Aachen: Workshop: Mehr Sicherheit für Radfahrer

Aachen : Workshop: Mehr Sicherheit für Radfahrer

Zu eng, zu unsicher, zu unattraktiv: Das Radfahren auf dem inneren Grabenring gehört für viele Fahrradfahrer zu den weniger vergnüglichen Strecken in Aachen. Dabei soll der Straßenverlauf in Zukunft als „Verteilerring“ im geplanten Rad-Vorrang-Netz eine zentrale Funktion für den Radverkehr in der Stadt einnehmen.

Schließlich sollen von dort die sogenannten Radvorrangrouten (siehe Infobox) in die entsprechenden Stadtteile führen.

Einstimmig wurde Ende April im Mobilitätsausschuss beschlossen, ein Rad-Vorrang-Netz in Aachen einzuführen, um vor allem Berufspendlern den Umstieg vom Auto aufs Fahrrad schmackhaft zu machen. Bei der konkreten Ausgestaltung sieht die Fraktion der Grünen aber noch Diskussionsbedarf, insbesondere hinsichtlich des Grabenrings bestehe eine „planerische und finanzielle Lücke“. Denn dessen aktuelle Gestaltung sei „trotz der vorhandenen Radschutzstreifen ungeeignet dafür, dass sich auf ihm Radfahrende in wachsender Anzahl fortbewegen wollen und sicher fühlen“, heißt es seitens der Fraktion. Dass viele Aachener diese Einschätzung teilen, dürfte bereits am Samstag zu sehen sein. Dann nämlich wollen der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Aachen (ADFC), Greenpeace Aachen und der VCD Aachen (Verkehrsclub Deutschland) unter dem Motto „Grabenring fahrradfreundlich — Jetzt“ mit möglichst vielen Fahrradfahrern auf die Straße gehen. Start ist um 13 Uhr an der Dominformation an der Johannes-Paul-II.-Straße. Zeitgleich will Jan van den Hurk auf dem Grabenring mit einem roten Teppich auslegen und damit einen modernen Radweg simulieren.

Damit sich Radfahrer auf dem Grabenring nicht länger als „Randfiguren“ fühlen, wie es Wilfried Fischer, mobilitätspolitischer Sprecher der Grünen, formuliert, schlägt die Fraktion einen Workshop vor. In diesem sollen möglichst schon ab Herbst Vertreter aller Fraktionen, der Verwaltung und der Verbände gemeinsam konkrete Leitlinien für die Umgestaltung des inneren Grabenringes erarbeiten. Ein entsprechender Antrag soll noch vor der Sommerpause im Rat auf die Tagesordnung kommen.

Ziel sei es, so Fischer, den Durchgangsverkehr auf dem Grabenring zu reduzieren. Nach Vorstellung der Grünen könnte dies eine sogenannte Schleifenerschließung bewirken. Heißt: Neben dem Bereich am Elisenbrunnen soll der Verkehr für Autos an weiteren Stellen unterbrochen werden. Autofahrer könnten dann künftig vom Alleenring aus über eine Stichstraße ins Zentrum gelangen, dann aber wieder über eine Schleife zum Alleenring zurückgeführt werden. Auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 oder sogar 20 km/h regen die Grünen an, damit die Fahrt auf dem Grabenring für Radfahrer sicherer und attraktiver werde — so ein paar Vorschläge. Planerisch tätig werden wollen die Grünen nämlich nach eigener Aussage nicht. „Es geht um einen Vision“, betont Relindis Becker, sachkundige Bürgerin der Grünen Fraktion im Mobilitätsausschuss. Basierend auf den Leitlinien, die im fraktionsübergreifenden Workshop für den Grabenring erarbeitet werden sollen, sollen dann die Verkehrsplaner tätig werden.

Eine Vision benennt Fischer vorab: „Wenn man die Strecke so gestalten kann, dass auch Kinder bedenkenlos dort entlangfahren können, dann ist das Ziel erreicht.“ Mit den entsprechenden politischen Maßnahmen sei somit auch ein Radfahreranteil von 30 Prozent innerhalb der nächsten zehn Jahre durchaus erreichbar. Aktuell liegt der Anteil in Aachen bei elf Prozent.

„Der Wille ist da“, sagt Fischer. Ob auch die Große Koalition mit den Grünen an einem Strang zieht, soll sich in der Ratssitzung am 12. Juli zeigen. Sollte der Antrag beschlossen werden und das Okay vom Mobilitätsausschuss erhalten, könnte der Workshop bereits im Oktober starten. 2019 dürften dann die ersten Maßnahmen den Grabenring für Radfahrer etwas attraktiver gestalten.