Aachen: Wird es „Public Viewing“ überhaupt geben? Auch Tivoli scheidet aus

Aachen: Wird es „Public Viewing“ überhaupt geben? Auch Tivoli scheidet aus

Mit dem Tivoli ist außer Fußballspielen offenbar rein gar nichts anzufangen. Wobei Fußballspielen hier so gemeint ist, dass die Kicker leibhaftig über den Rasen laufen. Es klappt aber selbst dann schon nicht mehr, wenn das Ganze live über eine Leinwand flimmern soll.

Das geht aus einer Vorlage des Eurogress‘ für den Betriebsausschuss desselben hervor. Dieser muss man entnehmen, dass aus den Plänen für ein Public Viewing während der Fußball-Weltmeisterschaft vom 12. Juni bis 13. Juli in Brasilien nichts wird. Das Eurogress war von der Stadt nach der Pleite der Alemannia mit der „Bespielung“ des Tivoli mit Veranstaltungen beauftragt worden. Die Grünen hatten bereits im Januar beantragt, die Möglichkeiten für Public Viewing im Stadion auszuloten.

Vier Monate hat die Prüfung gedauert, das Ergebnis wurde am Dienstag den Politikern in Form einer Totalabsage präsentiert. Weil die Spiele teils um 18 und um 21 Uhr, also bei taghellem Licht, angepfiffen werden, komme eine Leinwand wie einst beim Open-Air-Kino im Stadion nicht in Frage. Es müsse eine ausreichend große LED-Wand her. Die aber, so habe es die Firma, die Alemannia berate, kundgetan, könnte wegen ihres Gewichts die Rasenheizung demolieren.

„Die Bespielung des Innenraums kommt daher nicht in Betracht“, heißt es seitens des Eurogress‘. Andere Variante: Fußballgucken im Rudel auf dem Vorplatz. Das hätte den Charme, dass man die Infrastruktur des Stadions wie etwa Toiletten mitnutzen könnte. Nur: Am Finaltag der WM findet der „Soerser Sonntag“ zum Auftakt des CHIO statt.

Eine Rücksprache mit dem ALRV habe ergeben, dass dieser es für unmöglich halte, beide Veranstaltungen parallel stattfinden zu lassen. Aus der Bezirksvertretung Laurensberg sei zudem der Hinweis auf mögliche „Schwierigkeiten mit Bewohnern der Soers“ wegen des Lärms gekommen. Jährlich seien nur zehn „lärmintensive Veranstaltungen“ zugelassen. Und diese zehn Ausnahmen seien an neun Tagen durch den ALRV und an einem durch die Schlagersause „Aachen olé“ sozusagen „verbraucht“.

Als möglichen Partner habe man den Cinetower aus Alsdorf — auch Betreiber des Cinekarrees — angesprochen, der bereits 2010 das Public Viewing auf dem Markt veranstaltet hat — auch diese Option fällt wie der Katschhof wegen Heiligtumsfahrt und Karlsjahr aus. Für diesen Partner sei aber der Kurpark attraktiver. In der Vorlage werden Aussagen des möglichen Veranstalters wiedergegeben, wonach ein dortiges Public Viewing seitens der Stadt zwar zugesagt war, bis zum 15. April aber noch keine Auflagen festgezurrt worden seien.

Das habe eine Kalkulation der Kosten unmöglich gemacht, weswegen die Planungen abgebrochen worden seien. Allerdings wäre es auch dort wohl schwierig geworden. Erstens habe die Stadt den Kurpark am Tag eines möglichen Viertelfinalspiels der deutschen Elf bereits für ein „städtisches Event“ reserviert. Außerdem habe die Polizei Sicherheitsbedenken.

Auf Nachfrage bekunden die Grünen als Ideengeber in Sachen Tivoli ihre Enttäuschung: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es keine technische Lösung gibt. Es ist doch kaum zu glauben, dass ein Fußballstadion für so etwas untauglich sein soll“, sagt Fraktionsgeschäftsführer Helmut Ludwig. In anderen Städten sei das kein Problem. Es gebe geeignete Abdeckungen für den Rasen. Interesse hatte auch Alemannia bekundet, Public Viewing am Tivoli zu organisieren. Die technischen Probleme blieben jedoch die gleichen.

Das öffentliche Fußballgucken wurde im Ausschuss übrigens merkwürdigerweise nicht-öffentlich beraten.

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