Ausstellung „Berührungen" in den Aachen Arkaden: Zeitlose Bilder einer kraftvollen Künstlerin

Ausstellung „Berührungen" in den Aachen Arkaden : Zeitlose Bilder einer kraftvollen Künstlerin

Doppelt dankbar ist Gerda Zuleger, die neue Vorsitzende des Kulturwerks Aachen, über die Ausstellung zum Gedächtnis ihrer Vorgängerin Annely Kall. „Sie war nicht nur eine überaus engagierte Leiterin des Kulturwerks, die viele Ausstellungen organisiert hat, sondern auch eine Künstlerin mit einem beachtlichen zeitlosen Werk. Wir sind sehr froh, dass wir einen Teil ihres Nachlasses zeigen dürfen.“ An diesem Samstag wird die Ausstellung in den Aachen Arkaden eröffnet.

39 Arbeiten umfasst die Ausstellung „Berührungen“ mit überwiegend Gemälden, die Berührungen geradezu herausfordern angesichts der Lebendigkeit der Oberflächen, die Annely Kall schuf. Da gibt es schroffe Brüche und deutlich strukturierte Linien und Flächen, starke Akzentuierungen der Materialität und Beschaffenheit, um die besondere Dynamik von Werden und Vergehen zu zeigen und auf Prozesse der Morbidität zu verweisen, die dem Wandel vorausgehen. Ganz anders geben sich weitere Bilder in für Annely Kall typischem Rot, die völlig von der Expressivität der Farbe leben und Assoziationen an Feuer und Lava aufkommen lassen.

Sehr deutlich macht die Ausstellung, wie vielfältig die vor einem Jahr im Alter von 72 Jahren gestorbene Künstlerin und Vorsitzende des Kulturwerks ihre Bilder gemalt hat, welch großes experimentelles Repertoire sie besaß und wie wichtig ihr die Berührungslust war. Dabei ging es weniger um das haptische Anfassen, das sinnliche Spüren der Oberflächen unter den Fingern, sondern die Berührung von Geist und Seele im Sinne eines Austauschs von Künstler und Betrachter.

Hoch ist der Wiedererkennungswert ihrer Bilder etwa mit reinen Pigmenten, typisch für sie sind, neben Rot gewisse Blau-Grautöne, die an Himmel und Horizonte erinnern. Eines der bekanntesten Werke von Annely Kall ist sicherlich das „Amerika-Bild“, das in aufwändigen experimentellen Prozessen entstand.

Etliche Male wurde das Blau-Weiß-Rote Gemälde im Garten Wind und Wetter und damit einer gewissen Verrottung überlassen, die Annely Kall künstlerisch zu einem morbiden Werk gestaltete. So entstand eine Arbeit, die deutlich Kritik an der amerikanischen Politik übt und auf ihren drastischen Werteverfall hinweist.

Übergroßes Engagement im Kulturwerk

Neben einer Reihe bereits bekannter Bilder gibt es auch Arbeiten zu sehen, die noch nie in der Öffentlichkeit gezeigt wurden. „Wir sind stolz darauf, Annely Kall in ihren vielen künstlerischen Facetten präsentieren zu können“, berichtet Gerda Zuleger. „Angesichts ihres übergroßen Engagements im Kulturwerk, das sie von 2011 bis 2018 geleitet und vorher mit gegründet hat, ist es fast ein Wunder, dass sie zum Malen überhaupt noch Zeit gefunden hat.“

Dutzende von viel gesehenen Ausstellungen hat die Innenarchitektin, die an der Aachener Werkkunstschule ihre Ausbildung begann, den Aachenern beschert. Nun schließt sich mit der Ausstellung zu ihrem ersten Todestag allmählich der Kreis des Kulturwerks in den Aachen Arkaden. „Mit ihrem Engagement begann die Arbeit in diesem Hause, und nun zeichnet sich angesichts der vielen Leerstände ein Ende ab“, meint Gerda Zuleger. „Dennoch sind wir froh und dankbar, mit den Arbeiten von Annely Kall noch einmal deutlich für Aachen präsent zu sein. Dankbar sind wir auch der Familie Kall, dass sie mit dem Verkaufserlös der Bilder das Kulturwerk unterstützen möchte.“

Während am Samstag, 10. August, um 18 Uhr die Ausstellung in den Aachen Arkaden an der Trierer Straße eröffnet wird, sitzt der Schwerpunkt der Werkschau auf der Midissage am Freitag, 23. August, 18 Uhr. Dann jährt sich zum ersten Mal der Todestag Annely Kalls und wird zum Anlass genommen, ihr künstlerisches Werk und ihr Engagement in Aachen näher zu beleuchten.

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