Aachen: Wo Akten zu Schätzen werden: Restauratoren zeigen ihr Können

Aachen: Wo Akten zu Schätzen werden: Restauratoren zeigen ihr Können

Papier ist nicht geduldig, auch wenn so mancher das meint — schon gar nicht, wie so einige denken, in den Stuben der Verwaltung. Und erst recht nicht in der Restaurationswerkstatt des Stadtarchivs. In der alten Nadelfabrik am Reichsweg, wo das „Gedächtnis der Stadt“ seit Frühjahr residiert, informiert eine kleine, aber feine Ausstellung jetzt über die unterschiedlichsten Techniken bei der Konservierung von historischen Dokumenten.

„Wir wollen die Menschen damit auch für die aufwendigen Bemühungen sensibilisieren, die zum Erhalt der wichtigen Quellen zur Geschichte der Stadt erforderlich sind“, erklärte Archivdirektor Dr. Thomas Kraus bei der Eröffnung im Foyer des neuen Begegnungszentrums in Rothe Erde.

„Papier ist nicht geduldig“ haben die Macher die kleine Wanderschau, die vom nordrhein-westfälischen Arbeitskreis der Papierrestauratoren konzipiert wurde, denn auch getauft — wiewohl dabei auch andere einschlägige Materialien wie Pergament und Holz in den Blickpunkt gerückt werden.

Über die höchst unterschiedlichen Herausforderungen, welche Nässe, chemische Stoffe und Prozesse oder schlicht zu viel Licht und zu häufige Benutzung alter Folianten, Akten oder Urkundenbände an die Profis stellen, berichtete Katharina Kleine, die im Archiv für die Restaurierung zuständig ist.

Konzepte gegen Katastrophen

Leider gerate die Arbeit der Experten oft allenfalls im Zusammenhang mit Katastrophen wie dem Einsturz des Stadtarchivs in Köln oder dem Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar in den Fokus der breiten Öffentlichkeit, klagen die Kenner der komplizierten Materie(n).

Sie zeigen daher auch, wie kostbare Unterlagen in speziellen Boxen gesichert und transportbereit gemacht werden. Immerhin werden auch im hiesigen Archiv allein rund 10.000 Urkunden mit teils empfindlichen Wachssiegeln aufbewahrt, die es für nachfolgende Generationen zu sichern gilt.

Auf neun Schautafeln sowie in einer handlichen Broschüre, die man im Stadtarchiv für zwei Euro erwerben kann, werden moderne Verfahren auch zum Erhalt von spröde gewordenen Ledereinbänden, großformatigen Grafiken, Akten und Fotografien in Wort und Bild dargestellt. Ein nach mittelalterlichem Verfahren hergestelltes Buch mit Holzeinband und Metallschloss zeigt, wie die „Mediengestalter“ in den Tagen vor Gutenberg und Co. ihre schriftlichen Botschaften verpackt haben, um sie möglichst lange vor dem Zahn der Zeit zu schützen.

Die Ausstellung ist bis zum 16. November montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr im Foyer der alten Nadelfabrik am Reichsweg zu sehen.

(mh)