Aachen: WZL: Am Rotter Bruch pulsiert das Forscherleben

Aachen : WZL: Am Rotter Bruch pulsiert das Forscherleben

An die Nacht, in der die Sirenen in Aachen nicht stillstanden, werden sich wohl noch viele Menschen sehr gut erinnern können. Es war der 5. Februar 2016, als bei einem verheerenden Brand große Teile der Versuchshalle des Werkzeugmaschinenlabors (WZL) der RWTH Aachen am Campus Melaten abbrannten.

Zurück blieb nur ein großer Haufen Schutt. „Wir hatten das Glück, dass die Halle mehr oder weniger komplett abgebrannt ist. Denn was will man mit einem Viertel, das stehenbleibt“, sagte Daniel Trauth, Oberingenieur beim Werkzeugmaschinenlabor, Arbeitskreis Schleiftechnik, am Mittwoch bei einer Führung durch eine der Ausweichhallen am Rotter Bruch. Mit einer Wand, einer Maschine, die in Teilen erhalten geblieben wäre, hätten die Forscher wohl nicht viel anfangen können. Vermutlich wäre es aufwendiger gewesen, die Halle zu sanieren, wieder aufzubauen. Ein Neuanfang scheint für alle Beteiligten die richtige Wahl zu sein. So soll das WZL im Jahr 2020 wieder an seinem alten Standort sein.

Bis dahin sollte natürlich weiter geforscht werden. So wurden schon kurz nach dem Brand, der einen Schaden in Höhe von 100 Millionen Euro verursachte, Ersatzflächen für die verschiedenen Forschergruppen am WZL gesucht. Von Trübsal blasen keine Spur. „Wir dachten alle: ,Jetzt erst recht‘“, sagte Viktoria Ingelmann, Abteilungsleiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des WZL. „Das haben alle mitgetragen. Es kam eine richtige Euphorie auf, denn alle wollten das hinkriegen.“

Eine der mehr als sechs Ersatzflächen hat man am Rotter Bruch 12 gefunden. Dort haben sich die Mitarbeiter des Lehrstuhls Technologie der Fertigungsverfahren auf einer Gesamtfläche von 1600 Quadratmetern — verteilt auf zwei Hallen mit 1090 Quadratmetern und 510 Quadratmetern — ein neues Forschungszentrum eingerichtet und haben sich dort eingemietet. Die Bereiche Zerspantechnologie, Schleifen und Umformen sowie die Mechanische Werkstatt und der Ausbildungsbetrieb des Werkzeugmaschinenlabors haben dort ihren Betrieb aufgenommen. Mit Erfolg. Doch so langsam wird es eng. „Wir kommen hier an die Grenzen“, sagte Trauth.

Denn nur ein Jahr nach dem Umzug sei der frühere Status quo wieder erreicht gewesen, so Ingelmann. „Wir haben viel Hilfe seitens der Industrie und der Hochschule erfahren“, sagte sie. Man habe kein Forschungsprojekt aufgeben müssen. Alles habe — mit ein wenig Verzögerung — funktioniert. „Man muss nur viel telefonieren und fahren“, so Ingelmann weiter. Und das Beste: „Es hat zwar ein paar Tage gedauert, aber unsere IT konnte alle Daten nach dem Brand erhalten“, sagte Ingelmann.

Betrieb nimmt richtig Fahrt auf

Im Sommer 2016 wurden bereits wieder Auszubildende eingestellt, der Betrieb nahm ab August 2016 wieder so richtig Fahrt auf. Inzwischen arbeiten 825 Mitarbeiter am WZL, 248 wissenschaftliche und 180 nicht-wissenschaftliche Mitarbeiter sowie 397 studentische Hilfekräfte.

Heute, etwa zweieinhalb Jahre später, zeigen sich Trauth und Ingelmann zufrieden. Denn in den beiden Hallen pulsiert das Forscherleben. In der größeren Halle „findet die echte Arbeit statt“, scherzte Trauth. Dort werden Teile aus Stahl oder Kunststoff produziert, die für die Forschung benötigt werden. „Es sind in der Regel Teile, die von den Maschinen und den Forschern hinterher bearbeitet werden“, so Trauth weiter. Die wiederum führen „Versuche im Sinne der Wissenschaft durch“, sagte Trauth, aber auch Forschungen, die für eine Dissertation betrieben werden, sind gerne gesehen. Denn am Standort Rotter Bruch wird nicht für den Handel produziert. „Hier wird nur geforscht“, so Trauth.

So erforscht das WZL aktuell das „Internet of Production“, das eine echtzeitfähige, sichere Informationsverfügbarkeit zu jeder Zeit an jedem Ort beschreibt. Vereinfacht beschrieben werden Daten, die bei einem maschinellen Entstehungsprozess erzeugt werden, ohne Kabelverbindung direkt per Internet auf einen Bildschirm übertragen. Durch präzise und kontinuierliche Datenanalyse folgen Mustererkennungen, und die wiederum ermöglichen eine Prognosefähigkeit zur Entscheidungsunterstützung als zweiten Schritt auf dem Weg zu einer beherrschten Produktion. So sollen Produktionsprozesse besser nachvollzogen werden können. „Wir schauen uns alle Kräfte an, die bei so einem Prozess entstehen. Der Verlauf einer Produktion ist nicht immer gleich. Wir wollen rausfinden, warum das so ist“, sagte Trauth.

Die Mitarbeiter vor Ort versichern, dass es noch sehr viel mehr zu erforschen gilt. 20 bis 25 Jahre seien in der Forschung keine lange Zeitspanne. So werden im WZL auch nach seinem erneuten Umzug in zwei Jahren wieder viele Forscher eine Heimat finden — und viele Ideen entwickelt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Nach Großfeuer: Neue Halle des WZL eingeweiht