Aachen: Zeitungsmuseum besteht ersten Stresstest

Aachen: Zeitungsmuseum besteht ersten Stresstest

Ach du dickes Überraschungsei! Das größte seiner Art, um die drei Meter hoch, thront erst seit ein paar Stunden im Haus an der Pontstraße 13. Momentan ist das sprichwörtliche Gelbe vom Ei - ein rasantes Spektakel der animierten Bilder rund um die Geschichte der Medien und ihrer Macher - noch nicht ganz ausgebrütet.

Spätestens kommenden Freitag aber muss das jüngste „Küken” der Kulturstadt Aachen endgültig geschlüpft sein. Kommendes Wochenende soll die ovale „Chaoskammer” mit drei großen Monitoren hinter schneeweißer Schale die Besucher in Scharen locken. Wenn das völlig neu gestaltete Internationale Zeitungsmuseum (IZM) seine Tore im „Großen Haus von Aachen” erstmals (und natürlich zum Nulltarif) für die große Masse der Besucher öffnet.

Das kleine Publikum sorgt indessen schon einmal dafür, dass die übrige taufrische Präsentation ihren ersten „Stresstest” ziemlich bravourös besteht. Ebenso wie Museumschef Andreas Düspohl. Wer weiß: Vielleicht werden die 28 Steppkes von der Katholischen Grundschule Hanbruch ihren Enkeln später mal erzählen, dass sie die ersten Menschen waren, die die weltweit einzigartige Dokumentation im Rahmen der „Route Charlemagne” gesehen haben.

Und nicht nur das. Anfassen ist nämlich nicht nur erlaubt, sondern unbedingt erwünscht, wenn es darum geht, Historie und jüngste Errungenschaften des Journalismus in allen Facetten buchstäblich zu begreifen. Nicht bedrucktes Papier, nicht verstaubte Schubladen mit höchst empfindlichen, jahrhundertealten Original-Gazetten stehen hier im Mittelpunkt.

Die computergesteuerte - und damit auch didaktisch höchst raffinierte - Aufbereitung des vielfältigen Sujets fasziniert die jungen Pioniere natürlich noch mehr. Von wegen Berührungsängste. Die digitale Weltkarte zum Beispiel hat es den Schützlingen von Schulleiterin Elfriede Keutgens besonders angetan. Micha tippt mit dem Zeigefinger auf Polen, das Heimatland seiner Eltern. Buchstäblich im Handumdrehen erscheint die Titelseite einer renommierten Zeitung aus dem Nachbarland im Großformat auf dem Bildschirm. Und wenn sich Schubladen - reichlich an der Zahl - öffnen, warten darin meist ebenfalls Monitoroberflächen. Die lassen sich spielend leicht bedienen und zaubern spannende Geschichten und Bilder aus der weiten Welt der Berichterstattung oder auch Interviews mit prominenten Journalisten unserer Tage hervor.

Fazit eines zweijährigen, mitsamt dem aufwendigen Umbau des alten Bürgerhauses rund 3,3 Millionen Euro teuren Vorbereitungsmarathons: Die kritischsten Kritiker - Micha, Santino, Alkama, Johanna, David und Co. - sind jedenfalls schwer begeistert. Auch wenn so manches kreative Kind in Sachen IZM der Zukunft noch nicht ganz flügge ist - während die Bauarbeiter im neuen Haus noch mindestens ebenso lautstark vertreten sind wie die fidele Vorhut der (potenziellen) Fans.

Andreas Düspohl und sein Team dürfen also mal kräftig durch- und auch aufatmen. Bevor Düspohl zum großen Endspurt Richtung Neueröffnung ansetzt, muss er zwischen Bauplanen und Werkzeugkisten zwar noch manchen Slalom absolvieren. „In den vergangenen Tagen hat sich hier aber unglaublich viel getan”, sagt er. „Auch wenn man sich das im Augenblick nur schwer vorstellen kann - ich bin sehr zuversichtlich, dass Ende nächster Woche alles fertig ist.” Inklusive des „Gelben vom Ei”, versteht sich.

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