Wird Frauke Burgdorff die neuer Planungsdezernentin in Aachen?

Neue Planungsdezernentin : Geheimsache Burgdorff ist vor dem Ziel

Ihr Name unterliegt strenger Geheimhaltung: Frauke Burgdorff, Jahrgang 1970, ist nach Informationen unserer Zeitung die verbliebene Favoritin für den lange vakanten Spitzenposten der Planungsdezernentin in Aachen.

Hinter verschlossenen Türen läuft das Auswahlverfahren mit zig potenziellen Bewerbern seit Wochen. Headhunter hatten – neben dem normalen Bewerbungsweg – aus dem ganzen Bundesgebiet etliche auswärtige Kandidaten beigesteuert. Zuletzt landeten noch vier Kandidaten und Kandidatinnen auf der Abschlussliste, die dem politischen Auswahlgremium in Aachen Rede und Antwort stehen sollten.

Zwei Top-Leute sagten ihre Anreise umgehend ab, waren augenscheinlich also nie ernsthaft interessiert, zwei fachkundige Damen stellten sich den Fragen – und präsentierten ihre Vorstellungen in Sachen Stadtplanung. Dem Vernehmen nach hinterließ Burgdorff dabei einen hervorragenden Eindruck. Nicht nur mangels Alternative läuft deshalb jetzt alles auf die Raumplanerin hinaus, die seit 2017 mit ihrer Bochumer Agentur „Burgdorff Stadt – Agentur für kooperative Stadtentwicklung“ in verschiedenen Städten Großprojekte steuert und betreut.

„Wir befinden uns in einem laufenden Verfahren. Ich bitte um Verständnis, dass ich zuvorderst die politischen Beschlüsse abwarten möchte, bevor ich mich zu Aachen äußere“, sagt Burgdorff am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung. Die Aachener Ratsfraktionen werden sich in der kommenden Woche noch einmal persönlich ein Bild von der Kandidatin machen, die Termine stehen, für jede Partei einzeln. Final entscheidet der Stadtrat.

Vor der Sommerpause könnte alles in trockenen Tüchern sein – was auch Oberbürgermeister Marcel Philipp durchaus recht sein dürfte. Projekt­entwickler, Investoren, Architekten und Bauherren hatten in den vergangenen Monaten – genauso wie Teile der Politik – immer wieder das Machtvakuum an der Spitze des Baudezernats kritisiert. Viele machten dies für den Stillstand einiger Großprojekte und erhebliche Planungsverzögerungen verantwortlich. Im Dezember 2018 war der vormalige Planungsdezernent der Stadt Aachen, Werner Wingenfeld, schwer erkrankt in den Ruhestand verabschiedet worden – nach nur dreijähriger Amtszeit, die er zuletzt kaum noch ausfüllen konnte.

Stadtentwicklung, Mobilität, Planung: In Aachen wartet eine Menge Arbeit auf die neue Planungsdezernentin. Foto: ZVA/Michael Jaspers

Mit Burgdorff steht nun eine parteilose Expertin bereit, die zwar keinerlei Erfahrung in der Leitung einer großen Behörde besitzt – die aber einen beachtlichen Lebenslauf vorzuweisen hat: Die gebürtige Hildesheimerin wuchs im niedersächsischen Ilsede auf, absolvierte ihr Studium der Raumplanung inklusive Diplomarbeit in Kaiserslautern, Dortmund und Antwerpen.

Von 1995 bis 1998 arbeitete sie als Stadtplanerin in Antwerpen. Im Anschluss widmete sie sich wissenschaftlichen Fragen im Sekretariat für Zukunftsforschung, einer Einrichtung in Gelsenkirchen. 2000 bis 2002 lernte sie Aachen und die Region intensiv kennen. Sie übernahm eine Stelle als Projektleiterin im Vorfeld der EuRegionale 2008 – ein Multimillionen-Projekt. Sie wechselte dann als Geschäftsführerin in das Europäische Haus für Stadtkultur nach Gelsenkirchen, bevor Burgdorff als Vorständin in die Montag Stiftung Urbane Räume gAG berufen wurde (2006 bis 2016). Im Anschluss gründete sie „Burgdorff Stadt“. Burgdorff machte jüngst Schlagzeilen, weil sie in Münster einen Bürgerdialog namens „Hafenratschlag“ leitete, der Auswege aus der heftig umstrittenen Weiterentwicklung der Stadthäfen aufzeigen kann.

In Stuttgart organisierte ihre Agentur die Bürgerbeteiligung für eine Quartiersentwicklung auf über 42.000 Quadratmetern. „Ihre Herzensthemen sind gemeinwohlorientierte Immobilienentwicklung, Quartiersentwicklung und Bodenpolitik“, liest man auf der Website der Agentur. Konstruktiver Dialog steht für Burgdorff offenbar im Vordergrund, zudem macht sie sich für preiswerten Wohnraum und eine Verkehrswende stark.

Von den Grünen favorisiert

Dass Burgdorff von der Parteispitze der Aachener Grünen favorisiert wird, gilt allerdings nicht unbedingt als Vorteil im weiteren Auswahlverfahren. Einige Politiker fürchten, dass hier im Hinblick auf die kommenden Kommunalwahlen bereits eine Allianz von CDU und Grünen geschmiedet wird. Andere Insider verweisen darauf, dass Burgdorff kein Parteibuch besitzt – also ausdrücklich überparteilich an Sachthemen orientiert agiert. Baustellen gibt es in Aachen genug: Verkehrsfragen, die Zukunft des Büchel-Quartiers, des Bushofs, Defizite der Innenstadt und der Mangel an Wohnraum gehören dazu.

Sollte Burgdorff gewählt werden, tauchen weitere neue Spitzenbeamte an ihrer Seite auf. Niels-Christian Schaffert, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen der Stadt Aachen, wäre wohl gerne zum Dezernenten aufgestiegen – muss dafür aber im Sommer als Technischer Beigeordneter nach Düren wechseln. Kompetente Nachfolger für den Kerpener – etwa der Aachener Leiter des Verkehrsmanagements, Uwe Müller – könnten seine Aufgaben übernehmen. Aber erst wird der Spitzendezernentenposten vergeben; oder das ganze Auswahlverfahren beginnt langwierig von vorne. Natürlich nach geheimer Abstimmung.

Mehr von Aachener Zeitung