Aachen: Wohngeld kommt viele teuer zu stehen

Aachen: Wohngeld kommt viele teuer zu stehen

Weniger kann mehr sein - die schlichte Erkenntnis haben zahlreiche Aachener in den vergangenen Monaten bitter zu spüren bekommen.

Rund 120 meist ältere Bürger haben allein Anfang vergangenen Jahres ihren Anspruch auf Einkünfte aus der gesetzlichen Grundsicherung verloren, weiß Heinrich Emonts, Leiter des städtischen Fachbereichs Soziales und Integration. Denn zum 1. Januar 2009 bereits wurde das Wohngeld für Bedürftige zwar erhöht. Zugleich aber hat diese Leistung Priorität gegenüber der Grundsicherung.

So stocken auch zahlreiche Senioren, Kranke oder behinderte ihre schmalen Renten nun durch Mietzuschüsse aus. Damit aber haben sie keinen Anspruch mehr auf weitere Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch - und folglich am Ende unterm Strich vielfach weniger im Portemonnaie als ohnehin schon.

Maria Meier (Name geändert) will - oder kann - sich mit der faktischen Verschlechterung ihrer Situation nicht abfinden. „Durch die neue Regelung muss ich jeden Monat einen Verlust von 115 Euro verkraften”, sagt die Rentnerin. „Dabei konnte ich bisher schon kaum von meinem Einkommen leben - sonst hätte ich ja keine Grundsicherung bekommen.”

Vier Euro Rente zu viel

Zurzeit erhält Maria Meier 601,59 Euro Rente. „Hätte sie nur vier Euro weniger gehabt, hätte sie weiter Anspruch auf Grundsicherung geltend machen können”, erläutert Annette Pütz von „Frauen helfen Frauen”. Zwar zahlt der Staat der Seniorin nun 104 Euro Mietzuschuss. „Aber durch den Wegfall der Grundsicherung können andere Vergünstigungen eben nicht mehr beantragt werden”, kritisiert Pütz.

Die summieren sich praktisch auf den gleichen Betrag, den die Seniorin derzeit als Wohngeld erhält. Maria Meiers Verlustrechnung im Einzelnen: 17,98 Euro zusätzliche Kosten für Rundfunk- und TV-Gebühr; 26,25 Euro zusätzliche Kosten für die Aseag-Fahrkarte nach Wegfall des Aachen-Passes; Streichung des Sozialtarifs von 6,94 Euro fürs Telefon; Streichung von 4,72 Euro Medikamentenzuschuss. Weitere 60 Euro würden nach ihrer Schätzung monatlich fällig, wenn die Aachener Tafel ihre Kundenkarte nicht auf dem „kurzem Dienstweg” verlängert hätte.

„Leider handelt es sich keineswegs um einen Einzelfall”, klagt Annette Pütz. In zunehmendem Maße sei die Beratungsstelle in jüngerer Zeit mit ähnlichen Problemen konfrontiert worden.

„Keine weiteren Möglichkeiten”

Natürlich hat Maria Meier sich nicht nur an die Beratungsstelle, sondern vordem mehrfach ans Sozialamt gewandt. Dort zeigte man zwar Verständnis. Leider verfüge man aber „über keine weiteren Möglichkeiten, Ihnen Unterstützung anbieten zu können”. Bedauerlich, aber nach aktueller Gesetzeslage nicht zu ändernÊ- so kennzeichnet auch Amtschef Heinrich Emonts die Situation. „Betroffene sollten in jedem Fall versuchen, bei den jeweiligen Stellen Nachlässe zu erwirken”, sagt er.

Maria Meier freilich will sich auch damit ebenso wenig abfinden wie Annette Pütz. Es könne ja nicht angehen, dass alte und kranke Menschen mit zweifelhaftem Erfolg von Pontius zu Pilatus geschickt würden, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. „Wir fordern, dass zumindest eine Kulanzregelung eingeführt wird, damit Bedürftige nicht wegen ein paar Euro durchs soziale Netz fallen.”

Nachtrag: Vielleicht können Menschen wie Maria Meier in Kürze paradoxerweise aufatmen - und womöglich doch wieder Anspruch auf Grundsicherung erheben, von wegen: weniger ist mehr. Denn nach jüngsten Plänen der Bundesregierung soll der Heizkostenzuschuss für Wohngeldempfänger künftig wegfallen.