Aachen: Zalando soll Avantis wachküssen

Aachen: Zalando soll Avantis wachküssen

Er ist in Sichtweite, der Prinz, der das im Dornröschenschlaf liegenden Gewerbegebiet „Avantis” wachküssen könnte. Und wenn es so kommt, wie es nach AZ-Informationen derzeit aussieht, dann könnte es einen regelrechten Kick für das als Tiger gestartete und als Bettvorleger gelandete erste grenzüberschreitende Gewerbegebiet des Kontinents geben.

Zalando, nach eigenen Angaben Deutschlands größter Onlineanbieter für Schuhe und Mode, will sich auf der deutschen Seite von „Avantis” ansiedeln.

Gebaut werden könnte ein riesiges Logistikzentrum des Berliner Unternehmens, das sich auf rasantem Wachstumskurs befindet. Im Moment baut Zalando schon ein solches Zentrum in Erfurt (Thüringen). Die dortigen Dimensionen: 78\.000 Quadratmeter (7,8 Hektar) Fläche in der Endausbaustufe, 100 Millionen Euro Investition, 1000 neue Arbeitsplätze, davon 500 zum Start Anfang 2013, weitere Bauten nicht ausgeschlossen.

Nach AZ-Informationen könnte das Logistikzentrum in Aachen ganz ähnliche Ausmaße haben, auch hier ist die Rede von 1000 und mehr Arbeitsplätzen. Verhandelt worden ist bereits über die Neuansiedlung, eine Entscheidung könnte bald fallen.

Die Geschichte von Zalando ist derweil ziemlich genau das Gegenteil jener von „Avantis”. Vielmehr handelt es sich bei dem Unternehmen um ein Wunderkind aus der Online-Wachstumsbranche - nur dort gibt es solche Erfolgsgeschichten. Wobei Kind rein altersmäßig zutrifft.

Nicht einmal drei Jahre ist es her, dass Zalando seine Aktivitäten im Internet startete. Damals noch als reiner Schuhhandel. Hinzugekommen sind Mode und schließlich Accessoires, Beauty- und Sportartikel. Rund 100\.000 Artikel von 1300 Marken umfasst das Angebot. Der Umsatz liegt bereits bei mehreren hundert Millionen Euro. Mehrere hundert Jobs werden aktuell auf der Zalando-Homepage angeboten.

In mehreren europäischen Ländern ist Zalando ebenfalls bereits durchgestartet - und teils auch schon Marktführer im Bereich der reinen Onlinehändler. Frankreich, Österreich, die Schweiz, Großbritannien, Italien wurden „erobert”. Im Mai kommen Finnland, Norwegen, Schweden und Dänemark dazu. Und in den Niederlanden hat Zalando auch schon kräftig losgelegt. Da wäre Aachen ein strategisch günstiger Punkt zum Verteilen.

Für „Avantis” wäre eine verkaufte Fläche von über sieben Hektar ein Hammer. Die Grundstücke auf deutscher Seite haben eine Gesamtgröße von 60 Hektar, verkauft wurden in mehr als zehn Jahren gerade einmal etwas über drei Prozent. Allerdings: Bisher war die Ansiedlung solcher Logistikzentren dort verpönt.

„Avantis” sollte der Idee nach eigentlich ein Hightech-Standort werden. Mit der Folge, dass die Betreibergesellschaft, an der die Stadt zu einem Viertel beteiligt ist, mit knapp 24 Millionen Euro Schulden vor der Pleite stand. Zur Rettung musste die Stadt wie auch die anderen Eigner - Heerlen, Land NRW und die limburgische Entwicklungsbank Liof - rund sechs Millionen Euro locker machen, um die Gesellschaft bei der Gläubigerbank freizukaufen.

Mit neuem Konzept voran

Verbunden damit wurde, dass „Avantis” nun konzeptionell völlig neu aufgestellt wird. So soll eben auch das strikte Ansiedlungsreglement fallen. Zudem sollen die hohen Grundstückspreise heruntergeschraubt werden, auch eine bessere Verkehrsanbindung ist neben etlichen weiteren Maßnahmen gewünscht.

Für Zalando würde dem Vernehmen nach gar die geplante Verlängerung der Euregiobahn-Strecke über „Avantis” ein Stück verlegt, weil sie nach jetzigen Planungen genau über die von Zalando ins Auge gefassten Flächen verlaufen würde. Über das neue Konzept wird der Planungsausschuss Ende April beraten.

In Thüringen ging alles ganz schnell. Im Oktober 2011 wurden die Pläne öffentlich, ruckzuck gab es Baugenehmigungen, im Dezember wurde der erste Spaten in die Erde gestochen, Anfang 2013 ist Eröffnung. Für die zunächst 500 neuen Stellen gibt es schon weit mehr als 1000 Bewerbungen. Die Agentur für Arbeit in Erfurt hat Zalando gar ein eigenes Team zur Unterstützung zur Seite gestellt.

Die Firmenzentrale in Berlin kommentierte am Dienstag die Informationen nicht.

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