Aachen: Zehn Prozent mehr: Theatertickets werden bald deutlich teurer

Aachen : Zehn Prozent mehr: Theatertickets werden bald deutlich teurer

Einem nackten Mann in die Tasche zu greifen, ist schwierig. So in etwa stellt sich das dar, was die Politik jüngst mehrheitlich dem Stadttheater zur Aufgabe gemacht hat. Der städtische Eigenbetrieb soll deutlich mehr als bisher zu seiner Finanzierung beitragen — statt bisher etwa 13 demnächst 16 Prozent.

Bei Jahresausgaben von derzeit rund 24 Millionen Euro bedeutet der Beschluss, den der Betriebsausschuss im Januar fällte, dass das Theater bis zur Spielzeit 2020/21 rund 1,3 Millionen Euro mehr zur „Konsolidierung“ beitragen muss. Womit man beim nackten Mann wäre. Die Frage lautet: Wie soll das gehen? Erstens sind 18,8 Millionen Euro vom Gesamtbudget Personalkosten. Wobei das Personal am Aachener Theater, wie es heißt, an der Belastungsgrenze oder darüber hinaus arbeitet. Einsparungen scheinen da kaum möglich. Also mehr einnehmen. Rund drei Millionen Euro erwirtschaftet das Theater derzeit, davon etwas mehr als zwei Millionen durch den Ticketverkauf. Ein Dreh an der Preisschraube scheint jedoch auch kaum möglich, denn die Preise sind in Aachen schon vergleichsweise hoch. Was nun? Man erhöht die Preise trotzdem — um satte zehn Prozent plusminus Auf- und Abrundungen.

Diese Maßnahme kristallisierte sich in den seit Monaten laufenden Gesprächen zu diesem Thema bereits deutlich heraus. In der nächsten Sitzung des Betriebsausschusses am kommenden Donnerstag bekommen die Politiker nun auf den Tisch gelegt, was das in Zahlen bedeutet. In Auszügen:

Musiktheater

Wer in die Oper geht, zahlt für die teuersten Tickets demnächst 48,50 statt 43,95 Euro. Die preiswertesten Karten gibt es für 14,50 statt bisher 13,15 Euro. Eine Premiere kostet demnächst zwischen 56 (bisher 50,55) und 17 Euro (15,35). Beim Musical reichen die Preise von 54,50 (49,45) bis 16 (14,25) Euro.

Schauspiel

Die Preise im großen Haus klettern auf eine Spanne zwischen 42,50 (38,45) für die teuersten und 13,50 (12,05) Euro für die preiswertesten „Vollzahlertickets“. Bei den Premieren geht‘s von 48,50 (43,95) bis 14,50 (13,15) Euro. Ein Stück in der Kammer schlägt mit 26 statt 23,60 Euro zu Buche. Im Mörgens muss mann dann 17,50 statt 15,90 Euro berappen.

Konzerte

Für das Sinfoniekonzert klettert der Preis von 40 auf 44 Euro, beim Familienkonzert von 25 auf 27,50 Euro, beim Kammerkonzert von 17 auf 19 Euro.

Abonnements

In der Regel bieten die Abos, von denen es eine ganze Palette gibt, einen Rabatt zwischen 20 und 30 Prozent auf die Einzelpreise. Beispielsweise das „große Premieren-abo“ (sechs Opern-, vier Schauspielpremieren) kostet demnächst zwischen 370 (336) und 115 (102) Euro. Ein Abo in der Kammer soll zwischen 111 (99,60) und 72 (64,80) Euro kosten. Das Abo für Sinfoniekonzerte kostet zwischen 256 (231,20) und 88 (79,20) Euro.

Alles in allem soll der Dreh an der Preisschraube 200.000 Euro im Jahr zusätzlich in die Kasse spülen. Theoretisch. Praktisch hingegen könnte das Ganze auch böse nach hinten losgehen: Nämlich dann, wenn diese Preise den Theaterbesuchern zu teuer werden und sie deswegen einen Bogen um die Bühne(n) machen. Diese Gefahr sieht auch das Theater und will ein Auge darauf haben, wie sich das entwickelt.

Hintergrund der ganzen Geschichte: Der städtische Zuschuss von rund 21 Millionen Euro für das Theater reicht nicht. Der Eigenbetrieb weist im Wirtschaftsplan regelmäßig ein Defizit von mehreren hunderttausend Euro aus. Das konnte bis jetzt über eine Rücklage ausgeglichen werden, die aber nun aufgebraucht ist. Die Grünen hatten deshalb vor einem Jahr einen Ratsantrag gestellt, der dem Theater wie auch dem Kulturbetrieb (Museen etc.) Planungssicherheit bringen sollte. Damit hatten sie aber nicht das gemeint, was nun folgte: Als Kämmerin Annekathrin Grehling ihren Haushaltsentwurf 2018 im Herbst präsentierte, da tauchte dieser Punkt auf. Und zwar so: Das Theater soll — eben in Sachen Planungssicherheit — etwas mehr Zuschuss erhalten. 400.000 Euro im Jahr 2018 und bis zu 900.000 Euro in den kommenden zwei Jahren sollten es sein. Doch das solle kein „Blankoscheck“ sein, so Grehling. Vielmehr müsse das Theater mehr selber zu seinem Budget beitragen. Grehling wollte zunächst 18 Prozent, später einigte man sich auf 16 Prozent. Das Ganze sollte mit einer „Zielvereinbarung“ manifestiert werden.

Im Januar gab es im Ausschuss dafür viel Kritik von allen Seiten. Trotzdem wurde das Paket von CDU, SPD und FDP beschlossen, während Grüne, Linke und Piraten vehement dagegen waren. „Bemerkenswert finde ich, dass unser Antrag, der etwas ganz anderes wollte als die Zielvereinbarung —nämlich eine Kommission, die zunächst realistische Konzepte macht, bevor man einfach eine Eigenfinanzierungsquote festsetzt — als Ausgangspunkt für diesen Vorgang genommen wurde“, ärgerte sich Hermann Josef Pilgram am Donnerstag. Fakt ist: Auch die 200.000 Euro, die Preiserhöhungen bringen sollen, reichen vorne und hinten nicht, um die Vorgabe zu erfüllen. Genralintendant Michael Schmitz-Aufterbeck hatte bereits im Ausschuss gesagt, erhalte die 16-Prozent-Marke für „völlig utopisch“. Von wegen nackter Mann und so...