringt er seinen Malschülern, die mit ihm die 92 Stufen in sein Farblabor hinaufsteigen, das richtige Mischen und Herstellen von Farben und besondere Maltechniken bei. Sie lernen zum Beispiel, dass die Erdfarben im Farbkreis gar nicht vorkommen, in der Malerei aber viel gebraucht werden, und dass Farben höchst giftig sein können.

Sein Wissen hat er in einem regelrechten Lehrwerk zusammengefasst, das er „Materialkunde und Maltechniken“ nennt und das im Handel nicht erhältlich ist. So war das berühmte helle Schweinfurter oder Pariser Grün, das im 19. Jahrhundert oft die Wände von Schlössern zierte, dank des Kupfer- und Arsengehalts so giftig, dass die Bewohner krank wurden.

Gift enthielt auch das für van Gogh typische Chromgelb. Da er nicht nur damit malte, sondern gar die Farbe vom Pinsel leckte, konnte er nicht gesund bleiben. Das warme Indischgelb entstand früher aus dem Urin von Kühen, denen Trinkwasser verweigert wurde. Man ließ ihn verdampfen und gewann das farbintensive Pigment aus den trockenen Überbleibseln. Aus Tierschutzgründen gab es allerdings ein Verbot dieser Art der Farbherstellung.

Rot färbt die Aachener „Rothe Erde“, die früher in großem Stil für die Ziegelfabrikation verwendet wurde. Heute noch findet man im gleichnamigen Stadtteil Pigmentgestein, das den Rostton abgibt. Tiefes Blau namens Ultramarindunkel, das aus dem Edelstein Lapislazuli gewonnen wird, gehört zu den bevorzugten Farben von Leo Brenner: Wer sich für Leo Brenners Farbkenntnisse und Maltechniken mit rund 60 Jahren Erfahrung interessiert, ruft ihn einfach an: Telefon 0241/533476.